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07. 09. 2009 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Jobsuche

Immer mehr Hochschulabsolventen wählen flexible Beschäftigung

Flexible Arbeitszeiteinteilung als Privatlehrer, Fitnesstrainer oder Designer – was noch vor zehn Jahren eher selten war, ist heutzutage ganz normal. Immer mehr chinesische Hochschulabsolventen wählen vor dem Hintergrund des stagnierenden Arbeitsmarktes den Weg der flexiblen Beschäftigung.

Mit zwei Tagen Arbeit und fünf Tagen frei pro Woche führt Liu Tiancong ein Leben, das ihre Eltern sich niemals hätten vorstellen können. Die 23-jährige Liu ist zufrieden mit ihrem Job als private Geigenlehrerin in Shenyang, der Hauptstadt der nordostchinesischen Provinz Liaoning. "Ich mag meine Schüler wahnsinnig gern, mein Einkommen ist nicht schlecht, und ich habe jede Menge Zeit zum Reisen", so Liu, die einige Monate zuvor das Shenyanger Konservatorium abgeschlossen hatte.

Heutzutage wählen viele chinesische Hochschulabsolventen vor dem Hintergrund des durch die weltweite Finanzkrise stagnierenden Arbeitsmarktes den Weg, eine eigene Firma zu gründen oder sich selbständig zu machen. Rund 5,29 Millionen chinesische Hochschulabsolventen haben 2008 ihr Studium abgeschlossen, und 86 Prozent von ihnen haben bis Anfang 2009 einen Arbeitgeber gefunden.

Der Bergriff Flexible Beschäftigung war vor zehn Jahren noch selten zu hören in China, einem Land, in dem einst die Planwirtschaft herrschte. Rund 75 Prozent der chinesischen Hochschulabsolventen wollen gern ihren eigenen Betrieb gründen, und trotzdem realisieren nur unter zwei Prozent ihren Traum, belegt eine vom Bildungsministerium durchgeführte Umfrage unter knapp 16.000 Studenten in 117 Universitäten landesweit.

Zu Liu's Überraschung unterstützten ihre Eltern sie in der Entscheidung, ihren Job in einem Musikalienladen in Beijing aufzugeben und in Shenyang als Privatlehrerin zu arbeiten. "Sie waren von staatseigenen Unternehmen entlassen worden, insofern sind sie nicht der Ansicht, dass es so wichtig ist, einen langfristigen Job zu haben", erzählt sie.

Als 2003 die Zahl an Absolventen von chinesischen Hochschulen zu wachsen begann, ermutigte die Regierung die damals zwei Millionen Absolventen, einer "flexiblen" Beschäftigung nachzugehen, indem sie ihre eigenen Betriebe eröffneten, falls nötig. Unter den 94.000 Absolventen in Shenyang dieses Jahr wählten 17 Prozent oder 15.991 Personen flexible Beschäftigungen. Vier Jahre zuvor waren es noch 2.000 flexible Beschäftigte gewesen, heißt es von der Shenyanger Stadtbehörde für Personal.

"Früher wurde jedem Hochschulabsolventen ein Job gegeben, aber das ist heute nicht mehr der Fall", so Liu Hongwei, außerordentlicher Professor an der Akademie Luxun für Bildende Kunst in Shenyang. Liu hatte 1982 die Akademie für Kunst & Design an der Tsinghua-Universität absolviert. An der Akademie haben dieses Jahr 787 Studenten ihr Studium abgeschlossen, und 78 Prozent von ihnen wählten den Weg einer flexiblen Beschäftigung.

Neben Druck durch den geschwächten Arbeitsmarkt bestehe ein weiterer Grund für den Anstieg an flexibel Beschäftigten darin, dass junge Leute von heute eher gewillt seien, Herausforderungen in Kauf zu nehmen, meint der Chef der Behörde, Feng Lianqi. Er fährt fort, die meisten flexibel Beschäftigten in der Stadt arbeiteten als Privatlehrer, Fitnesstrainer, Designer, Schauspieler und Onlineshop-Besitzer.

Flexible Beschäftigung habe ein großes Potential in China im Zuge der Wirtschaftsentwicklung, so Lin Muxi, Professor an der Universität Liaoning. Er erklärt, flexible Beschäftigung nehme 90 Prozent der Beschäftigung in Indien ein und werde wahrscheinlich in 20 Jahren 60 Prozent der Beschäftigung in den USA ausmachen. Flexible Beschäftigung von Hochschulabsolventen werde die moderne Serviceindustrie ankurbeln und neue Jobs schaffen, so Lin weiter.

Quelle: Xinhua

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