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| 27. 10. 2009 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Die Polizei in Shanghai wirft Köder aus, um damit "illegale Taxifahrer" zu erwischen. Häufig trifft dies aber einfach gutmutige Autofahrer. Diese nicht zulässige Praxis soll nun gestoppt werden.

Sun Zhongjie konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten, als er erfuhr, dass die Untersuchungen seine Unschuld bewiesen haben. Folgendes war geschehen: Sun war am 14. Oktober von einem Mann angehalten worden, der ihn bat, ihn mitzunehmen. Drei Minuten später war er von der Polizei umstellt und dafür angeklagt worden, dass er ein unlizenziertes Taxi betreibe. Sun bestritt vehement, dass er von dem Mann Geld angenommen hatte und trennte sich aus Frust und um seine Unschuld zu beweisen einen seiner Finger ab. "Ich bin zufrieden", meinte der 19-jährige Mann aus der Provinz Henan, nachdem sich die Shanghaier Stadtverwaltung und das Gesetzdurchsetzungsamt des Bezirks Pudong bei ihm entschuldigt hatten. Darüber hinaus wurde Sun eine Kompensation für sein Leiden versprochen.
Jiang Liang, der Chef des Bezirks Pudong, gab auf einer Pressekonferenz zu, dass die Polizei "unsaubere Methoden" beim Sammeln der Beweise angewandt habe. Jiang sagte, dass Polizeiangestellte einen Mann gezahlt hätten, der als Köder agierte, um Sun zu schnappen – eine Handlungsart, die in China zwar verboten, aber laut Kritikern noch immer sehr verbreitet ist. Jiang fügte hinzu, dass die Befunde einer Untersuchung, welche die Shanghaier Stadtverwaltung und das Gesetzdurchsetzungsamt des Bezirks Pudong am 20. Oktober abgeschlossen hatten, zu einer falschen Schlussfolgerung geführt hätten. Laut diesem Untersuchungsergebnis war Sun schuldig und das Durchsetzungsteam hätte nichts falsch gemacht.
Jiang sagte, dass sich die Regierung auch bei der Öffentlichkeit für den Zwischenfall entschuldigen wollte. "Die Leute, die für diese illegale Durchsetzung des Gesetzes und für die falsche Beweisbeschaffung verantwortlich sind, werden dem Gesetz entsprechend bestraft", so Jiang. "Die Bezirksregierung von Pudong wird aus dem Zwischenfall ihre Lehren ziehen." Gestern hat auch die Bezirksregierung von Minhang bekannt gegeben, dass sie eine Strafe gegen Zhang Hui zurückgezogen hatte. Dieser erhielt im September eine Strafe über 10.000 Yuan für sein "illegales Taxifahren". Zhang war am 8. September von einem Mann angehalten worden, der über schwere Magenschmerzen klagte. Er sagte, er müsse dringend ins Krankenhaus und könne kein Taxi finden. Fünf Minuten später wurde Zhangs von der Polizei angehalten und angeklagt, schwarz ein Taxi zu betreiben.
Hao Jinsong, der Anwalt der sowohl Sun Zhongjie wie auch Zhang Hui vertritt, hat die Regierung gedrängt, illegale Polizeiaktionen zu überprüfen und unlizenzierte Taxis zu bekämpfen. "Seit die zwei Fälle in Shanghai öffentlich bekannt wurden, habe ich von Leuten aus dem ganzen Land Briefe und Anrufe bekommen, die erzählen, das ihnen das gleiche widerfahren sei", sagte er. "Es wird geschätzt, dass in Shanghai jedes Jahr mehrere tausend Autofahrer auf diese Weise geschnappt werden." Die Shanghaier Stadtverwaltung hat bereits gestern angekündigt, dass es ein neues Team zur Regelung des öffentlichen Verkehrs zusammenstellen will.
Quelle: China Daily
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