Immer mehr gemischte Ehe

Monatelang haben sie an einer Universität in London in derselben Küche gekocht. Jeder der Beiden hat seine eigene Mahlzeit zubereitet und versucht es nicht allzu offensichtlich werden zu lassen, dass hier noch etwas anderes in der Luft lag.

Es war eine Liebesbeziehung, die hier entstand. Die Zutaten: ein chinesisches Mädchen namens Cao Wei und ein französischer junger Mann mit dem Namen Patrick Rioual.

Gelegentliche Blickkontakte und ein wenig Smalltalk wurden bald zu einer Verabredung zu gemeinsamem Kaffeetrinken. Der Rest ist Geschichte. Heute, 10 Jahre später, lebt das Paar glücklich verheiratet in Beijing und hat einen zwei Jahre alten Sohn.

"Ja, er hat große Augen und eine große Nase. Aber er ist mir nicht fremd. Er ist mein Ehemann, meine Familie", sagte Cao, eine selbstständige Schmuckhändlerin.

Cao und Rioual gehören zu der wachsenden Anzahl von gemischten Paaren in China und sind ein "natürliches soziales Phänomen", sagte Xu Anqi, ein Soziologe bei der Shanghaier Akademie der Sozialwissenschaften. Im vergangenen Jahr haben 68.000 gemischte Paare ihre Ehe eintragen lassen, 4000 mehr als im Jahr 2005.

Landesweit haben 2006 insgesamt rund 9,45 Millionen Paare den Bund fürs Leben geschlossen, eine Zunahme um 1,21 Million, geht aus Statistiken des Ministeriums für Zivile Angelegenheiten hervor.

"Zunehmende grenzüberschreitende Migration, angetrieben durch das schnelle ökonomische Wachstum des Landes, ist der Hauptgrund für die wachsende Anzahl an gemischten Ehen", sagte Xu.

"Hinzu kommt, dass Ausländer, die nach China reisen oder hier arbeiten meist im typischen Heiratsalter sind."

Aber nicht nur die Anzahl der gemischten Ehen ändert sich, sondern auch die Einstellungen ihnen gegenüber. So zum Beispiel das weit verbreitete Vorurteil über gemischte Ehen, nach dem "chinesische Frauen, Männer aus dem Westen wegen ihres Geldes heiraten", sagte Xu. "Heute sehen wir, dass Liebe eine wichtige Rolle in gemischten Ehen spielt. Auch sollte man nicht überrascht sein, dass mehr chinesische Männer Frauen aus dem Westen heiraten."

Offizielle Angaben der Stadt Shanghai zeigen, dass allein in Shanghai im Jahr 2005 insgesamt 372 chinesische Männer in gemischten Ehen lebten, eine Zunahme von 91 Männern 20 Jahre zuvor.

Eine Statistik aus dem Jahr 2002 weist daraufhin, dass der Altersunterschied durchschnittlich fünf Jahre beträgt, weniger als früher.

Aber es gibt auch weiterhin Herausforderungen für Paare in gemischten Ehen, zum Beispiel: die kleinen kulturellen Unterschiedlichkeiten, die zu Missverständnissen und Zerwürfnissen führen können.

"Es ist schwieriger sich aneinander anzupassen, wenn man aus zwei verschiedenen Völkern stammt", meinte Xu. Im Jahr 2005 reichten insgesamt 8267 gemischte Paare ihre Scheidung ein, eine Zunahme um 42 Prozent zum Vorjahr.

(China.org.cn, China Daily, 15. Juni 2007)