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19. 11. 2009 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Prognose

Führender Volkswirt warnt vor Überhitzung des chinesischen Marktes

Ein chinesischer Volkswirt hat vor steigenden Aktien- und Immobilienpreisen in China gewarnt. Es gäbe Anzeichen einer Überhitzung des Aktien- und Immobilienmarktes infolge exzessiver Liquidität.

Das Wirtschaftsblatt Economic Information Daily zitierte am Dienstag Wu Jinglian, einen Experten im Wirtschaftsforschungsinstitut des Staatsrats (Kabinett), dass exzessive Kreditvergabe und Liquidität langfristig ein größeres Problem für die Wirtschaft darstellten, als Liquiditätsengpässe und schwache Nachfrage.

Wu (79), war einer der ersten Volkswirte, der eine marktorientierte Wirtschaft in China propagierte.

"Ein Kreditboom zusammen mit einer gelockerten Geld- und Währungspolitik und eine expansive Fiskalpolitik könnten die Wirtschaft kurzfristig vor einem Kollaps bewahren. Diese Maßnahmen können die darunter liegenden Probleme jedoch nicht lösen", sagte er.

Insgesamt 8,92 Billionen Yuan (874 Milliarden Euro) neue Anleihen wurden infolge einer gelockerten Geldpolitik in den ersten zehn Monaten dieses Jahres in die Wirtschaft gepumpt, weit mehr als das von der Regierung für das gesamte Jahr gesteckte Ziel von 5 Billionen Yuan (490 Milliarden Euro).

Wu sagte, exzessive Kreditvergabe und Refinanzierung führe zu Risiken und bringe die Wirtschaft des Landes zurück in die Zeit vor der Wirtschaftskrise. "Der überschäumende Immobilienmarkt kann als Zeichen einer Krise gewertet werden und erfordert höchste Aufmerksamkeit", sagte er.

Nach Daten des Nationalen Statistikbüros von vergangener Woche stiegen die Hauspreise in 70 mittelgroßen und großen Städten um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und 0,7 Prozent seit September.

In einem Bericht der Chinese Academy of Social Sciences (CASS) wurden ähnliche Bedenken geäußert und eine Stabilisierung der Immobilienpreise im ersten Quartal 2010 sowie ein Anstieg von Inflationserwartungen im zweiten Quartal vorhergesagt. "Spekulationen sind der Hauptgrund für die derzeitigen Preiserhöhungen", hieß es.

Laut Wu sei es keine gute Idee gewesen zu stark in Anlagevermögen zu investieren, trotz der starken Abhängigkeit der wirtschaftliche Erholung Chinas vom Immobilienmarkt.

"Der eigentliche Motor hinter Chinas wirtschaftlicher Erholung ist eher die beschleunigte Investition in Anlagevermögen sowie ein bisher nie gekanntes Kreditvolumen, und weniger der langsame Anstieg des heimischen Konsums. Dieses Ungleichgewicht wird die wirtschaftliche Restrukturierung in China bremsen", sagte er.

Im Zuge der Erholung von einer Krise ungekannten Ausmaßes sprang Chinas Investition in Anlagevermögen in den ersten zehn Monaten des Jahres um 33,1 Prozent im Vorjahresvergleich auf 15,07 Billionen Yuan (1,48 Billionen Euro).

Regierungsdaten zeigten, dass der Immobiliensektor mehr als 20 Prozent der städtischen Investitionen in Anlagevermögen ausmachte – ein Motor für Chinas wirtschaftliche Erholung.

Wu rief die Regierung zu größeren Bemühungen in der Handhabung der zu hohen Liquidität auf. Sie solle die wirtschaftliche Restrukturierung fördern und eine langfristige Entwicklung sicherstellen "zumal wir mit kurzfristigen Maßnahmen den Aufschwung bereits erzielt haben."

Pei Changhong, Leiter des Wirtschaftsinstituts für Handel und Finanzen bei der CASS regte ebenfalls an, dass sich die chinesischen Wirtschaftsbemühungen im Rahmen des Konjunkturprogramms im Jahre 2010 von Expansion auf strukturelle Anpassungen verlagern sollten.

Die chinesische Zentralbank erklärte letzte Woche in ihrem Quartalsbericht, dass die Regierung die gelockerte Geldpolitik fortsetzen, dabei jedoch ihre "Anstrengungen für einen Ausgleich von Wirtschaftswachstum und inflationären Tendenzen" verstärken werde.

Quelle: Xinhua

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