Gesundheitstests vor der Hochzeit unbeliebt

Im Bezirk Wuchang in der zentralchinesischen Stadt Wuhan werden vor der Hochzeit kostenlose Gesundheitsschecks angeboten. Die Mehrheit der Paare, die eine Heirat plant, scheint jedoch nicht an einer derartigen Untersuchung interessiert zu sein.

In der Vergangenheit waren Gesundheitsuntersuchungen vor der Eheschließung für Paare obligatorisch. Ohne eine solche konnten sie keinen Trauschein erhalten. Zweck der Untersuchungen war es sicherzustellen, dass sich Krankheiten nicht zwischen den Paaren untereinander oder zwischen Müttern und ihren Kindern übertragen konnten. Doch seitdem die chinesische Regierung die obligatorischen Untersuchungen im letzten Oktober abschaffte, ging die Zahl der Paare, die für diesen Test zahlte, von 95 Prozent auf 2 Prozent zurück. Einige Gesundheitsexperten befürchten infolgedessen die vermehrte Übertragung von Krankheiten auf die nächste Generation.

Zhou Lin gehört zu den wenigen Menschen, die sich für eine solche Untersuchung entschieden. Sie wandte sich an ein Gesundheitszentrum in Beijing, in dem der Test nach ihrer Meinung schnell und einfach abgewickelt wurde. Sie und ihr Mann hätten den Test vor der Heirat im April durchführen lassen, erklärt Zhou. Die Ärzte seien nett gewesen, vielleicht auch, weil nur wenige Leute zur Untersuchung dort waren. Die zu entrichtende Gebühr betrug etwa 200 Yuan, was recht günstig gewesen sei. Nach nur einem halben Tag hätten sie schon das Ergebnis erhalten.

In anderen Landesteilen Chinas ist die Situation ähnlich. Das Gesundheitsamt von Wuchang unternahm verschiedene Schritte, neue Paare zum Gang in die Klinik zu bewegen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden die Untersuchungsräume umgestaltet und vergrößert, neue Dienstleistungen in die Gesundheitsberatung aufgenommen. Die Neuerungen führten jedoch nicht zu dem gewünschten Erfolg.

Schließlich griff der Bezirk Wuchang zur letzten Möglichkeit, dem Anbieten eines kostenlosen Tests ab Oktober. Ziel war es, mehr Paare in die Klinik zu bekommen. Yang Zhi, Leiter des Amtes für Öffentliche Gesundheit im Bezirk Wuchang, sprach gegenüber China Radio International von einem Anstieg der Klinikbesucher nach Einführung des kostenlosen Tests um das Zehnfache. Der Erfolg sprach sich dann auch in ganz China herum. Fast über Nacht wurde der kleine Bezirk mit Lob und Anerkennung überschüttet. Yang Zhi überschlug die Kosten für das neue System und überbrachte anderen Regierungen die gute Nachricht.

Im Vorjahr heirateten 4.500 Paare. Sollten sich alle für eine Untersuchung entscheiden, würde die Regierung Ausgaben in Höhe von 800.000 Yuan (ca. 100.000 USD) zu verzeichnen haben, für jedes Paar demnach weniger als 200 Yuan, so Yang. Diese Summe könnten die meisten lokalen Regierungen in China mühelos aufbringen.

Für Yang Zhi sind jedoch 20 Prozent Klinikbesucher zur Durchführung der kostenlosen Tests noch immer zu wenig. In diesem Zusammenhang stellte er die Frage nach der Verantwortlichkeit der Einholung korrekter Daten über die öffentliche Gesundheit und nach der Ergreifung weiterer notwendiger Maßnahmen. Neben dem Vorschlag, diesen kostenlosen Service auch in anderen Landesteilen anzubieten, schlägt Yang Zhi die Fokussierung auf die Aufklärung und Weiterbildung der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Wichtigkeit vorehelicher Gesundheitsuntersuchungen vor.

Trotz Lockerung der Bestimmungen und Respektierung der persönlichen Entscheidung sei sich die Öffentlichkeit offensichtlich nicht im klaren darüber, dass sie sich selbst und ihre Ehemänner, Ehefrauen und Kinder schützen müsse. Eine Menge müsse dafür getan werden, die Öffentlichkeit über die Wichtigkeit der Untersuchungen aufzuklären.

Um dieses Zieles zu erreichen sei Zeit erforderlich. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr lokale Gemeinden diesen kostenlosen Service anbieten, ist Yang Zhi überzeugt, dass nachhaltige Maßnahmen von Seiten der Zentral- und Lokalregierungen die Öffentlichkeit schon bald positiv beeinflussen werden.

(CRI/Übersetzt von China.org.cn, 11. Januar 2005)