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14. 09. 2009 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Epidemiengefahr

H1N1-Virus könnte mehrere zehn Millionen Menschen in China infizieren

In China rüstet man sich für einen noch stärkeren Kampf gegen die Ausbreitung der H1N1-Grippe. Diese wird voraussichtlich im Herbst und Winter einen Höhepunkt erreichen und könnte mehrere zehn Millionen Menschen im ganzen Land befallen.

In China rüstet man sich für einen noch stärkeren Kampf gegen die Ausbreitung der H1N1-Grippe, die voraussichtlich im Herbst und Winter einen Höhepunkt erreichen wird und mehrere zehn Millionen Menschen im ganzen Land befallen könnte. Schwere oder sogar tödliche Fälle werden unvermeidbar sein, warnt Liang Wannian, stellvertretender Direktor des Notfallbüros beim Gesundheitsministerium am vergangenen Freitag. "Die Hälfte der Patienten könnte außerdem klinische Symptome entwickeln, und mehrere Millionen Menschen werden zur medizinischen Behandlung ins Krankenhaus gehen", so Liang auf einer regulären Pressekonferenz.

Der tödliche Stamm des Grippevirus hat rund 250.000 Menschen weltweit infiziert, darunter sind 2.800 Patienten gestorben. Doch dies ist nur ein Bruchteil dessen, was die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert hat. Anfang Mai hatte die WHO erklärt, das H1N1-Virus könnte rund zwei Milliarden Menschen, also knapp ein Drittel der Weltbevölkerung, heimsuchen. Falls sich dies bewahrheiten sollte, würde es eine riesige Herausforderung für Gesundheitsorganisationen und antivirale Medikamentenversorgung darstellen, so Liang.

Das H1N1-Virus verbreite sich jetzt, da der Herbst gekommen sei, schneller in China, erklärt Liang, und über die Hälfte der bisherigen hier gemeldeten 7000 Fälle seien zwischen dem 24. August und dem 10. September aufgetreten. Ausbrüche an Orten, an denen viele Menschen engen Kontakt haben, kämen nun häufiger vor als Einzelfälle, meint er, und auf dem chinesischen Festland seien seit Mitte Juni 207 Fälle großflächiger Infektionen gemeldet worden. Krankenhäuser landesweit bereiteten sich auf eine große Zahl von Patienten und auf die zunehmenden schweren Fälle vor. Vorbeugungsmaßnahmen, insbesondere auf Gemeindeebene, würden weiter verstärkt, so Liang.

Schüler im ganzen Land würden in Kürze kostenlose traditionelle chinesische Medizin (TCM) zur Vorbeugung in Schulen bekommen, so Liao Wenke vom Bildungsministerium. Verdachtsfälle und bestätigte H1N1-Patienten in Schulen würden zur Behandlung nach Hause oder in Quarantäne geschickt, so Liao. Er habe Universitäten aufgerufen, Sondereinheiten zu errichten, um Patienten dort in Quarantäne zu stellen, die in engen Kontakt mit bestätigten Patienten kommen.

Ein Notfallplan zur Bekämpfung der Grippe – selbst für den Fall, dass die Zahl der Patienten die Kapazitäten der Krankenhäuser überschreite – sei bereits getroffen, erklärt Liang. "Orte wie Schulen und Hotels, in denen Patienten in großer Zahl aufgenommen werden können, werden als vorübergehende Behandlungszentren genutzt", so Liang. Die Regierung habe antivirale Medikamente, darunter Tamiflu und TCM-Medikamente, auf Vorrat. "Bislang haben wir genügend Tamiflu für zehn Millionen Menschen", so Liang. Dies ist das erste Mal, dass die höchsten Gesundheitsbehörden die genaue Zahl gelüftet haben.

Der Medikamentenvorrat sei ein relativ schwaches Glied in Chinas Bemühungen zur Epidemienkontrolle, so Zeng Guang, Chefexperte des Forschungszentrums für Epidemien am Chinesischen Zentrum für Krankheitskontrolle und -vorbeugung. "Dies ist einer der Gründe, aus denen die Behörden so viel Wert auf Vorbeugungsmaßnahmen wie Quarantäne legen." Die USA hätten bis Anfang Mai einen Vorrat an antiviralen Medikamenten für 85 Millionen Menschen gehabt, so Zeng. "Und sie haben nicht aufgehört, den Vorrat aufzustocken."

Glücklicherweise seien die meisten H1N1-Grippefälle in China mild gewesen. "Insofern wurde Tamiflu bislang nicht für deren Behandlung benötigt", so Liang, mit dem Aufruf an Krankenhäuser im ganzen Land, den begrenzten Vorrat an antiviralen Medikamenten effizient zu nutzen. TCM sei sowohl zur Vorbeugung wie auch zur Behandlung von H1N1 in China verwendet worden, so Liang weiter. Und einige dieser Medikamente hätten viel versprechende Ergebnisse gezeigt. Vorher hatte die Staatliche Verwaltung für TCM empfohlen, Lian Hua Qing Wen (ein pflanzliches Medikament) zur Behandlung der Grippe einzusetzen, und zwar wegen seiner hervorragenden Wirkungen bei der Abtötung von Viren und dem geringeren Preis im Vergleich zu Tamiflu. Einige Experten bestehen jedoch darauf, dass sich für schwere Grippepatienten Tamiflu als effektivstes Mittel erwiesen habe.

Quelle: China Daily

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