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04. 12. 2008 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Der Kaiser von China: Absurde Lügen mit wahrem Kern Exklusiv

von Melanie Schneid, Beijing

"Es ist viel Raum in den Hautfalten des Buddha." Genauso frei erfunden wie dieses vermeintliche chinesische Sprichwort ist auch Tilman Rammstedts neuer Roman. Mit viel Humor und ein bißchen Melancholie tischt er in "Der Kaiser von China" die tollsten Lügen auf.

1 'Es ist viel Raum in den Hautfalten des Buddha.' Genauso frei erfunden wie dieses vermeintliche chinesische Sprichwort ist auch Tilman Ramstedts neuer Roman. Mit viel Humor tischt er in 'Der Kaiser von China' die tollsten Lügen auf.

"China, ausgerechnet China, als ob es die Nordsee nicht gäbe, als ob es den Harz nicht gäbe, nicht Rügen, nicht Frankreich, keinen Gardasee, es musste China sein, China und nichts anderes." Keith Stapperpfennig hat ein Problem – ein ziemlich großes sogar. Er soll seinen Großvater auf eine Reise begleiten. Nicht weiter schlimm, hätte er nicht das gesamte Reisegeld zuvor mit seiner Geliebten, die gleichzeitig seine ehemalige Stiefgroßmutter ist, in einem Casino verspielt. Der eigensinnige und einarmige Großvater beschließt, trotzdem in das Land seiner Träume zu fahren und wenn sein Enkel nicht will, dann eben allein. Mit dem Auto macht er sich auf den Weg: nach China.

Damit fängt das Problem von Tilman Rammstedts Romanhelden Keith Stapperpfennig erst richtig an. In "Der Kaiser von China" endet die Reise des Großvaters, die nun ohne ihn stattfindet, nämlich sehr abrupt im Westerwald, mit dem plötzlichen Ableben desselben. Keith bringt es jedoch, wie üblich, nicht übers Herz, seinen vier Geschwistern die Wahrheit zu erzählen und damit sein Versagen einzugestehen. Während er zwei Wochen lang unter dem Schreibtisch haust, um zu vertuschen, dass er nicht mit dem Großvater nach China gereist ist, reflektiert er sein bisheriges Leben und seine ungewöhnliche Beziehung zu dem merkwürdigen Großvater. Nicht ohne Schuldgefühle beschließt er, den Geschwistern in frei erfundenen Briefen ausführlich von der angeblichen Tour durch China zu berichten und der Reise des Großvaters ein anderes Ende zu geben.

Dieses Buch über den "Kaiser von China" hat jedoch mit dem tatsächlichen chinesischen Kaiser oder auch dem Land China etwa soviel zu tun, wie Äpfel mit Orangen. Ein absurder Mix von Fakten und Fiktion amüsiert und erstaunt den Leser bis zur letzten Seite. So wird neben dem Konfuziustempel auch ganz nüchtern vom Shanghaier Stadtmuseum geschrieben. Oder vom Stadtplanungsmuseum. Und natürlich auch vom Museumsplanungsmuseum. Der Autor bringt es fertig, ohne jemals in China gewesen zu sein, die Eigenheiten von Orten und Menschen so humorvoll aufzugreifen, dass sich auch Chinaerfahrene ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Auf ihrer Reise durch das fiktive China erleben die Figuren die sonderbarsten Situationen und auch wenn manche Beschreibung sehr wahrheitsgetreu zu sein scheint, der Autor hat seine Informationen schließlich aus dem Reiseführer bezogen, werden sie unmittelbar durch haarsträubende Ergänzungen komplettiert, die sich im Laufe der Geschichte bis zum schier Unglaublichen steigern.

Analog zu den absurden und komischen Lügengeschichten erzählt die Geschichte jedoch auch von Liebe, Menschlichkeit und Melancholie. Tilman Rammstedt, der schon vor der Vollendung des Buches mit dem Ingeborg Bachmann Preis ausgezeichnet worden war, spielt mit den Klischees des fremdartigen China und nutzt sie als Hintergrund für den Selbstfindungsprozess seines Helden. Der muss nämlich gar nicht erst in ein fremdes Land mit anderer Sprache und Kultur fahren, um sich orientierungslos zu fühlen. Das schafft er auch in Deutschland unter seinem Schreibtisch.

Quelle: german.china.org.cn

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