Home>Auswärtige Beziehungen Schriftgröße: klein mittel groß

Deutscher Sinologe: Westliche Presse hat Chinesen auf die Seite ihrer Regierung gebracht

german.china.org.cn          Datum: 24. 04. 2008

Druckversion | Artikel versenden | Kommentar | Leserbrief | zu Favoriten hinzufügen | Korrektur

Der deutsche Professor der Sinologie an der Universität Bonn Wolfgang Kubin hat in einem Interview von Deutschlandradio am Dienstag die Berichterstattung der westlichen Medien über China kritisiert.

Deutschlandradio: Viele chinesische Demonstranten protestierten in Deutschland, vor allem gegen ein falsches Chinabild in den westlichen Medien. Es hieß, die Medien würden über China Lügen verbreiten. Was ist das denn genau, was die Chinesen als "unfair" oder "unwahr" wahrnehmen?

Kubin: Die chinesische Seite ist der Auffassung, dass die deutsche Seite nur ein ganz bestimmtes Chinabild zum Ausdruck bringen möchte, weil sie anscheinend einen Bösewicht braucht, den sie gegen eine andere Seite ausspielt, nämlich gegen die tibetische Seite, die eben als heilig und unantastbar hingestellt wird.

Zunächst müssen wir diese Sache emotional herunterspielen, weil die Diskussion derzeit völlig überhitzt ist. Man kann nicht, wie die chinesische Seite annimmt, davon ausgehen, dass es ein einheitliches China- oder Tibetbild des gesamten Westens gibt. Die Berichterstattung der deutschen Medien ist auch völlig unterschiedlich. Auf der einen Seite gibt es eine sehr seriöse Berichterstattung, und auf der anderen Seite sieht man tatsächlich eine sehr einseitige Berichterstattung, die bestimmte Informationen unterschlägt oder bestimmte Informationen forciert, die teilweise auch mit Informationen handelt, die aus wenig nachprüfbaren Quellen stammen.

Deutschlandradio: Haben Sie Beispiele für die Berichterstattung in Deutschland?

Kubin: Ja, wir hatten bei einigen Medien, die ich hier nicht weiter nennen möchte, Bilder vermittelt bekommen, die nicht aus China stammten, sondern aus Nepal. Wir haben Bilder bekommen, wo Krankenwagen abgebildet worden sind, die dann im Untertext als Polizeiwagen aufgeführt worden sind. Man kann natürlich im zweiten Falle nur die Berichterstattung gerecht gestalten, wenn man überhaupt Chinesisch kann. Und manche sind eben des Chinesischen nicht kundig und sind deswegen nicht in der Lage, Bilder gerecht und ruhig zu beurteilen.

Deutschlandradio: Dann haben die Demonstranten nicht ganz unrecht gehabt. Was waren denn das überhaupt für Demonstranten, die in Berlin, in Paris, in den USA für China demonstriert haben?

Kubin: Das Verwunderliche und Überraschende ist ja, dass es der westlichen Presse, ich verallgemeinere jetzt einmal, gelungen ist, etwas zu schaffen, was die chinesische Regierung über viele Jahre nicht erreicht hat, nämlich die Chinesen auf ihre Seite zu bringen.

Deutschlandradio: Das heißt, wir haben den Nationalstolz, oder was ist das, verletzt dieser Menschen, die dort auf die Straße gegangen sind?

Kubin: Ja, diejenigen, die auf die Straße gegangen sind, zumindest im Westen, sind oft Studenten, Dozenten, Professoren, die nicht vom chinesischen Staat geschickt worden sein müssen, die überwiegend eingeladen worden sind von der deutschen Seite oder die sich selber finanziert haben.

Quelle: huanqiu.com

Druckversion | Artikel versenden | Kommentar | Leserbrief | zu Favoriten hinzufügen | Korrektur

Weitere Berichte zum Thema
-Der Westen soll die Reform Chinas unterstützen, aber China nicht dämonisieren
-Deutscher Gelehrter über Unruhen in Lhasa
Kommentar schreiben
Kommentar
Ihr Name
 
Kommentare
Keine Kommentare.
mehr