| Home | Aktuelles |
Multimedia |
Service |
Themenarchiv |
Community |
| Home>Fokus | Schriftgröße: klein mittel groß |
| 30. 08. 2009 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Rund 350.000 Euro für den Bau einer Grundschule, aber im gehobenen Stil: Die Schule, oder besser das Schloss, im Chongqinger Kreis Yunyang wurde eigens für Kinder von Familien gebaut, die von dem Gebiet des Drei-Schluchten-Reservoirs umgesiedelt wurden.
Die Diskussionen von Chinas Internetnutzern drehen sich seit den vergangenen Tagen um eine luxuriöse Grundschule, die mit Wohltätigkeitsgeldern gebaut wurde und ein europäisches Schloss nachbildet. Die Drei-Schluchten-Grundschule, deren Bau mit Spenden in Höhe von 3,5 Millionen Yuan (357.000 Euro) von einer Hong Konger Firma finanziert wurde, wurde am Mittwoch im Kreis Yunyang in Chongqing eröffnet.

Die Drei-Schluchten-Grundschule in Chongqing [Chongqing Evening News]
Allerdings hat das Design der Schule als Schloss – inklusive einem Dachturm und einem Eckturm – wie auch die erstklassigen Bildungseinrichtungen wegen ihrer Extravaganz heftige Kritik in Internetforen ausgelöst. Bis Donnerstagmorgen drückten in einer Online-Umfrage auf sohu.com rund 8400 Internetnutzer ihr Missfallen aus, während über 4100 Teilnehmer die Schule unterstützen. "Was für eine Verschwendung! Mir dem Geld könnte man ja mindestens 17 normale Schulen bauen", lautet der Kommentar des Users "WS_dsd". "Es ist vollkommen unnötig, wenn man bedenkt, dass viele Kinder überhaupt keinen Ort zum Lernen haben", so die Meinung eines Internetnutzers aus Guangdong. "In Lehrqualität muss man investieren, nicht in abgefahrene Gebäude", meint ein weiterer Nutzer aus dem Autonomen Gebiet Guangxi der Zhuang-Nationalität. "Ich wünschte, es gäbe qualitativ bessere Schulen in den ländlichen Gebieten, so dass Kinder vom Lande dieselben Bildungsbedingungen haben wie die in den Städten", meint "rammpp".
Die 531 Schüler sind allerdings begeistert von der extravaganten Schule, von der aus man den Fluss Jangtse und einen rund 1700 Jahre alten Tempel überblicken kann. "Wunderschön! Ich habe Lust, den riesigen Fluss, den Tempel, die Bäume und Berge, unsere Schule und überhaupt alles zu malen", wurde der Sechstklässler Liu Chao von der Chongqing Evening News zitiert. "Ich musste früher stundenlang durch die Berge laufen, um zur Schule zu gehen. Jetzt kann ich in der Schule wohnen", so der Viertklässler Ran Haiyan gegenüber der Zeitung. Ran freut sich auch, dass es auf jeder Etage Toiletten gibt. Die Eltern müssen nur 30 Yuan pro Jahr für die Bücher ihrer Kinder bezahlen. Die Unterkunft im Internat kostet 1400 Yuan pro Jahr, oder 8 Yuan pro Tag.
"Wir wollen den Kindern das Beste bieten", so Zhang Shenming von der China Overseas Group (COHL), die das Geld für die Schule spendete. Die Entwicklungsgruppe, die die Schule auch errichtete, habe über 110 Millionen Yuan gespendet und seit 2005 jedes Jahr eine Schule in China gebaut, so Zhang. Das Unternehmen hat mit dem chinesischen Bildungsstiftungsprojekt Hope zusammengearbeitet, um das Grundstück zu finden und die Genehmigung der Kreisregierung zu bekommen.
Das Projekt Hope hat dazu beigetragen, seit 1989 schon 15.444 Grundschulen und 14.000 Bibliotheken in ganz China zu errichten. Das Projekt hat außerdem die Bildung von 3,38 Millionen Schülern unterstützt. Telefonanrufe an die Chinesische Stiftung für Jugendentwicklung, die das Projekt Hope leitet, wurden am Donnerstag nicht entgegengenommen. Allerdings bezeichnete Li Hongyi, der Kreisparteichef, die Spende als "selbstlos und ehrenwert", heißt es in einer Presseerklärung von COHL.
Die Schule im Kreis Yunyang wurde eigens für Kinder von Familien gebaut, die von dem Gebiet des Drei-Schluchten-Reservoirs umgesiedelt wurden. Die meisten der Schüler kommen aus wieder angesiedelten Familien, so Zhang. Insgesamt 160.000 Menschen aus Yunyang, einem der ärmsten Kreise Chinas, mussten umgesiedelt werden, um den Weg frei zu machen für das Drei-Schluchten-Reservoir, Chinas größtes Projekt zur Flutkontrolle und Wasserkrafterzeugung. Es kann 22,1 Milliarden Kubikmeter Wasser halten und hat das Ziel, die Überschwemmungen am Fluss Jangtse einzudämmen. Das Reservoir hat eine Umsiedlung von über einer Millionen Menschen nötig gemacht.
Quelle: Xinhua
Druckversion | Artikel versenden | Kommentar | Leserbrief | zu Favoriten hinzufügen | Korrektur
| Kommentar schreiben |
| Kommentare |
|
Keine Kommentare.
|
| mehr |