I. Entwicklung des ökologischen Aufbaus
und des Umweltschutzes in Tibet
     
 

Das Autonome Gebiet Tibet nimmt eine Fläche von 1,22 Millionen Quadratkilometern ein und liegt durchschnittlich mehr als 4000 Meter über dem Meeresspiegel. Es verfügt über eine einzigartige Ökologe und geographische Umwelt. Das Klima in Tibet geht von der Wärme und Feuchtigkeit im Südosten zur Kälte und Trockenheit im Nordwesten über, dementsprechend verbreiten sich in der Ökologie die verschiedenen Vegetationsgürtel mit Wäldern, Büschen, Gras und Steppen sowie Ödland. Die mannigfaltige Topographie und Bodengestaltung und die besonderen Typen von Öko systemen haben ein natürliches Eldorado für die Artenvielfalt geschaffen.

Das alte Tibet stand vor den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts lange Zeit unter der feudalen Herrschaft der Leibeigenschaft. Damals befanden sich die Produktivkräfte auf einem sehr niedrigen Entwicklungsstand. Tibet befand sich in einem Zustand der passiven Anpassung an die natürlichen Bedingungen und der einseitigen Entnahme der Naturressourcen. Von Erkenntnissen über die Gesetzmäßig keiten der Ökologie und Umwelt in Tibet sowie vom ökologischen Aufbau und Umweltschutz konnte keine Rede sein. Seit Ende des 19. Jahrhunderts führten einige auslän dische Abenteurer und Wissenschaftler verschiedenartige Expeditionen und Untersuchungen auf dem Qinghai-Tibet- Plateau durch, und in den 30er Jahren nahmen auch chinesische Wissenschaftler Expeditionen und Untersuchun gen dort vor. Insgesamt waren ihre Erkenntnisse über die speziellen natürlichen Umweltbedingungen auf dem Qinghai-Tibet-Plateau jedoch weder umfassend noch systematisch.

Tibet begann mit dem ökologischen Aufbau und dem Umweltschutz erst nach seiner friedlichen Befreiung und entwickelte sie dann im Zuge seiner Modernisierung.

— Die friedliche Befreiung hat den Prozess für wissenschaftliche Erkenntnisse, den initiativen Schutz und den aktiven Aufbau der Ökologie und Umwelt in Tibet eingeleitet. Um das Geheimnis des Qinghai-Tibet- Plateaus zu lüften und den Fortschritt und die Entwicklung der tibetischen Gesellschaft zu fördern, setzte die zentrale Volksregierung kurz nach der friedlichen Befreiung Tibets im Jahr 1951 das „Tibet-Arbeitsteam des Staatsverwaltungsra tes“ ein, auf dessen Grundlage 1958 das Team der Chine sischen Akademie der Wissenschaften für umfassende Untersuchungen in Tibet gebildet wurde. Das besagte Tibet- Arbeitsteam untersuchte Tibets Boden, Wälder, Grasland, Wasserwirtschaft und Bodenschätze, unternahm Bewertungen vor und unterbreitete der Regierung seine Ansichten über die wissenschaftliche Erschließung und Nutzung. Damit wurde der Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnis, der Nutzung und des Schutzes der Ökologie und Umwelt in Tibet ein geleitet.

Gleichzeitig wurden der ökologische Aufbau und der Umweltschutz, die auf die Verbesserung der Lebensbedin gungen auf dem Qinghai-Tibet-Plateau abzielten, allmählich zur Entfaltung gebracht. Der Staat schickte Techniker der Forstwirtschaft zur Untersuchung einiger Teile des Einzugs gebietes des Yarlung Zangbo und ließ in der Farm „1. Juli“ im westlichen Vorort von Lhasa mit der Zucht von Setzlingen und dem Waldbau experimentieren. So wurde eine Grundlage für eine groß angelegte Aufforstung und die Verbesserung der Ökologie geschaffen. Nach der Durch führung der Demokratischen Reform im Jahr 1959 wurde in Tibet eine umfassende Aufforstungskampagne, an der sich die Bevölkerung in großer Zahl freiwillig beteiligte, zur Entfaltung gebracht, wobei man hauptsächlich heimische Baumarten anpflanzte. Die Aufforstung ermöglichte es der tibetischen Bevölkerung, einen qualitativen Sprung von der jahrtausendelangen passiven Anpassung an die Natur zur aktiven Umgestaltung der Natur zu realisieren.

Nachdem die Volksregierung des Autonomen Gebiets Tibet im September 1965 gegründet worden war, wurden der ökologische Aufbau und der Umweltschutz mit der Entfal tung vielfältiger Arbeiten der volksdemokratischen Staats macht auf die Tagesordnung gesetzt und systematisch in Angriff genommen. Im Jahr 1975 wurden eine Führungs gruppe und ein Arbeitsbüro für den Umweltschutz des Autonomen Gebiets Tibet gebildet und 1983 ein Amt des Autonomen Gebiets für den Städte- und Landbau und den Umweltschutz eingerichtet. Mit der ständigen Vervollständi gung der diesbezüglichen Organisationsstruktur und des Verwaltungssystems wurden der ökologische Aufbau und der Umweltschutz in Tibet allmählich in die Bahn einer zügigen Entwicklung gebracht.

Im Zuge der allseitigen Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen auf dem Qinghai-Tibet-Plateau und der systematischen und tiefgehenden Erkenntnis bezüglich der natürlichen Umwelt begann der ökologische Aufbau wesent liche Fortschritte zu machen. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften arbeitete das „Programm für eine allgemeine wissenschaftliche Untersuchung des Qinghai-Tibet-Plateaus von 1973-1980“ aus, und 1972 hielt sie in Lanzhou das erste „Symposium über die wissenschaftliche Untersuchung der Qomolangma-Gebirgsgegend“ ab. Darauf folgend fanden fortlaufend Symposien über die Ökologie auf dem Qinghai- Tibet-Plateau zu allgemeinen Themen und Sonderthemen statt. Eine große Anzahl von Forschungsergebnissen wurde erzielt. Allein die Buchreihe Allgemeine wissenschaftliche Untersuchungen über das Qinghai-Tibet-Plateau umfasst 31 Teile mit 42 Bänden und mit ca. 17 Millionen chinesischen Schriftzeichen. Diese Forschungsergebnisse lieferten die wis senschaftliche Grundlage für die bessere Nutzung der Naturressourcen beim Wirtschaftsaufbau in Tibet und die ständige Verbesserung der Lebensumwelt. Im Jahr 1977 organisierte das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft die erste umfassende Inventur der Forstressourcen in Tibet. Aufgrund der Notwendigkeit der Aufforstung und Begrünung wurden ab 1978 fünfzig Baumschulen in verschiedenen Gebieten in Tibet eingerichtet und mehrere Dutzend Baumarten, die für das Wachstum und die Begrünung in Tibet geeignet sind, eingeführt, akklimatisiert und verbreitet.

— Die Reform und Öffnung ermöglichten es Tibet, den Weg zur gesetzlichen Verankerung des ökologischen Aufbaus und des Umweltschutzes einzuschlagen. Nach der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik erregten der ökologische Aufbau und der Umweltschutz im Zuge der Entwicklung der Modernisierung Tibets immer größere Aufmerksamkeit; der ökologische Aufbau und der Umweltschutz in Tibet entwickelten sich beständig auf dem Weg zu ihrer gesetzlichen Verankerung. In den 13 Jahren von 1982 bis 1994 erließen der Ständige Ausschuss des Volks kongresses des Autonomen Gebiets Tibet, die Volksregierung des Autonomen Gebiets Tibet und die verschiedenen Regie rungsabteilungen über 30 lokale Gesetze und gesetzliche Verordnungen, standardisierende Regierungsdokumente, Vor schriften und Verordnungen von Regierungsabteilungen über den ökologischen Aufbau und den Umweltschutz, die ein relativ komplettes lokales Rechtssystem zum Umweltschutz bildeten, und führten sie durch. Dieses Rechtssystem umfasst sowohl allgemeine Gesetze und gesetzliche Verordnungen über den ökologischen Aufbau und den Umweltschutz wie z.B. die „Bestimmungen des Autonomen Gebiets Tibet über den Umweltschutz“ als auch Gesetze und gesetzliche Verordnungen über verschiedene spezielle Themenbereiche des ökologischen Aufbaus und des Umweltschutzes wie Bodenverwaltung, Verwaltung der Bodenschätze, Waldschutz, Steppenschutz und -verwaltung, Wasser- und Bodenerhal tung, Wildschutz, Verwaltung der Naturschutzzonen und Beseitigung von Umweltschäden. Sie decken fast alle Bereiche des ökologischen Aufbaus und des Umweltschutzes ab, und kraft dieser Gesetze können der ökologische Aufbau und der Umweltschutz durchgeführt werden.

Der Staat baute mit Direktinvestitionen Projekte für die allgemeine Erschließung der Landwirtschaft am Mittellauf des Yarlung Zangbo, des Lhasa und des Nyang Qu auf, die schwerpunktmäßig auf die Verbesserung der Umwelt abziel ten, und erzielte damit bemerkenswerte ökologische Effekte. Die Regierung arbeitete spezielle politische Maßnahmen für die Pflanzung von Bäumen und Gras auf öden Bergen, Abhängen und Stränden aus, die vorsehen: „Wer Land erschließt, bewirtschaftet es und zieht daraus Vorteile, was langfristig unverändert bleibt, und das Vererben ist gestattet.“ Dadurch wird die Bevölkerung dazu angespornt, Wälder anzulegen, Bäume und Gras zu pflanzen, und die Rechte und Interessen der Bevölkerung hinsichtlich der Verbesserung der Ökologie werden garantiert. Tibet hat Untersuchungen des aktuellen Standes der Ökologie und Umwelt wie der Bodenressourcen, der Wildtier- und -pflanzenressourcen, der Pflanzen-, Insekten- und Feucht bodenressourcen durchgeführt und abgeschlossen. Wissen schaftler begannen, sich um die Kontrolle und Verfolgung des Einflusses der Tätigkeiten der Menschen auf die Ökologie und Umwelt zu kümmern; sie nahmen fernabtastende dynamische Kontrolle über den Einfluss der allgemeinen Erschließung der Landwirtschaft am Mittellauf des Yarlung Zangbo, des Lhasa und des Nyang Qu auf die Ökologie und Umwelt vor, untersuchten u.a. Giftreste in dem von Tibet hergestellten Getreide und industrielle Verschmutzungs quellen. Auch diesbezügliche politische Richtlinien und Maßnahmen wurden ausgearbeitet.

Die breit entfaltete Aufklärung und Erziehung im Sinne der Verbesserung der Ökologie und des Schutzes der Umwelt erhöhte das Bewusstsein der Menschen für den Umwelt schutz. Der Rundfunk und das Fernsehen sowie Zeitungen und das Internet betrachten die Aufforstung und Begrünung, den Schutz von Wildtieren und -pflanzen und den Umwelt schutz als wichtige Themen und verstärken die Aufklärung und Berichterstattung. Der Internationale Tag der Feucht gebiete, der Aufforstungstag, der Tag des Erdballs, der Inter nationale Umwelt-Tag, der Internationale Tag gegen Deserti fikation, der Internationale Tag der Dürre und andere bedeu tende Gedenktage erregten das Interesse der verschiedenen Bevölkerungsschichten in Tibet. Unterricht in ökologischem Aufbau und Umweltschutz wird in den Schulen erteilt, und die Kampagne zur Gründung von „grünen Schulen“ wird zur Entfaltung gebracht.

— Die Fürsorge von Seiten der Zentralregierung und die Unterstützung durch das Volk des ganzen Landes halfen Tibet, in eine neue Etappe des ökologischen Auf baus und des Umweltschutzes einzutreten. Im Jahr 1994 hielt die Zentralregierung die dritte Aussprache über die Tibet-Arbeit ab und fasste dann eine bedeutende Entschei dung über die Fürsorge der Zentralregierung für Tibet und die Unterstützung Tibets durch das ganze Land, was die be schleunigte Entwicklung des ökologischen Aufbaus und des Umweltschutzes in Tibet gewaltig vorantrieb.

Das Staatliche Amt für den Umweltschutz entsandte seit den 90er Jahren Fachkräfte aus den Umweltschutzabteilun gen des ganzen Landes zur Verbesserung der Fähigkeit Tibets im Umweltschutz und half Tibet beim Bau der Umwelt kontrollstationen des Autonomen Gebiets, der Städte Lhasa und Xigaze und des Bezirkes Qamdo, bei der Ausbildung einer großen Anzahl von Technikern und Verwaltungs personen für den Umweltschutz und bei der Ausarbeitung von Programmen für den Schutz der Ökologie und die Verschmutzungsbeseitigung. Der Staatsrat arbeitete in den Jahren 1998 und 2000 jeweils den „Nationalen Plan über den ökologischen Aufbau“ und das „Nationale Programm über den Schutz der Umwelt“ aus, schenkte dabei dem ökologischen Aufbau und dem Umweltschutz in Tibet große Aufmerksamkeit, betrachtete die Frost- und Schmelzzonen auf dem Qinghai-Tibet-Plateau als eine der acht großen Zonen des ökologischen Aufbaus in China, arbeitete ein spezielles Programm dafür aus und legte klare Aufgaben und Prinzipien dafür fest. Auf dieser Grundlage arbeitete die Volksregierung des Autonomen Gebiets Tibet im Jahr 2000 den „Plan des Autonomen Gebiets Tibet über den Aufbau der Ökologie und Umwelt“ aus, der den ökologischen Aufbau und den Umweltschutz in Tibet umfassend festlegte und allseitige Maßnahmen zur dessen Durchführung vorsah. Nachdem der Staat die Strategie über die groß angelegte Erschließung der westlichen Gebiete entwickelt hatte, hielt die Zentralregierung im Jahr 2001 die vierte Aussprache über die Tibet-Arbeit ab und verstärkte weiter die Investitionen in den ökologischen Aufbau in Tibet. Tibet ging von der Realisierung einer nachhaltigen Entwicklung aus und betrachtete dabei die Entwicklung des Tourismus und der „grünen Landwirtschaft“ als Säulenindustrien für das Vorantreiben der lokalen Wirtschaft.

Der Staat stockte den Input für den ökologischen Aufbau und den Umweltschutz in Tibet auf und verstärkte die Überwachung der Gesetzesdurchführung im Bereich der Ökologie und Umwelt. Die gesamten Investitionen der Zentralregierung in den ökologischen Aufbau in Tibet betrugen seit 1996 368 Millionen Yuan. Gleichzeitig wurde eine große Anzahl von Projekten für den ökologischen Aufbau einschließlich des Projektes für den Schutz von Naturwaldressourcen, des Projektes für die Rückverwandlung von Ackerböden in Waldflächen und Grasland, des Projektes über den Waldbau und die Begrünung in Lhasa und umliegenden Gebieten, des Projektes über den Schutz von Wildtieren und -pflanzen und des Projektes für den Aufbau von Naturschutzgebieten ausgeführt, was die Ökologie und Umwelt in Tibet wirksam verbesserte.

Seit mehr als einem halben Jahrhundert haben sich der ökologische Aufbau und der Umweltschutz in Tibet gleichsam aus dem Nichts entwickelt. Sie erfuhren eine ständige Entwicklung und realisierten einen qualitativen Sprung von einer spontanen, passiven und blinden zu einer bewussten, aktiven und wissenschaftlichen Aktivität. Dem von den zuständigen staatlichen Abteilungen im Jahr 2000 veröffentlichten Kommunikee über die Ökologie und Umwelt zufolge ist die ökologische und Umweltqualität in Tibet in einem guten Zustand gehalten, befinden sich die meisten Gebiete Tibets in ursprünglichen ökologischen Verhältnissen und zählt Tibet zu den Gebieten mit der besten natürlichen Umwelt in der Welt.