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30. 12. 2009 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Experte: Armutsschwelle soll geändert werden

Die offizielle Armutsschwelle in China, welche derzeit bei nur 10 Euro Einkommen pro Monat liegt, sei viel zu niedrig angesetzt, sagte ein Experte. Die Anzahl Armer in China werde so unterschätzt.

Die Anzahl in China per Definition Armen wäre mindestes dreimal so hoch, wenn die Armutsschwelle des Landes nicht Jahrzehnte alt wäre, wie ein Experte erklärte. "Die Armutsschwelle der Volksrepublik wurde seit 20 Jahren trotz der wirtschaftlichen Entwicklung nicht geändert“, kritisierte Li Xiaoyun, Dekan des Zentrums für integrierte landwirtschaftliche Entwicklung der Chinesischen Agraruniversität. Chinas Armutsschwelle von 1196 Yuan (120 Euro) Einkommen pro Kopf und Jahr sei zu tief, wenn man die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und den Lebensstandard berücksichtige. Den Experten der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften zufolge wird die Wirtschaft des Landes dieses Jahr trotz der globalen Rezession um 8,3 Prozent wachsen. Doch die Armmutsschwelle würde Li zufolge auf den durchschnittlichen Lebensstandard keine Rücksicht nehmen.

Armut auf dem Lande. Ende letztes Jahr gab es in China 40 Millionen Menschen, welche unter der Armutsschwelle lebten, was 4,2 Prozent der gesamten ländlichen Bevölkerung des Landes entspräche, so das Büro für Entwicklung und Armutslinderung des Staatsrates. Die derzeitige Situation sei aber viel besorgniserregender, da der Standard zu alt sei. "Wir beurteilen heute die finanzielle Situation von Menschen mit demselben Standard wie vor 30 Jahren. Die offizielle Armutsschwelle liegt weit unter dem derzeitigen, eigentlichen Armutsniveau“, sagte Li. Im Jahre 1986 legte die chinesische Regierung die Armutsschwelle auf 206 Yuan fest, was damals etwa 50 US-Dollar entsprach, wenn man den damaligen Wechselkurs berücksichtigte – dies war etwa die Hälfte des Jahreseinkommens eines Bauern. Die heutigen 1196 Yuan sind bloß etwa 25 Prozent des durchschnittlichen Jahreseinkommens der ländlichen Bevölkerung im Jahre 2008. Li ist daher der Ansicht, dass die Anzahl armer Menschen in China eher bei etwa 150 Millionen liege, wenn man die international gebräuchliche Richtlinie von einem US-Dollar pro Tag benutzt. Diese Zahl, welche zuvor eher selten in China genannt worden war, wird heute von den höchsten internationalen Funktionären bei internationalen Verhandlungen wie beim Klimawandel verwendet.

Premierminister Wen Jiabao sagte beispielsweise am 17. Dezember an der Kopenhagener Konferenz über den Klimawandel, dass China ein Entwicklungsland mit 150 Millionen armen Menschen sei. Professor Li Xiaoyun schätzte, dass etwa 20 bis 30 Prozent der ländlichen Bevölkerung davon bedroht sei, durch Krankheit, Naturkatastrophen oder eine wirtschaftliche Rezession wieder zurück in die Armut gedrängt zu werden. Li forderte, dass eine gute soziale Absicherung in den ländlichen Gebieten schnell aufzubauen sei, um die Immunität der Bauern gegen Armut zu verstärken.

 

Quelle: China Daily

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