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| 23. 11. 2009 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Von James Palmer

Yu Qiuyu ist einer von diesen berühmten Leuten, von denen die meisten Ausländer noch nie etwas gehört haben. Er ist im Westen praktisch unbekannt (und auch unübersetzt), aber in China gilt er als einer der populärsten Intellektuellen. Ein Essay ist, der für seine scharfe Kritik und seine provokative Haltung bekannt ist. Wie viele seiner Art nimmt er manchmal den Mund etwas zu voll, aber er kann sehr schön und tiefsinnig schreiben.
In letzter Zeit gab es allerdings nicht wegen seines kontroversen Schreibens eine heftige öffentliche Debate, sondern wegen seiner finanzieller Wahl. Es kam aus, dass er einer der Investoren bei Xujiahui Commercial Center Co ist, einer Shanghaier Aktiengesellschaft, die in Shoppingmalls investiert und die demnächst an die Börse gehen soll. Daran soll Yu gute 60 Millionen Yuan (8,79 Millionen Dollar) verdienen, was mehr Geld ist, als er jemals mit all seinen Büchern erwirtschaftet hat.
Einige Internetnutzer haben sich daraufhin empört. Sie sagten, dass das neu entdeckte Talent von Yu im Finanzsektor ihn von seiner wahren Berufung wegziehe und dass seine materiellen Interessen seine Arbeit beeinflussen könnten. Dabei ist es doch nichts Neues, dass Schriftsteller das Geld lieben. "Niemand außer einem Esel hat je für etwas anderes als für Geld geschrieben", sagte einst der englische Universalgebilete und Schriftsteller Samuel Johnson. Es gibt natürlich eine Reihe von großen Autoren, die nur der Kunst willen oder für eine kleine Leserschaft geschrieben haben. Die Gedichte von Emily Dickinsons etwa wurde zu ihrer Zeit nur von etwa 300 Leuten gelesen. Erst später waren es Millionen.
Dennoch hat Johnson teilweise recht. Die Tagebücher von vielen Autoren zeugen davon, dass Geldangelegenheiten für sie immens wichtig sind. Der Nobelpreisträger aus Trinidad VS Naipaul war, wie kürzlich in seiner Biographie enthüllt wurde, davon besessen, "Millionen zu machen". Dies hat er vielleicht sogar mit der Hilfe seines brillianten Literaturagenten erreicht. Andere hingegen lassen ihre Obsession in falsche Entschlüsse münden. So verlor etwa Samuel Clemens, der besser als "Mark Twain" bekannt ist, sein Vermögen, das sich immerhin auf einen Gegenwert von heute sieben Millionen US-Dollar belief, als er in eine neumodische Schreibmaschine investierte.
Leser aus den westlichen Ländern haben sich nie groß darum gekümmert, wenn Autoren Geld durch nicht-literarische Quellen erwirtschafteten. Was die Leute hingegen manchmal irritiert: Wenn ein mittelmäßig oder gar ein besonders schlechter Autor ein Haufen Geld mit einem populären Buch verdient. Ich kann beispielsweise dem historischen Unsinn des australischen Buchautoren Gavin Menzies nicht folgen, wenn er darüber fantasiert, wie Chinesen Amerika entdeckt haben. Aber dabei geht es mehr darum, dass solche Leute Leichtgläubige und Schlechtinformierte ausnehmen, als dass jemand auf ihr Einkommen neidisch wäre.
Es kommt auch vor, dass die Leser sich ärgern, wenn ein Schriftsteller seine oder ihre Begabung vernachlässigt, um auf eine andere Weise Geld zu verdienen. Aber hier muss gesagt werden: Schriftsteller schulden der Öffentlichkeit nichts. Wir können zwar der Meinung sein, dass ein Talent verschwendet wird oder dass dies sogar ein Verbrechen gegenüber der Kunst ist, wenn ein großer Künstler sein Handwerk aufgibt. Aber letztlich ist dies eine Sache, die nur ihn etwas angeht.
Für mich indes liegt die wahre Korruption von Autoren nicht im Geld, sondern in der Macht – oder zumindest in der Verbindung zur Macht. Der Reiz sich mit den Reichen oder einer so genannten Elite zu umgeben, fließt in ihre Arbeit ein. So werden sie nach und nach das Sprachrohr für die Meinung einer kleinen Klasse.
Dies zeigt sich besonders häufig im Bereich der Sachbücher. Ganz deutlich wird dies etwa in der Arbeit des total überbewerteten Thomas Friedman. Er war einst ein talentierter Journalist und Nahostkorrespondent, der zwei Pulitzer-Preise für seine Beiträge zur israelischen Invasion im Libanon und deren Folgen gewann. Sein erstes Buch "von Beirut nach Jerusalem" ist hervorragend. Doch dann hat er sich mit dem Geld verlobt. Er begann sich mit "world leaders and opinion-makers" zu umgeben und seine Bücher wurden zu bloßen Paraden der Meinungen von gewissen CEOs. Mittlerweile zeigen seine Bücher eine Realität, die nicht weiter geht als Luxushotels, Privatjets und den gelegentlichen Gesprächen mit lokalen Taxifahrern.
Yu Qiuyu schuldet der chinesischen Öffentlichkeit nichts. Und sein Geld gehört ihm und er kann damit machen, was er will. Allenfalls schuldet er seinem eigenen Talent etwas. Falls er nun wirklich beginnt, sich mehr für Geld und die Reichen zu interessieren als für die Kultur, dann ist sein größter Verlust vielleicht der seiner Fans.
Der Autor James Palmer ist Historiker und Autore des Buches "The Bloody White Baron".
Quelle: Global Times
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