Wider die akademische Korruption

Könne die akademische Korruption in China nicht eingedämmt werden, würden die wissenschaftliche und technologische Entwicklung des Landes um 20 Jahre verzögert, warnt der weltberühmte Mathematiker Yau Shing Tung.

Yau kritisierte in einem Interview mit einer Beijinger Zeitung den weit verbreiteten Diebstahl geistigen Eigentums unter chinesischen Akademikern. Yau ist der einzige chinesisch amerikanische Gewinner der Field Medal.

Es sei entscheidend, die Qualität der wissenschaftlichen Forschung und die akademische Ethik in China zu verbessern, sagt Yau.

Yau ist Professor an der Harvard Universität. Er hat viele Kontakte mit chinesischen Studenten und Wissenschaftlern und beobachtet die Ausbildung von Mathematikern in China genau.

Yau meint, dass einige Abschlussarbeiten von Mitgliedern der chinesischen Akademie der Wissenschaften noch nicht einmal auf dem Niveau von Arbeiten von Harvard Studenten vor ihrem Abschluss sind.

Viele Professoren an chinesischen Universitäten loben die Quantität einer Arbeit aber beachten nicht ihren Forschungswert. Sie halten sogar talentierte Studenten von unabhängiger Forschung ab, indem sie sie zum Schreiben ihrer eigenen Artikel heranziehen, sagt Yau. Durchbrüche und Kreativität führen außerdem oft zu Neid und Benachteiligungen.

Yau erzählt von einem seiner chinesischen Studenten in Harvard, der den Artikel eines Professors plagiierte. Nachdem der Student nach China zurückgekehrt war, wurde er Mitglied der chinesischen Akademie der Wissenschaften und mit der Betreuung einer wissenschaftlichen Stiftung beauftragt. Sein Gehalt lag 20 Mal höher als das anderer junger Wissenschaftler, obwohl seine Fachkenntnis dem überhaupt nicht entsprach.

Yau sagt, dass die Mathematik in China nahe der Weltspitze lag, bevor viele Akademiker in der Kulturrevolution in den 1960er Jahren den ideologischen Säuberungen zum Opfer fielen.

Mit der schnellen wirtschaftliche Entwicklung im heutigen China, sollten von den Akademikern bessere Leistungen erzielt werden, meint Yau. "Chinesische Studenten sind talentiert. Sie können große Leistungen vollbringen, wenn sie von guten Lehrern angeleitet werden und in einer gesunden akademischen Umgebung forschen können."

Der Diebstahl geistigen Eigentums ist eine chronische Krankheit unter chinesischen Akademikern. In den vergangenen Jahren wurden eine Reihe solcher Fälle, an denen auch bekannte Wissenschaftler beteiligt waren, aufgedeckt.

Einige Experten sehen in dem mangelhaften chinesischen Bewertungssystem, das sehr stark Wert auf die Anzahl der Bücher und Artikel die ein Wissenschaftler veröffentlicht legt, die Wurzel für die akademische Unterlegenheit des Landes.

China hat im vergangenen Jahr einen Versuch zur Bekämpfung der akademischen Korruption gestartet, dessen Wirkung aber noch abzuwarten ist. Das Bildungsministerium hat 2004 neue Kriterien für Veröffentlichungen im Bereich Philosophie und Sozialwissenschaften herausgegeben. Diese Bestimmungen werden als die erste "Satzung" in der chinesischen akademischen Welt bezeichnet. Sie verbieten den Diebstahl geistigen Eigentums, fördern Forschung auf hohem Niveau und verlangen von den Akademikern rechtliche Verantwortung auf sich zu nehmen.

(China.org.cn, Xinhua, 24. August 2005)