Opern in China (Teil VIII): Zhao Shuangwu und das „Heim der Pekingoper-Fans“(3)
In den letzten beiden Folgen stellten wir Ihnen bereits Zhao Shuangwu und die von ihm gegründete Organisation „Heim der Pekingoper-Fans“ vor. Dies ist der letzte Beitrag zu Zhao und seiner Organisation.


Heimbühne


Seine Familie habe schon oft gemeinsam Pekingopern aufgeführt. „Piaoyou“ aus der ganzen Stadt seien zu ihm nach Hause gekommen und hätten an den Aufführungen teilgenommen, erzählt Zhao Shuangwu.

An etlichen Abenden hätte sich schon ein Dutzend Pekingoper-Liebhaber im Haus der Zhaos gedrängt und nach dem Ende des Liederabends Schlange stehen müssen, um das Haus wieder zu verlassen.

Dies habe sie zu der Überlegung veranlasst, ein „Heim“ für Pekingoper-Fans zu gründen, denn es gab nur wenige Plätze in Beijing, wo „Piaoyou“ hätten auftreten können, sagt Zhao Shuangwu.

Die großen Theater in der Stadt würden oft bloß die Teile von Pekingopern aufführen, in denen der Affenkönig die Hauptrolle spiele, um so ausländische Besucher zu unterhalten. Sie würden das nicht mögen und sie wollten etwas, dass sie mögen, so Zhao.

1991 mietete das Paar gemeinsam mit Xi Yanqi, einem berühmten Beijinger „Piaoyou“, ein Haus am Shichahai-See im Zentrum von Beijing und gründete das „Heim der Pekingoper Fans“. An den Wochenenden kammen dutzende, manchmal hunderte von Fans, lernten und trugen Opern vor.

Ein Jahr später musste das „Heim“ umziehen, da es offensichtlich nicht genug Geld einbrachte, um die Miete zahlen zu können. Nach mehreren Umzügen entschloß sich Zhao Shuangwu 1997, jeden Samstagnachmittag das Zhengyici Theater zu mieten.

Es sei der Traum eines jeden Fans, einmal auf der alten Bühne des Zhengyici zu stehen, sagt Zhao.

Jeden Samstagnachmittag werden professionelle Orchester eingeladen, um die „Piaoyou“ zu begleiten. Berühmte Operndarsteller und –darstellerinnen kommen um aufzutreten und zu unterrichten, sagt Ma Yuhong, eine Filmschauspielerin und Pekingoperliebhaberin, die auf freiwilliger Basis für das „Heim“ arbeitet.

Sie würden hier freiwillig vortragen, erklärt Liu Shanli, eine berühmte Darstellerin der Beijinger Pekingoper Gruppe. Es sei sehr schwierig für Sänger, derart professionelle Fans zu finden. Sie seien sowohl mit der Oper als auch mit den unterschiedlichen Stilen der Sänger vertraut und seien in der Lage, auf Schwächen hinzuweisen und Verbesserungen zu empfehlen.

Zhao Shuangwu muss jede Woche rund 850 Yuan (102 USD) für diese Wochenendaktivität aufwenden, die Einnahmen aus dem Verkauf der billigen Eintrittskarten liegen aber oft bei unter 500 Yuan (60 USD). Den Fehlbetrag finanziert Zhao von seinen 1.500 Yuan (180 USD) Rente, die fast vollständig in die Finanzierung des „Heims“ fließen.

Die meisten der Fans seien Rentner. Viele von ihnen hätten noch weniger Einkommen als er und seine Frau. Sie könnten nicht erwarten, mit ihnen Geld zu verdienen, sagt Zhao Lan.

Viele Fans würden sie unterstützen. Sie seien zufrieden mit dem einfachen Leben, das sie führen und sie könnten ihren Lebensunterhalt finanzieren, erklärt sie.

Zhao Shuangwu fügt hinzu, man müsse in seinem Leben jemanden mit den gleichen Interessen finden. Seine Frau unterstütze ihn sogar, wenn er immer wieder Geld verliere.

(Der folgende Beitrag aus unserer Reihe zu Opern in China beschäftigt sich mit der Frage, ob Männer die Frauenrollen spielen noch zeitgemäß sind. Dieser Text wurde von uns schon einmal veröffentlicht, wir nehmen ihn aber aus Anlaß unserer Reihe über Opern in China und auf Grund seiner nach wie vor bestehenden Aktualität noch einmal auf. Der Beitrag erscheint am Dienstag, den 17. Juni 2003.)

(China Daily/Übersetzt von China.org., 12. Juni 2003)