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Lhasa-Unruhen in den Augen eines amerikanischen Entwicklungshelfers

german.china.org.cn          Datum: 25. 03. 2008

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Auch gut eine Woche nach den Unruhen muss Tony Gleason seinen ganzen Mut aufbringen, um sich auf die Strassen von Lhasa zu trauen. Der amerikanische Entwicklungshelfer war nach den Unruhen vom 14. März alleine in Tibet geblieben. Seine Frau und seine Tochter sind am 20. März in die Vereinigten Staaten zurück geflogen. Die meiste Zeit musste er in seinem Hotel verbringen.

"Wo immer die Meute hinlief, versuchten die Leute von ihnen davon zu rennen", erinnert sich Gleason. Er ist der Direktor des Tibet Poverty Alleviation Fund, einer privaten amerikanischen Organisation, die Tibetern in vielen Bereichen vom Gesundheit bis zur Mikrofinanz hilft. Ihr Dropenling Shop im Zentrum Lhasas ist zu Fuß nur gerade zehn Minuten vom Jukhong Kloster entfernt. In dem Laden konnten tibetische Künstler ihre gewobenen Teppiche, Handtaschen und Schmuckstücke an die Touristen verkaufen.

Nach den Unruhen musste das Geschäft der Entwicklungshelfer unterbrochen werden. "Der Direktor des Hilfefonds Arthur Holcombe kam vor ein paar Tagen nach Lhasa. Er hatte geplant, Xigaze zu besuchen, doch er musste seinen Plan aufgeben und zurückkehren", sagte er.

Gleason hatte drei Jahre in Tibet gearbeitet und rühmt sich selber, mit der tibetischen Kultur gut vertraut zu sein: "Ich vergleiche Lhasa mit nur zwei Plätzen auf der Welt: Mekka für die Muslime und dem Vatikan für Katholiken." Jedes Wochenende geht er mit seiner Frau schwimmen, erfreut sich im Restaurant an tibetischen Spezialitäten oder verbringt Zeit mit anderen Ausländern.

"Ich habe gerade im Snowland Restaurant mit meiner Familie zu Abend gegessen, als eine große Menge von jungen Männern begann, Steine auf die Autos zu werfen, die entlang der Strasse geparkt waren", erinnert er sich.

"Meine Frau hatte das Baby auf dem Sattel ihres Fahrrades. Ich hatte große Angst, dass es durch die fliegenden Steine und die rasenden Autos verletzt werden könnte. Als wir endlich in Hotel angekommen sind, sahen wir schwarzen Rauch im Stadtzentrum aufsteigen und es gab Rauch an immer mehr verschiedenen Orten der Stadt."

"Um etwa fünf Uhr abends hat die Meute die Scheiben eingeworfen und an die Hoteltüre gehämmert. Sie haben gebrüllt und geschrieen. Ich habe sie nicht gesehen, aber es klang fürchterlich", sagt er weiter. Als sie am nächsten Samstag Nachmittag schließlich das Hotel verließen, war das Bild noch schlimmer, als sie erwartet hatten. "Alle Läden waren zerstört, die ganzen Waren lagen auf der Strasse, alles war kaputt. Ich habe keine Ahnung, wie es die Leute geschafft haben, die Metalltüren zu öffnen", sagt er.

Mindestens 18 Zivilisten und ein Polizist kamen bei den Unruhen ums Leben, über 600 Leute (382 Zivilisten und 241 Polizisten) wurden verletzt. Das Leben ist wieder zur Normalität zurückgekehrt, aber Bewohner der Stadt, wie Gleason, werden wohl noch eine Weile brauchen, um alles zu verarbeiten.

"Wir versuchen, darüber hinwegzukommen und unser Programm fortzuführen", sagte er. "Ich vermisse meine Frau und meine Tochter und hoffe, dass die bald wieder zurück kommen."

Quelle: Xinhua

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