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| german.china.org.cn Datum: 06. 10. 2008 |
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Sammler handeln ihre Waren in Panjiayuan, einem großen Flohmarkt in Beijing
Shu Wen konnte nicht ahnen, dass der chinesische Sammlermarkt so populär ist. Der Doktorand im Fach Soziologie, der gerade aus Frankreich nach China heimgekehrt ist, hat über den Markt als Teil seiner Studien geforscht, doch war völlig unvorbereitet auf das, was er vorfand.
Am 7. Juli sah Shu während einer Geschäftsreise nach Shanghai überrascht lange Schlangen vor den Zweigstellen aller fünf großen staatseigenen Geschäftsbanken. Nach seiner Rückkehr nach Beijing am nächsten Morgen sah er das gleiche Schauspiel. Später erfuhr er durch einen Nachrichtenbericht, dass die Leute für eine Erinnerungsbanknote der Beijinger Olympischen Spiele, die am 8. Juli von der chinesischen Zentralbank, der Volksbank China, ausgestellt wurde, Schlange standen. Bevor die 10-Yuan (1 Euro) -Noten auf den Markt kamen, war ihr Wert im Optionsmarkt bereits auf einen Wert zwischen 400 und 600 Yuan (40 bis 60 Euro) gestiegen.
Im Zuge des kontinuierlichen Wirtschaftswachstums in China und des höheren Einkommens werden immer mehr Normalbürger zu Sammlern. Auf Basis der Mitgliederinformation des Chinesischen Verbandes für Sammler schätzt Shu die Zahl der Sammler in China auf 30 bis 40 Millionen. Shu berichtet, dass einige Experten schätzen, dass wenn nicht registrierte Sammler ebenfalls mitgezählt werden, die Gesamtzahl der Sammler bei über 70 Millionen liegt, was rund 6 Prozent der Gesamtbevölkerung in China sind. Die Leute finden verschiedene Reize am Sammeln antiker Gegenstände: manche schwelgen in Erinnerungen, andere sammeln aus Spaß, und wieder andere sammeln zur Selbsterziehung oder aber wegen finanzieller Gewinnmöglichkeiten, erklärt er.
Es gab fünf Wellen eines Sammlerfiebers in der langen Geschichte Chinas, so Shu. Die ersten vier bezogen sich hauptsächlich auf hochrangige Beamte der reichen Klasse, wohingegen die kürzliche Welle Leute aus unterschiedlichen sozialen Schichten einschließt.
Sammlerparadies
Einer dieser Orte ist Panjiayuan, ein Flohmarkt im Südwesten Beijings und eine Wonne für Sammler, ein Ort, der einen Einblick darin gibt, wie reich die Sammlerwelt ist. Der Markt, der die Größe von sieben Fußballfeldern besitzt, ist voll von einer großen Bandbreite an Antiquitäten und Artefakten, von Porzellan und Jade bis hin zu alten Büchern und antiken Möbeln. Der Markt ist ein Muss für "rote Sammler", Leute, die Gegenstände aus der Zeit der Kulturrevolution (1966-76) sammeln. In den letzten Jahren sind Mao's "kleines rotes Buch", Embleme mit dem Bild von Mao sowie Propagandafotos und -poster sehr beliebt bei privaten oder von der Regierung veranstalteten Auktionen.
Propagandaposter waren in den 1950er und 1960er Jahren weit verbreitet in China. Nur wenige der Originalfotos sind heute weiterhin unbeschädigt, und in den letzten Jahren ist ihr Marktwert in die Höhe geschnellt.
Serien-Bildbände sind ebenfalls heiße Sammlergegenstände. In der Mitte des letzten Jahrhunderts waren Serien-Bildbände eine weit verbreitete Populärkunstpublikation, darunter Comics und anderes. Die größte Lesergruppe waren Kinder. Die Leserschaft schrumpfte stark in den 1980er Jahren und blieb für eine ganze Weile klein. Anfang dieses Jahrhunderts, als Sammler eine Leidenschaft für Serien-Bildbände entwickelten, gewannen diese wieder an künstlerischem und historischem Wert.
Nostalgische Gefühle für die Kindheit haben in gewisser Hinsicht den Andrang auf Serien-Bildbände genährt. Cui Yongyuan, ein berühmter Talkshow-Moderator bei China Central Television, erklärte über seine Liebe zu Serien-Bildbänden in seinem Programm, sie seien seine spirituelle Nahrung. Während der Kulturrevolution, nachdem Cui's Mutter als "anti-revolutionär" verurteilt worden war, mieden die Kinder in der Nachbarschaft Cui. Serien-Bildbände waren der Köder, den Cui nutze, um Kinder anzulocken, mit ihm zu spielen. Mit dem Versprechen, jedem einen Band zu geben, der mit ihm spiele, machte Cui erfolgreich über 60 Kinder zu seinen Spielgefährten. Heute hat Cui eine Sammlung von Hunderten von Serien-Bildbänden. Er hat außerdem mehrere Freunde, die ebenso fanatische Sammler der Bände sind.
Chinas Sammelleidenschaft Teil 2 morgen.
Quelle: Beijing Review
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