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12. 08. 2010 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

"Soziale Harmonie"

Neues Projekt lässt Arme und Reiche Seite an Seite wohnen

Ein Pilotprojekt für notbedürftige Menschen in Lanzhou in der nordwestchinesischen Provinz Gansu wurde zur Zielscheibe der Kritik. Bei dem Vorhaben sollen subventionierte Sozialbauten in topluxuriöse Wohnanlagen integriert werden.

Die lokale Wohnbehörde verkündete vor rund einem Monat ihren Plan, Arme und Reiche in der gleichen Nachbarschaft wohnen lassen, berichtete die Legal Daily am Dienstag. Dies sei Teil ihrer Bemühungen, eine größere "soziale Harmonie" zu schaffen. Sun Jianzhong, Direktor des Lanzhouer Büros für die Reform der Wohnpolitik, sagte der Global Times am Dienstag, dass das Projekt zwar noch nicht offiziell genehmigt worden sei. Doch die Regierung schaue es sich derzeit an und in Lanzhou werde es voraussichtlich "sehr bald" derartige Siedlungen geben.

Die Bauunternehmer sind indes skeptisch. Sie fürchten nicht nur, dass das Projekt den Wert der Luxuswohnung senkt, sondern sie weisen auch darauf hin, dass die unterprivilegierte Menschen ebenfalls nur ungern in das Gelände einziehen, weil sie sich unter den reichen Nachbarn nicht wohlfühlen. Dies bestätigt sich auch durch die Aussagen eines Straßenverkäufer aus Lanzhou, die in der Legal Daily zitiert wurden: "Selbst wenn wir eines Tages in solche Wohnungen einziehen könnten, glaube ich nicht, dass wir in der Lage wären, den gleichen Lebensstil zu führen. Doch es wäre für meine Kinder bestimmt nicht gut, wenn sie sehen, dass die Nachbarn so viel besser leben."

Die hohen Wohnungspreise haben die Zentralregierung dazu veranlasst, seit Anfang dieses Jahres eine neue Politik umzusetzen. Dazu gehört die vermehrte Förderung von Sozialwohnungen, die normalerweise am Rand der Städte erstellt werden, weil dort die Grundstückpreise niedriger sind. Der durchschnittliche Preis für eine Wohnung liegt in Lanzhou bei 5000 Yuan (738 US-Dollar) pro Quadratmeter, wie es von Seiten der lokalen Wohnbehörden heißt. Doch in den subventionierten Sozialwohnungen soll ein Quadratmeter nur 2000 Yuan kosten. Bei dem Projekt konnten die Bauherren das Land zu einem günstigeren Preis erwerben, mussten dafür aber Raum für bezahlbare Wohnungen schaffen, sagt Sun.

Mehrere Experten stellen die Machbarkeit des Plans in Frage. "Bauherren haben nicht die Pflicht, der Regierung beim Bau von Sozialwohnungen zur Seite zu stehen", sagt etwa Yin Bocheng, Direktor des Forschungszentrums zu Wohneigentum an der Fudan-Universität. Ebenfalls Song Aifang, Präsidentin der Immobiliengesellschaft Lanzhou Lanya Industrial Group, drückt ihr Missfallen aus: "Das Projekt ist nicht brauchbar. Die Regierung sollte sich lieber darauf konzentrieren, mehr Land speziell für Sozialwohnungen auszuweisen", sagte sie der Legal Daily.

He Youli, Experte bei der Ermittlung von Grundstückpreisen, erklärt, dass die Frustration über das Projekt in Lanzhou ein Sinnbild für das Dilemma sei, vor dem die meisten lokalen Regierungen stehen. Um das Problem des gerechten Wohnens zu lösen, müssen sie ein Vermögen investieren, um bezahlbare Wohnungen zu bauen. Dies wirkt sich negativ auf die Einnahmen aus.

Quelle: Global Times

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