| Home | Aktuelles |
Multimedia |
Service |
Themenarchiv |
Community |
| Home>Kultur | Schriftgröße: klein mittel groß |
| 09. 03. 2010 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Derzeit stehen Tausende Eltern vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen ihre Kinder bei einem Kindergarten anmelden. Doch weil es viel zu wenige Bildungsstätten für die Kleinsten gibt, müssen sie sich etwas einfallen lassen.

Eltern warten vor den Toren eines Kindergartens in Beijing. Sie hoffen, dass sie so ihrem Kind einen Platz in einer Vorschule sichern können.
Für Eltern, welche ihre Kinder bei einem Kindergarten anmelden wollen, brechen auch in diesem Jahr wieder schwere Tage an. Sie müssen oft stundenlang vor dem Eingangstor eines Kindergartens warten. Manche bringen sogar Essen, Decken oder gar ein Zelt mit. In Beijing ist das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage besonders stark aus dem Lot geraten: Gemäß den Statistiken der Städtischen Erziehungskommission von Beijing wurden in den letzten drei Jahren 460.000 Kinder geboren. 220.000 Kinder befinden sich derzeit in einem Kindergarten. Das heißt konkret: sollten in der nahen Zukunft keine weiteren Kindergärten gebaut werden, dürfte die Hälfte der Kinder keinen Platz finden.
Soziologen führen diese prekäre Situation vor allem auf drei Faktoren zurück: Die stets wachsende Zahl von Wanderarbeitern in den großen Städten, den Rückgang der Zahl von nonprofit Kindergärten und die mangelhafte Unterstützung durch die Regierung. In erst kürzlich erschlossenen Wohngegenden von Beijing wie Huilongguan, Wangjing und Tongzhou klafft diese Schere sogar noch weiter auseinander, da dort wegen den relativ günstigen Wohnpreisen viele junge Paare wohnen. Dies strapaziert das bereits ohnehin angeschlagene System noch weiter. "Die spezielle Bevölkerungsstruktur in den Neubaugebieten verlangt nach mehr Kindergärten und Krippeplätzen", sagte Li Xin, ein Bewohner von Huilongguan. "Die Regierung sollte das Leben der jungen Leute erleichtern und mehr Schulen bauen."
Ein anderer Faktor, welcher das System beeinträchtigt, ist ein kürzlich durchlebter Babyboom. Das chinesische Horoskop empfiehlt, Kinder während den "glücklichen" Jahren zu bekommen. Die vielen "Hunde-Babys", also Kinder die 2006 im Jahr des Hundes geboren wurden, wie auch "Schweine-Babys" (2007) und "Olympische Babys" haben den Druck in großen Metropolen wie Beijing oder Shanghai noch verschärft.
Kein Wunder wurde diese Thematik beim kürzlich abgeschlossenen Beijinger Volkskongress und der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes heiß diskutiert. Die Stadtregierung von Beijing hat daraufhin versprochen, 30 Millionen Yuan (4,4 Millionen US-Dollar) zu investieren, um 30 öffentliche Kindergärten zu erweitern. So können in diesem Jahr 12.000 zusätzliche Plätze geschaffen werden. In den folgenden drei Jahren will die Stadt 118 Kindergärten entweder erweitern oder neu aufmachen.
Solchen Versprechungen zum Trotz versuchen die Bürger das Problem selbst zu lösen. So hatte etwa im vergangenen Jahr ein Online-Kommentar in einem Forum des Yanqingyuan-Wohnquartiers im Beijinger Haidian-Bezirk die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ein Bewohner mit dem Nachnamen Li hatte die Nachbarn gebeten, ihm bei der Suche nach Investoren zu helfen, damit er im Wohnquartier einen eigenen Kindergarten aufmachen kann. Der erste interessierte Investor war die Mingtian Kindergarten Gruppe, die sich allerdings zurückzog, als sie sah, dass es auf dem Gelände keinen geeigneten Platz gab. Der Nachfolger, der private 21st Century Experimental Kindergarten, bemüht sich derzeit um das Recht, in der Gegend einen Kindergarten bauen zu dürfen.
Andere Eltern versuchen, dem Problem einen Schritt voraus zu sein. "Mein Sohn kam im Jahre 2007 zu Welt und wird im September drei Jahre alt. Aber ich habe ihn bereits letztes Jahr angemeldet", verrät die knapp über 20 Jahre alte Ding Yan der Global Times. "Es ist Zeit für unsere Kinder, in die Vorschule zu gehen, doch alle öffentlichen Institute, die ich mir angeschaut habe, waren bereits ausgebucht." Wollen die Eltern ihre Kinder in einen prestigereichen Kindergarten bringen, müssen Kinder und Eltern gemeinsam ein Seminar besuchen. "Dies kann von vier Monaten bis zu einem Jahr dauern", beklagt sich Ding. "Es kostet nicht nur viel Zeit, sondern ist mit rund 1000 Yuan pro Monat auch sehr teuer." Doch dies sei noch nicht das Schlimmste. "Für das Seminar ist die Warteliste sogar noch länger!"
Hohe Preise für begehrte Plätze an guten Vorschulen bereiten den Eltern Sorgen. Einige weisen darauf hin, dass es bei den Einschreibegebühren keinen Standard gebe. Auch die "Geschenkgebühren" seien schmerzhaft hoch. Unter diesem Begriff versteht man das Geld, welches die Eltern bezahlen sollen, damit ihre Kinder bestimmt einen Platz zugesichert bekommen. "Einer meiner Nachbarn bezahlt monatlich über 3000 Yuan (439 US-Dollar). Das ist mehr als der durchschnittliche Monatslohn in Beijing", sagte Ding. "Wenn mein Sohn es in einen erstklassigen Kindergarten schafft, muss ich eine Geschenkgebühr von rund 80.000 Yuan bezahlen. Es ist bedeutend teurer, ein Kind im Vorschulalter zu finanzieren als einen College-Studenten."
"Um das Problem zu entschärfen wird die Regierung ein neues Kostenschema einführen, das auf kürzlich erhobenen Zahlen beruht", erklärte Zhang Xiaokong, ein Beamter der Städtischen Erziehungskommission von Beijing gegenüber der Tageszeitung Beijing News. "Die Gebühren werden auf Grundlage einer Erhebung bei verschiedenen Vorschulen erhoben." Doch den Eltern, die nicht vorausgeplant haben oder die nicht über genügend Geld verfügen, hilft dies alles nichts. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als vor dem gewünschten Kindergarten zu campen - und zu warten und zu hoffen.
Quelle: globaltimes
Druckversion | Artikel versenden | Kommentar | Leserbrief | zu Favoriten hinzufügen | Korrektur
| Kommentar schreiben |
| Kommentare |
|
Keine Kommentare.
|
| mehr |