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18. 10. 2009 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Gesellschaft

Leihmutterschaft löst Debatte über ethische Fragen aus

Schlupflöcher in den Gesetzen erlauben es Leihmutteragenturen in China, in das Untergrundgeschäft des "Mutterbauchs zur Miete" einzusteigen. Dies hat Debatten über moralische Fragen ausgelöst.

Schlupflöcher in den Gesetzen erlauben es Leihmutteragenturen in China, in das Untergrundgeschäft des Mutterbauchs zur Miete einzusteigen. Dies hat unter der Öffentlichkeit Debatten über moralische Fragen ausgelöst. Untergrundnetzwerke von Leihmutteragenturen, Krankenhäusern und Ärzten haben sich in den vergangenen Jahren rasant ausgeweitet und bieten unfruchtbaren Paaren mit Kinderwunsch die Möglichkeit, mit Geld Frauen anzuheuern, die für die Paare ein Baby austragen.

"Wir wissen, dass das nicht legal ist, aber es ist das Risiko wert, da mein Mann und ich uns so sehr ein Kind wünschen", so eine 36-jährige Frau namens Fang in Shenzhen, die lange versucht hatte, schwanger zu werden, aber erfolglos. Ihre Leihmutter, eine 23-jährige Frau vom Lande, ist im zweiten Monat schwanger. Fang und ihr Ehemann haben knapp 100.000 Yuan, also 9.800 Euro bezahlt, darin eingeschlossen 60.000 Yuan, mit denen die Leihmutter die Arztkosten ihres Vaters bezahlt.

Xiao Yun (Name geändert) hat zwei Kinder geboren, die sie nicht großziehen wird. "Beim zweiten Mal 2006 habe ich mich sogar selbst mit dem Sperma des Ehemanns der Frau befruchtet, die ich nie wieder sehen werde", erinnert sich die 32-jährige Frau, die vor acht Jahren aus ihrem Heimatdorf in Sichuan nach Guangzhou gezogen war. Ihre Motivation war finanzieller Natur. "Ich hatte keine Wahl, schließlich habe ich eigene Kinder, die ich ernähren muss", so die Witwe, die an ihrer Leihmutterschaft 170.000 Yuan verdient hat. "Ich schäme mich nicht für das, was ich getan habe, sondern freue mich, dass ich Leuten helfen konnte, die Hilfe brauchten", meint sie.

Die Vermittler, die die Paare mit den Leihmüttern zusammenführen, sind der gleichen Ansicht. Liu Baojun, 31, der die Leihmutteragentur Daiyun.com mit Hauptsitz in Ningbo in der Provinz Zhejiang betreibt, erklärt, seine Agentur vermittle unfruchtbare Eltern mit Kinderwunsch auf legale und professionelle Weise an Leihmütter. "Wir haben durch unseren Service schon Dutzende unfruchtbarer Paare glücklich gemacht", so er. "Für jede erfolgreiche Vermittlung bekommt die Agentur mindestens 1000 Yuan."

Die Agenturen heuern häufig junge Frauen aus armen Dörfern an, damit diese anstelle der unfruchtbaren Mütter Babys austragen, so Experten. Die bezahlten Leihmütter bekommen im Gegenzug einen bestimmten Betrag an Bargeld zusätzlich zu Lebenshaltungskosten, Miete, medizinischen Kosten und Kosten für Verkehrsmittel. Die Summe wird normalerweise auf Basis des zweijährigen Gehalts der Leihmutter berechnet, erklärt die Mitarbeiterin einer Agentur mit Sitz in Shenzhen namens Liu.

Die Anzahl und Größe von Leihmutteragenturen steigt weiter trotz des strengen Verbots von Leihmutterschaft, das 2001 vom Gesundheitsministerium verhangen wurde. Mit Stand von 2007 waren rund 100 medizinische Institutionen landesweit vom Gesundheitsministerium autorisiert, Technologien zur künstlichen Befruchtung anzuwenden, belegen neue offizielle Statistiken. Jedoch ist es ihnen verboten, diese Technologien für den kommerziellen Gebrauch, darunter auch Leihmutterschaft, einzusetzen. Krankenhäuser, bei denen herauskommt, dass sie in derartige Praktiken involviert sind, bekommen ihre Lizenz zur Anwendung der Technologien für künstliche Befruchtung entzogen. Jedoch nehmen immer noch viele das Risiko wegen der Aussicht auf dicke Gewinne auf sich.

Alle medizinischen Prozeduren, darunter die In-Vitro-Befruchtung und die Entbindung, würden von der Agentur in öffentlichen Krankenhäusern, die eine Lizenz für die Anwendung künstlicher Befruchtung haben, arrangiert, um einen reibungslosen Ablauf und gesunde Babys zu garantieren, so Liu. "Wir haben eine gute und langfristige Kooperation mit den Direktoren", erklärt sie.

Außer dem Verbot der Leihmutterschaft durch das Ministerium gebe es kein Gesetz, das die Praxis von Leihmutteragenturen verbiete, so Experten. Sie rufen die Behörden auf, die Situation besser zu regeln. Liu Zhijun, Soziologieprofessor an der Universität Zhejiang, meint, Leihmutterschaft solle verboten werden, da sie gegen die Moral verstoße. "Leihmutterschaft endet häufig in einer Tragödie, beispielsweise außerehelichen Affären, Familienstreitigkeiten und sogar Verbrechen", meint er. Jedoch kontern Befürworter der Leihmutterschaft, dass ein völliges Verbot unfruchtbare Paare mit Kinderwunsch dazu treiben würde, Wege einzuschlagen, die schlechter für die Gesellschaft wären, und dass dadurch Betrug, Erpressung und andere Verbrechen zunehmen könnten.

Quelle: China Daily

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