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| 16. 09. 2009 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Bei der Diskussionsveranstaltung "Global Green Recovery" der Deutschen Botschaft in Beijing am Montag trafen zwei deutsche Experten und ein aufgeklärtes Publikum aufeinander.
(Fotos von Richeza Hermann)
"Global Green Recovery – Ist der nächste Aufschwung grün?" hieß das Thema der Diskussionsveranstaltung, zu der das Wirtschaftsreferat der Deutschen Botschaft in Beijing am Montagnachmittag lud. Nach der Begrüßung durch den Deutschen Gesandten Dr. Hans Carl von Werthern sprachen die geladenen Experten aus ihrer Sicht über Perspektiven des Wachstums unter Berücksichtigung des Klimaschutzes, insbesondere zu Zeiten der Wirtschaftskrise. Ausgangspunkt war die unter Prof. Dr. Edenhofer und Sir Nicholas Stern im Frühjahr 2009 erstellte Studie "Towards a Global Green Recovery".
Klimahandel und CO2-Einlagerung
(Fotos von Richeza Hermann)
Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Vizedirektor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und seit Ende 2008 Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des UN-Klimarats, sprach sich 80 Tage vor der Weltklimakonferenz in Kopenhagen für eine "effiziente und gerechte Klimapolitik" aus. Ohne Klimapolitik werde die sogenannte Mitteltemperatur bis Ende des Jahrhunderts um drei bis zehn Grad Celsius steigen, warnte er. Die "Kippschalter im Erdsystem", etwa das Abschmelzen der Gletscher, etwa in Tibet, oder des Arktischen Eises, seien ernstzunehmende Bedrohungen. Das Ziel der Klimawissenschaftler laute daher, den Anstieg der Mitteltemperatur "bis 2050 auf zwei Grad zu beschränken". Mit Kosten von ein bis zwei Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts sei diese "realistische Utopie" zu meistern, prophezeite Edenhofer. Falls sich alle Länder bis 2020 auf dieses Ziel und entsprechendes Handeln einigen könnten, sei der Klimawandel noch zu verhindern.
Das Kernproblem sei, dass bisher wirtschaftliche Entwicklung immer einherginge mit steigenden Emissionen. Wachstum und Emissionen müssten global entkoppelt werden, dafür seien mehr Energieeffizienz, Kohlenutzung mit CO2-Einlagerung (die sogenannte Carbon Capture and Storage oder CCS), die Nutzung von Biomasse und Kernkraft von Bedeutung, wobei letzteres eine kleinere Rolle spiele.
Edenhofer spricht dem Emissionshandel das Wort: "850 Gigatonnen CO2 kann die Erdatmosphäre noch aufnehmen, dann ist Schluss! Alle Verschmutzer müssen Kohlenstoffmärkten beitreten und für die Nutzung der Erdatmosphäre zahlen."
Grüne Wirtschaft dem Markt überlassen
(Fotos von Richeza Hermann)
Prof. Dr. Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) e.V. in Berlin, stellte zwei Fragen: "Können wir uns ohne Wachstum Klimaschutz nicht leisten" und "Können wir mit grünen Investitionen für Wachstum sorgen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen". Er stellte fest, dass Ökonomie und Ökologie heute zusammengehörten, und dass sogar die USA dies inzwischen begriffen hätten. Von einem grünen Wirtschaftswunder zu sprechen, lehnt Zimmermann ab, obgleich er der grünen Wirtschaft ein großes Marktpotenzial attestierte. Ein Sechstel des Welthandels mit Ökotechnologien entfalle heute auf Deutschland.
Es bestehe aber insgesamt die Gefahr, so Zimmermann, dass die Angelegenheit zum Modethema verkäme und von Politikern bald fallen gelassen werde. Er meint, dass man grüne Wirtschaft den üblichen Wettwerbszenarien überlassen müsse, um zukunftsfähig zu sein. Außerdem empfindet er die öffentliche Förderung als zu hoch.
Zum neuen Energiemix in Deutschland aus konventionellen und erneuerbaren Energien bemerkte er gar, das Land habe seine Kompetenz "in der sicheren Kernenergie verloren".
Zum Thema Protektionismus bemerkte er, diese Debatte sei schädlich und würde einen Krieg der reichen Länder heraufbeschwören.
Jedes Land hat Recht auf Entwicklung
Han Wenxiu (2. l.), Vizeleiter der zentralen Führungsgruppe für Finanz- und Wirtschaftsfragen, stellt eine Frage. (Fotos von Richeza Hermann)
Im Anschluss an die Expertendiskussion, die von Bernhard Bartsch moderiert wurde, standen Edenhofer und Zimmermann den geladenen Gästen und Journalisten für eine Diskussion bereit. Ein chinesischer Offizieller im Publikum namens Han Wenxiu, der als Vizeleiter der zentralen Führungsgruppe für Finanz- und Wirtschaftsfragen tätig ist, kommentierte die Vorträge beider Experten und bemerkte zunächst, dass Klimaschutz seit Jahren im politischen Programm Chinas festgeschrieben sei. In der jetzigen Situation müssten alle Länder nun gemeinsam einen Weg finden. Die historische Verantwortung der reichen Länder bei der Verschmutzung dürfe dabei nicht aus den Augen verloren werden. Entwicklung sei "das Recht eines jeden Landes" auf der Welt. Die Entwicklung einer globalen, nachhaltigen Wirtschaft dürfe daher nicht unter Vorbehalt der neuesten Technologien aus dem Westen geschehen. Sonst könne das schnell zu einem Mittel des Protektionismus werden. Eine Anpassung der Wirtschaftsstruktur, die Klimaschutz zum Ziel habe, sei richtig, notwendig und werde daher auch bei der chinesischen Bevölkerung gut ankommen. China habe sich zum Ziel gesetzt, innerhalb des aktuellen Fünfjahresplanes 20 Prozent seiner derzeitigen Emissionen zu reduzieren und werde sein Versprechen halten, betonte Han.
Entscheidung aller Länder oder G20-Nationenpoker
Eine weitere Frage aus dem Publikum betraf die Gerechtigkeit eines potenziellen Verteilungsschlüssels beim Emissionshandel. Ob das nur eine Entscheidung der G20 oder aller Mitgliedsstaaten der UNO werde. Es dürfe zwar nicht im Protektionismus enden, aber ohne nationales Pokern werde es sicher nicht abgehen, prophezeite Edenhofer. Eine Diskussion über historische Verantwortung und Schuld in Kopenhagen sei aber kontraproduktiv, wenn man nachhaltige Lösungen finden wolle.
Quelle: german.china.org.cn
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