In den ersten Folgen haben wir einen der bekanntesten lebenden Pekingopernsänger vorgestellt und einen Überblick über Ursprung und Grundlagen der Pekingoper gegeben. In der letzten Folge stellten wir die „Piaoyou“, eine besondere Art von Anhängern der Pekingoper vor. In den nächsten Beiträgen werden wir zwei bedeutende „Piaoyou“ der Gegenwart, Zhao Shuangwu und Zhao Lan, vorstellen.
Zhengyici: Das „Heim der Pekingoper-Fans“
Ein Sturm von Bravorufen bricht im über 300 Jahre alten, südwestlich des Tian’anmen-Platzes gelegenen Zhengyici-Theater los, nachdem eine Darstellerin eine besonders komplizierte Pekingoper-Arie beendet hat.
Die Möglichkeit „Bravo“ zu rufen, sei einer der Gründe, warum er die Pekingoper westlichen Symphonien vorziehe, sagt Cheng Huaxin, ein im Ruhestand befindlicher Redakteur einer Tageszeitung.
Auf einem Konzert müsse man gerade, mit den Händen auf den Knien sitzen, aber hier könne man klatschen und Tee trinken, wann immer man wolle, erklärt Cheng. Cheng ist auch ein „Piaoyou“, ein Fan der Pekingoper, der auch die komplizierteren Stücke vortragen kann.
Jeden Samstagnachmittag geht Cheng ins Zhengyici, nimmt an einem der Holztische Platz und schaut sich die auf der hölzernen zweistöckigen Bühne vortragenden Fans und professionellen Pekingoper-Sänger an. Gelegentlich spielt er selbst dazu die Jinghu, die traditionelle Pekingopergeige.
Ein dünner Mann bereitet Tee für das Publikum zu. Ein Lächeln überzieht sein faltiges Gesicht als die Musik endet, und noch mehr Bravorufe in dem Theater erklingen. Unter den Zurufen nimmt er ein paar Körbe voller Plastikblumen, die neben der Bühne bereitstehen und überreicht sie mit Enthusiasmus den Vortragenden.
Der Mann heißt Zhao Shuangwu und ist Ingenieur im Ruhestand. Er organisiert seit 12 Jahren von seiner begrenzten Rente Aktivitäten für Anhänger der Pekingoper. 1991 gründete er die gemeinnützige Organisation „Heim der Pekingoper-Fans“, die allen Verehrern dieser einzigartigen Kunstform offensteht.
Zur Zeit steht Zhao allerdings einem grossen Problem gegenüber. Er muss eine neue Unterkunft für die wöchentlichen Treffen finden, da das Theater renoviert werden wird.
In 12 Jahren hätten sie fünfmal umziehen müssen, aber es sei eine so große Freude, andere Menschen geniessen zu sehen, was er geniesse, dass er weitermachen werde, so Zhao.
Sie bekämen Unterstützung von Pekingoper-Fans aus dem ganzen Land, fügte er hinzu.
(Auch die beiden folgenden Beiträge unserer Reihe zu Opern in China, werden sich mit Zhao Shuangwu und dem „Heim der Pekingoper-Fans“ beschäftigen. Der nächste Beitrag erscheint am Dienstag.)
(China Daily/Übersetzt von china.org.cn, 06. Juni 2003)