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| 05. 09. 2010 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
von Ming Jinwei
Im Verlaufe der internationalen Finanzkrise sah sich Deutschland ähnlicher Kritik ausgesetzt, wie sie sonst China entgegengebracht wird. Einige Länder der Dollar- und Eurozone weisen negative Handelsbilanzen vor. Mitunter behaupten sie, dass Länder mit positiven Handelsbilanzen, wie Deutschland und China, für ein Ungleichgewicht der Weltwirtschaft verantwortlich sind. Wie die Erholung nach der Finanzkrise jedoch zeigt, ist solche Kritik unberechtigt.
Dank seiner starken internationalen Wettbewerbsfähigkeit schaffte Deutschland es, sich von der Krise zu erholen. Aus dem Wirrwarr von Schulden und Krisen ausgehend kritisieren die anderen europäischen Länder mitunter, das Überstehen von Schulden und Krisen sei nicht Deutschlands Verdienst. Stattdessen sollten sie sich jedoch am deutschen Vorgehen ein Beispiel nehmen.
Seit Beginn 2010 geht es der deutschen Wirtschaft besser, als man es sich erwartet hatte. Im Juli hatte der International Währungsfonds noch errechnet, das Wirtschaftswachstum Deutschlands läge dieses Jahr bei nur 1,4 Prozent. Vor kurzem jedoch wurde anhand von Daten der deutschen Regierung ermittelt, dass die Wirtschaft allein im 2. Quartal des Jahres um 2,2 Prozent gestiegen ist, so schnell wie seit 20 Jahren nicht mehr. Rechnet man diese Zahl auf ein Jahr hoch, käme man auf fast neun Prozent, eine Rate die bei entwickelten Ländern extrem selten ist. Nur sich entwickelnde Länder wie China oder Indien haben in der Regel so hohe Raten. Die Bundesbank geht aufs gesamte Jahr betrachtet von einem Wachstum von drei Prozent aus. Nimmt man Vergleichszahlen aus den USA oder Japan, so ist es gut möglich, dass Deutschland am Ende des Jahres von den entwickelten Ländern am meisten zugelegt hat.
Andere Länder Europas schneiden vergleichsweise miserabel ab. Frankreich konnte im zweiten Quartal gerade einmal mit 0,6 Prozent, Spanien mit 0,2 Prozent aufwarten. In Griechenland verlor der Wert sogar 1,5 Prozent. Auch in Bezug auf Arbeitslosigkeit und Schulden ragt Deutschland in seiner jüngsten Entwicklung positiv heraus. Deutschland erreichte zwar eine Neuverschuldung von 42,8 Milliarden Euro, was 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Deutschland überschreitet damit die Normen des europäischen Stabilitätspaktes von drei Prozent, jedoch steht es im Vergleich zu anderen Euroländern damit relativ gut da. Die meisten erwarteten Neuverschuldungen zwischen sieben und acht Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Auch die USA rechnen mit 1,34 Billion US-Dollar, also 9,1 Prozent.
Die Arbeitslosenquote Deutschlands liegt derzeit bei 7,1 Prozent, im Vegleich zu 9,1 Prozent zu Beginn des Jahres. In den USA liegt sie noch bei einem Hoch von 9,5 Prozent, erholt sich jedoch eventuell mit dem momentanen Wirtschaftswachstum sehr rasch.
Die Wirtschaftskrise traf Deutschland mit am härtesten. 2009 brach die deutsche Wirtschaft um 4,9 Prozent ein. Im Vergleich dazu kamen die USA mit 2,4 Prozent und die übrigen Euroländer mit 4,1 Prozent im Schnitt gut weg. Der Grund für die gute Krisenerholung Deutschlands liegt in vorangegangenen Wirtschaftsreformen. Vor etwa zehn Jahren ging es der deutschen Wirtschaft alles andere als gut, die Arbeitslosenrate lag noch vor fünf Jahren bei 13 Prozent. Allerdings beschloss die Regierung Arbeitsmarktreformen. Betriebe und Gewerkschaften einigten sich auf Lohngrenzen. Die Regierung schaffte auch Gesetze ab, wonach es Betrieben einfacher war, Leute zu entlassen oder einzustellen. Darüber hinaus forderte die Regierung, dass in guten Wirtschaftszeiten ein Teil der Managergehälter als Firmenteilhabe angerechnet wird. In schlechten Zeiten hingegen mussten Manager mit großen Gehaltseinschnitten rechnen. Im Mai 2009 war es dadurch möglich, 1,5 Millionen Arbeitsplätze zu sichern. Das Pensionsalter von Vorständen wurde ebenfalls von 65 auf 67 Jahre verlängert. Weiterhin wurden die Sozialleistungsversicherungen gekürzt. Die Arbeitnehmerkosten wurden durch viele Reformen reguliert, was der Exportwettbewerbsfähigkeit zugute kam. Der Export stieg allein im Juni diesen Jahres um 28,5 Prozent. In entwickelten und sich entwickelnden Ländern besteht demnach eine große Nachfrage an deutschen Produkten.
Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass Deutschland nicht allein auf den Export angewiesen ist. Das Wirtschaftswachstum vom zweiten Quartal führte zu Investitionen deutscher Unternehmen und dadurch zur Steigerung des Exports. Hinzu kommt allerdings das Konsumverhalten der Deutschen und große finanzielle Unterstützung der Regierung, die den Impuls zur Verbesserung der Wirtschaftslage darstellten.
(Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider.)
Quelle: german.china.org.cn
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