Eine Lehrveranstaltung zur Geschlechterforschung („Gender Studies"), die die Universität Shanghai anbietet, ist unter den Studenten sehr beliebt. Laut Universitätsmitarbeitern hatten schon im Vorfeld der Veranstaltung Hunderte junger Erwachsener großes Interesse bekundet.
Andere Universitäten, wie beispielsweise die Fudan-Universität, die Jiaotong-Universität und die Pädagogische Universität Shanghai, bieten derartige Veranstaltungen bereits seit dem vergangenen Jahr mit zunehmendem Erfolg an. Nahezu alle Studenten auf dem Campus interessieren sich für das Gebiet der Geschlechterforschung, was die Erwartungen der Universität deutlich übertroffen habe, so Zheng Guizhen, Soziologe an der Fudan-Universität.
Ein Drittel der in existierende Programme für Geschlechterforschung eingeschriebenen Studenten sind männlich. Die überwiegende Mehrheit wird dabei von Studenten im dritten oder vierten Jahr gestellt.
Die Disziplin der Geschlechterforschung befasst sich mit familienrelevanten Themen, zu denen die Themen Liebe, Ehe und Geschlechter sowie die historische Entwicklung der Geschlechter zählen. Auch Gewalt in der Familie und Sexismus werden behandelt. Studenten, vor allem weibliche Studenten, diskutieren gerne über unterschiedliche Geschlechterrollen, so Universitätsmitarbeiter.
Ein Dozent der Fudan-Universität stellte weiblichen Studenten die Frage, ob die Heirat mit einem reichen Mann oder eine erflogreiche eigene Karriere für sie wichtiger sei. Die Antworten darauf waren unterschiedlich.
Manche ältere Dozenten und auch einige jüngere erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen, bei der Anleitung von Studenten bezüglich sensiblen, aber praktisch-relevanten Themen, wie Liebe und Sexualität, so Zheng.
Die Themen Ehe und Sexualität galten in China lange Zeit als Tabu und wurden daher auch an den Universitäten nur dürftig behandelt. Dies hatte zur Folge, dass das Feld der Geschlechterforschung eher akademischen Forschern und hier größtenteils Doktoranden überlassen wurde. Die Studenten konnten sich ihr Wissen über Sexualität nur aus dem Internet oder bei gelegentlichen Unterhaltungen mit Kommilitonen holen.
Pädagogen gelangten jedoch zu der Erkenntnis, dass einige Themen zu wichtig sind, um sie nicht in den offiziellen Lehrplan aufzunehmen. Da Studenten am häufigsten mit Problemen in der Sexualität und in der Liebe zu kämpfen haben, sei es besser, sie richtig aufzuklären als sie für schlechte Lektüre empfänglich zu machen, so Huang Lili, Gesundheitsbeauftragte an der Universität Fudan.
Im letzten Semester bot die Medizinische Fakultät der Universität Fudan einen Kurs über Homosexualität und Analyse der Psychologie von Homosexuellen und Lesben an. Ein Angebot dieser Art von Kursen sei verblüffend, meint der Student Shen Yaxin von der Universität Fudan. Für Universitäten sei es durchaus wichtig, den Studenten praktisches Wissen über Sexualität und Liebe zu vermitteln.
(Xinhuanet//Übersetzt von China.org.cn, 18. März 2004)