IV. Die Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie
als umweltfreundliche Eisenbahn bauen | ||||
Vor der friedlichen Befreiung gab es in Tibet keine Fernstra�e, der
wirtschaftliche und gesellschaftliche Verkehr innerhalb Tibets sowie mit
den anderen Landesteilen hatte sich ausnahmslos auf die Postwege und auf
Menschenkr�fte, Maultiere sowie andere Zug- und Tragtiere zu st�tzen.
Heute besteht in Tibet bereits ein dreidimensionales Verkehrsnetz aus
insgesamt 24 000 Kilometer Fernstra�en, mehr als zehn Fluglinien und �ber
1000 Kilometer langen Pipelines. Allerdings ist Tibet immer noch Chinas
einziges Gebiet auf Provinzebene ohne Zugverbindung. Der Verkehr bildet
immer noch einen Engpass f�r die rasche Entwicklung der tibetischen
Wirtschaft und Gesellschaft und die Erh�hung des Lebensstandards der
Bev�lkerung. Der Bau der Qinghai- Tibet-Eisenbahnlinie ist deshalb ein
langer und sehnlicher Wunsch der Bev�lkerung der verschiedenen
Nationalit�ten Tibets. Er verk�rpert nicht nur die Bed�rfnisse nach der
Verst�rkung der Verbindung Tibets zu den anderen Landesteilen Chinas, nach
dem Vorantreiben der Entwicklung der tibetischen Wirtschaft und
Gesellschaft und nach der Erh�hung des materiellen und kulturellen
Lebensstandards der tibetischen Bev�lkerung, sondern ist auch f�r die
F�rderung der Geschlossenheit und der gemeinsamen Prosperit�t der
verschiedenen Nationalit�ten von gr��ter Bedeutung. Am 29. Juni 2001 wurde nach der Genehmigung durch die Zentralregierung der Bau der Strecke von Golmud nach Lhasa als zweite Bauphase der Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie in Angriff genommen. F�r diese Eisenbahnlinie von 1142 Kilometer L�nge wurde eine gesamte Investition von 26,21 Milliarden Yuan und eine Baudauer von sechs Jahren vorgesehen. Dass man eine umweltfreundliche Eisenbahn bauen wolle, stand schon bei Beginn der Planungsarbeiten fest. � Schon bei den Vorstudien wurden die Einfl�sse der Eisenbahnlinie auf die Umwelt gewissenhaft beurteilt. In der Vorstufe des Eisenbahnbaus hatten die zust�ndigen Abteilungen im Hinblick auf Umweltfragen mehrere Themen f�r eine genaue Untersuchung festgelegt. Auf dieser Grund lage hat die Zentralregierung Wissenschaftler verschiedener Disziplinen dazu organisiert, die Einfl�sse der Errichtung der Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie auf die �kologie und Umwelt gem�� dem Umweltschutzgesetz, dem Gesetz �ber die Wasser- und Bodenerhaltung, dem Gesetz �ber den Schutz der wild lebenden Tiere und den anderen diesbez�glichen Gesetzen und Vorschriften sowie entsprechend den Erfordernissen des �Nationalen Aufbauplans f�r die �kologie und Umwelt� und des �Nationalen Programms f�r den Schutz des �kosystems und der Umwelt� wissenschaftlich und exakt vor Ort zu erkunden und dar�ber zu berichten. Umfassende Thesen zur Beurteilung der Einfl�sse auf die Umwelt und ein Bericht �ber die Einfl�sse auf die Umwelt wurden erarbeitet, ein Plan f�r den Schutz des �kosystems und der Umwelt wurde aufgestellt, eine gewissenhafte Beurteilung der Ein fl�sse auf die Umwelt wurde vorgenommen. Entsprechend den Forderungen dieser Beurteilung wurde f�r das Bau projekt das Prinzip festgesetzt, �die Vorbeugung als Haupt aufgabe zu betrachten, dem Schutz den Vorrang zu geben, auf die Erschlie�ung und den Schutz ein gleichwertiges Gewicht zu legen�. F�r die Projektierung, Bauausf�hrung und die Verwaltung der Umwelt sollte das Ergebnis dieser Beurtei lung die Richtschnur sein. Um das �kosystem und die Umwelt entlang der Eisenbahnlinie gut zu sch�tzen, werden entlang der ganzen Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie 1,2 Mil liarden Yuan in verschiedene Projekte zum Schutz der Umwelt investiert � ein Superlativ in der Baugeschichte der chinesischen Eisenbahn. � In der Projektierungsphase der Eisenbahnlinie war der Schutz des
�kosystems und der Umwelt ein entschei dender Faktor f�r den zu
erarbeitenden Bauplan. Der Schutz des �kosystems und der Umwelt war
ein grund legender Leitgedanke bei der Projektierung der Qinghai- Tibet-Eisenbahnlinie.
Bei der Wahl der Strecken f�r die Schienenverlegung hat man sich
weitm�glichst um eine Umgehung der schwerpunktm��igen Habitate der wild
lebenden Tiere bem�ht. So w�re nach dem urspr�nglichen Streckenplan das
Naturschutzgebiet f�r die Schwarzhals- Kraniche (Grus nigricollus)
am Mittellauf des Yarlung Zangbo durchschnitten worden, doch um die
St�rung der Tiere zu vermeiden, hat man sich nach Anh�rung verschie dener
Seiten schlie�lich f�r einen Streckenplan durch das Gebiet Yangbajain
entschieden. Was jene Strecken betrifft, die unbedingt durch die freie
Wildbahn der Tiere verlaufen m�ssen, beispielsweise die Strecken durch die
Natur schutzgebiete Huhxil, Qumar und Soga, so wurden bei der
Projektierung mehrere Streckenpl�ne zum Vergleich und zur Auswahl
vorgelegt und nach Untersuchungen Regeln zum Schutz getroffen, um eine
St�rung der Naturschutzgebiete auf ein Minimum zu reduzieren. Auf der
Grundlage von Untersuchungen der Eigenarten und der Migrationsgesetze der
Tiere entlang der Strecken wurden an verschiedenen Standorten 25
Durchg�nge f�r die Tiere angelegt. Auch bei der Projektierung von Br�cken
und Kan�len wurde den Bed�rfnissen der Tiere, die Eisenbahn zu �berqueren,
vollauf Rechnung getragen. So wurden an vielen Stellen extra �berf�hrungen
f�r die �berquerung der Tiere angelegt, um den Tieren entlang der
Eisenbahnlinie ihr freies Leben in gr��tem Ma�e zu gew�hrleisten. Die in
Huhxil beheimateten Tibet-Gazellen (Pantholops hodgsoni), die als
eine vom Aussterben bedrohte Art erster Klasse unter staatlichem
Artenschutz stehen, wandern j�hrlich im Juni und Juli in Scharen in die
Gebiete um den Zhoine- und Taiyang-See, wo die tr�chtigen Tiere werfen. Um
die Tiere dabei nicht zu st�ren, stellten die mit dem Streckenbau
besch�ftigten Bau unternehmen die Arbeiten vier Tage lang ein. Die
Bauarbeiter und Maschinen wurden weggeschafft, und die farbigen Banner,
die die Gazellen abschrecken h�tten k�nnen, wurden entfernt, um den Tieren
zu erm�glichen, unbehindert durch die Baustellen zu wandern und sich zu
vermehren. Zum Schutz der nat�rlichen Umwelt der Steppen- und
Feuchtgebiete wurden bei der Projektierung in gro�er Zahl Br�cken
eingeplant. So entstanden allein im Autonomen Gebiet Tibet zu diesem Zweck
geschlagene Br�cken mit einer gesamten L�nge von 13 Kilometern. � Bei der Bauausf�hrung wurden die Einfl�sse auf das �kosystem und die Umwelt nach aller M�glichkeit reduziert. Um die negativen Einfl�sse auf das �kosystem und die Umwelt auf ein Minimum zu begrenzen, hat die Oberleitung f�r den Bau der Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie mit den Bauunternehmen jeweils Verantwortlichkeitsvertr�ge f�r den Schutz des �kosystems und der Umwelt abge schlossen. Die Bauunternehmen mussten sich verpflichten, ein vervollkommnetes System f�r den Schutz des �ko systems und der Umwelt und diesbez�glche Vorschriften zu etablieren bzw. auszuarbeiten, Verwaltungsabteilungen f�r den Umweltschutz einzurichten und hierf�r haupt und nebenberufliche Verwaltungsleute einzusetzen. Sie mussten daf�r sorgen, konkrete Ma�nahmen f�r die Durchsetzung des Schutzes des �kosystems und der Umwelt zu ergreifen, die ergriffenen Ma�nahmen mussten wissenschaftlich sein und die Baupl�ne den Anforderungen f�r den Schutz des �kosystems und der Umwelt entsprechen. Die f�r Boden und Ressourcen, f�r den Umweltschutz und f�r Wasserwirtschaft zust�ndigen Beh�rden und die betreffenden Abteilungen f�r das Aufbauwesen, f�r Projektierungen, f�r Bauaufsicht und f�r die Bauausf�hrung entschieden sich gemeinsam f�r die Standorte der Lehm- und Sandgruben und Steinbr�che sowie der Abfallabladungen, bestimmten je nach der Sonnenschein dauer und dem Eisschmelzen gemeinsam rationelle Abst�nde zwischen den Lehmgruben und den Gleisbettungen, legten gemeinsam die Routen f�r die Fahrzeuge und Bauarbeiter fest und sorgten gemeinsam daf�r, strikt in den vorbestimm ten Bereichen die Bauarbeiten und anderen T�tigkeiten durchzuf�hren, um die Stabilit�t der Tundra-Schichten zu garantieren. Man ist ferner darum bem�ht, die Flussquellen und Feuchtgebiete entlang der Eisenbahnline zu sch�tzen, um die Versandung der Quellgebiete, die Schrumpfung der Feucht gebiete, die Degeneration der Steppen und die Verschmut zung der Wasserqualit�t infolge der Bauarbeiten zu ver meiden. Sorgf�ltige Arbeit ist au�erdem zu leisten, um die Bodendecken zu sch�tzen bzw. wiederherzustellen, die Grasdecken auf den f�r das Wachstum der Vegetation schwierigen Landstrichen und Gleisbettungen sowie den f�r die Bauarbeiten notwendigen Fahrwegen zu bewahren, st�ckweise zu verpflanzen und in anderen Standorten zu erhalten. Damit werden sp�ter die B�schungen der fertigen Bahnk�rper bzw. die Bodenoberfl�chen der Baustellen be deckt, um den Verlust an Bodendecken auf ein Minimum zu reduzieren. F�r Landstriche mit relativ guten Naturbe dingungen sind plateaugerechten Gras- und Krautarten durch eine sorgf�ltige Zuchtwahl zu finden und dann geeignete Aussaat-, Vermehrungs- und Z�chtungstechniken anzuwen den, um mit gr��ter Anstrengung den Bodenbewuchs wieder herzustellen. F�r Landstriche mit weniger guten Naturbedin gungen sind Versuche �ber die k�nstliche Heranbildung von Grasdecken durchzuf�hren und Techniken wie Spritzaussaat und Folienbedeckung anzuwenden. Versuche mit dem Grasanbau an Bahnk�rpern auf dem Plateau haben schon im Quellgebiet des Yangtse am Fluss Tuotuo erste Erfolge erzielt. Die Erbauer der Bahnlinie werden jedenfalls alle m�glichen Ma�nahmen ergreifen und sich darum bem�hen, eine den Anforderungen des Umweltschutzes entsprechende Eisen bahn zu errichten. Das �kosystem und die Umwelt entlang der Eisenbahn linie gut zu bewahren ist der Angelpunkt f�r den Bau der Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie, und daf�r haben die verschiedenen Bauunternehmen bei der Bauarbeit gr��te Anstren gungen unternommen. Beispielsweise machten von den 13 zu entwickelnden schwierigen Technologien f�r Bauprojekte im Rahmen der L�sung der wissenschaftlich-technischen Schl�sselaufgaben des B�ros Nr. 14 des Chinesischen Eisen bahnamtes die Themen f�r die umweltfreundlichen Bauar beiten fast die H�lfte aus. Dabei wurden sechs Kontrolleure f�r den Schutz des �kosystems und der Umwelt eingesetzt, die f�r den �kologischen Schutz auf bzw. an den Baustellen entlang der Eisenbahnlinie verantwortlich sind. Es wurde gefordert, bei allen T�tigkeiten wie der Anlage von Baracken f�r die Bauarbeiter, dem Einzug der Bauarbeiter und Maschinenanlagen in die Baustellen, dem Bau von Wegen, dem Steinbrechen und der Anlage von Lehmgruben und Stra�engr�ben die Arbeitsfl�chen m�glichst klein zu halten und die Bereiche f�r das Leben der Bauarbeiter abzugrenzen, um die schwache Vegetation auf dem Plateau mit aller Kraft zu sch�tzen. � Effektive Ma�nahmen wurden getroffen, um die Sch�digung der �kologie und der Umwelt auf dem Plateau durch die Bauarbeiten in gr��tem Ma� zu vermindern. Um die Sch�digung der Umwelt durch die Bauarbeiten zu vermindern, setzen die Bauunternehmen Maschinenanlagen mit hoher Leistung, niedriger L�rm bel�stigung und m�glichst geringer Umweltbelastung ein und praktizieren hoch mechanisierte Bauweisen. Sie unternehmen gr��te Anstrengungen, um die Zahl der Verwaltungsleute und Bauarbeiter auf den Baustellen klein zu halten. Was die Betonarbeiten betrifft, so werden nach M�glichkeit Fertig teile verwendet und diese auf den Baustellen montiert. Um beim Br�ckenbau die Umweltverschmutzung an den Bau strecken durch den anfallenden Schlamm zu vermindern, wurde nach M�glichkeit ein Trockenbohrverfahren mittels Drehbohranlagen angewandt. Um die Wasserverschmutzung durch die Bauarbeiten zu vermeiden, forderte das Bau kommando, dass alle durch die Bauarbeiten erzeugten Abw�sser und die Abw�sser durch die Lebenshaltung der Bauarbeiter aus den Baracken erst nach Kl�rung normgerecht abgeleitet werden d�rfen. Feste Abf�lle von den Bauarbeiten und der M�ll aus der Lebenshaltung der Arbeiter werden gesammelt und sortiert. Die recyclingf�higen Teile werden m�glichst wieder verwendet, alles �brige wird an eine umweltgerechte Stelle geschickt und konzentriert entsorgt. � Die Kontrolle und �berpr�fung des Umweltschut zes wurden forciert, um die Verwirklichung der Ziele f�r den Umweltschutz zu gew�hrleisten. Beim Bau der Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie wurde zum ersten Mal ein System praktiziert, nach dem die Oberbauleitung eine dritte Seite beauftragte, die Kontrolle des Umweltschutzes entlang der ganzen Linie im ganzen Prozess der Bauarbeiten zu �bernehmen. Um diese Kontrolle und �berpr�fung des Um weltschutzes zu forcieren, haben das Staatliche Hauptamt f�r den Umweltschutz und das Ministerium f�r die Eisenbahn gemeinsam ein Rundschreiben �ber die Verst�rkung der Arbeit zur Kontrolle und Verwaltung der �kologie und der Umwelt beim Bau der Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie bekannt gegeben, das spezielle Anordnungen f�r den Schutz sowie die Kontrolle und �berpr�fung der Umwelt in den einzelnen Bauphasen vorsah. Das Staatliche Hauptamt f�r den Umwelt schutz und das Eisenbahnministerium haben zusammen mit den anderen zust�ndigen Abteilungen mehrere Kontrollgrup pen entsandt, um die Umsetzung der verschiedenen Ma� nahmen f�r den Umweltschutz w�hrend der Bauarbeiten zu �berpr�fen. Sobald man einen Versto� gegen die Bestim mungen feststellte, wurden sofort strenge Strafen verh�ngt. Es ist somit wohl begr�ndet, davon �berzeugt zu sein, dass die Qinghai-Tibet-Eisenbahnlinie eine Eisenbahn sein wird, die den Anforderungen des Umweltschutzes ent sprechen und zum Wohl der tibetischen Bev�lkerung aller Nationalit�ten beitragen wird. |
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