| Opern in China (Teil X): Pekingoper - Die Dan-Rolle |
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Nachdem wir im letzten Beitrag die Kontroverse um die Dan-Rolle darstellten, geben wir in diesem Artikel einen kurzen Überblick über die Dan-Rolle an sich. Der preisgekrönte Film „Lebewohl meine kleine Konkubine“ von Chen Kaige, weckte im Ausland das Interesse an der Pekingoper und besonders an der Dan-Rolle, der von Männern gespielten weiblichen Rolle. Das Wort „Dan“ bezeichnet in der Pekingoper alle weiblichen Rollen. Früher bedeutete das Wort „Frauenimitator“. Im alten China war es Frauen und Männern verboten, gemeinsam auf der selben Bühne aufzutreten. Daher wurden junge Männer im Spielen weiblicher Rollen unterrichtet. Ähnlich dem klassischen griechischen Drama, dem elisabethianischen Theater oder dem japanischen Kabuki, in denen auch nur Männern der Auftritt in der Öffentlichkeit erlaubt war. Schauspielerinnen wurden als unsittlich angesehen. Im alten China wurden Schauspieler generell von der Gesellschaft verachtet, daher hätten nur Wenige ihren Töchtern erlaubt, diese Kunst zu erlernen. Außerdem wären viele der Schauspielerinnen nicht lange beim Theater geblieben, da eine Schauspielerin, wenn sie gut aussah, bald einen reichen Mann als Konkubine geheiratet hätte. Ihre Karriere als Opernsängerin wäre also sehr kurz gewesen, erklärt Li Bingsu, ein Pekingopernsänger der Shanghaier Pekingoper-Truppe. Dies sei der Grund, warum Männer in Frauenrollen vor der Gründung des neuen China so populär gewesen seien. Die Dan-Rollen Der Begriff „Dan“ ist eine Sammelbezeichnung für fünf Arten weiblicher Rollen: die Qingyi-, die Huadan-, die Caidan-, die Laodan- und die Wudan-Rolle. Die Qingyi-Rolle represäntiert die gute Matrone, die treue Ehefrau oder die kindliche Tochter, wie z.B. die Penelope in Homers „Odysee“ oder die Miranda in Shakespeares „Sturm“. In dieser Rolle liegt die Betonung auf dem Gesang. Kampfkunst oder Akrobatik werden nicht verlangt. Charakteristische Bewegungen erklären oft genau den Typus einer Rolle. Die Qingyi-Rolle ist die mit den genausten Bewegungen. Ihre Fußtritte sind gleichmäßig und vorsichtig und ihre Füße werden nahe am Boden gehalten. Ihre Hände befinden sich immer in einer anmutigen und würdevollen Position und überkreuzen sich oft. Mei Lanfang, einer der prominentesten Meister der Pekingoper in der Qingyi-Rolle, fügte dieser Rolle große Schönheit hinzu. Er sei die „Essenz der Schönheit“, kommentierte ein Kunstkritiker Meis Spiel in den 1930ern. Am berühmtesten wurde er mit Rollen in den Stücken „Lebewohl meine kleine Konkubine“, „Die betrunkene Schönheit“ und „Die Fee verstreut Blumen“. Mei Lanfang schuf auch selber viele neue Stücke und führte Reformen und Neuerungen in Makeup und Kostümen ein. Die Huadan-Rolle (Blumen-Rolle), repräsentiert eine lebhafte Jungfrau oder eine Frau von fragwürdigem Charakter. Bei ihr liegt die Betonung auf dem Schauspielerischen. Am bezaubernsten ist die leichte Anmut, mit der sie die Bühne betritt, die linke Hand auf der Hüfte und in der rechten Hand ein rotes Taschentuch. All ihre Bewegungen vibrieren vor Leben, von dem zweideutigen Glanz ihrer Augen bis zum Drehen ihres Kopfes. Xun Huisheng, einer der vier berühmtesten Dan-Spieler, war am bekanntesten für sein Spiel in dieser Rolle, eingeschlossen You Sanjie im „Traum der roten Kammer“. Die Caidan-Rolle ähnelt der Huadan in ihrer Lebhaftigkeit, aber sie ist auch komisch, schlicht und abscheulich. Ihre langen Schritte sind voller Energie und ihre Augen rollen in diabolischer Boshaftigkeit. Die Wudan-Rolle ist stark, schön und pulsierend mit Tatkraft. Sie muß in den Kampf ziehen und schwierige akrobatische Kunststücke vollbringen. Ihre Augen sind hell und scharf. Die Laodan-Rolle stellt eine alte Frau dar. Sie ist die realistischste der Dan-Rollen. Mit gesenktem Haupt und gebeugten Schultern wankt sie über die Bühne. Manchmal hat sie zur Unterstützung Begleitung dabei. Sie ist sanft und mütterlich. Ihre Augen haben den müden Ausdruck des hohen Alters. Der Gesang der Qingyi-Rolle ist klar und „pointiert“, mit einer Tendenz eher ruhig als stark zu sein. Der Gesang der Laodan-Rolle ist gleichmäßig, voll und folgt dem Muster der Stimme einer alten Frau. Die Huadan-Rolle beruht mehr auf schauspielerischen Qualitäten und hat oft nur eine durchschnittliche Stimme, obwohl es nicht wenige Huadan-Sänger gibt, die eine gute Stimme haben. Es gibt nicht mehr viele professionelle Dan-Sänger, da seit 1949 vom Erlernen dieser Kunst abgeraten wurde. Heutzutage werden weibliche Rollen meist von Frauen gespielt, wenn auch noch gelegentlich Frauenimitatoren wie z.B. Zhang Junqiu und Mei Baojiu, der jüngste Sohn Mai Lanfangs, auf der Bühne erscheinen. Wen Ruhua, ein in Beijing lebender Dan-Darsteller, dadurch bekannt geworden, dass er dem kürzlich verstorbenen Schauspieler Leslie Cheung in dem Film „Lebewohl meine kleine Konkubine“ seine Stimme lieh, gilt als der letzte professionelle Dan-Sänger. Allerdings gibt es noch einige „Piaoyou“, Pekingoper-Amateure, die zum eigenen Vergnügen die Dan-Rolle lernen. Es ist ausgesprochen schwierig für einen Mann, eine weibliche Rolle auf der Bühne perfekt zu spielen. Aus diesem Grund konnte eine Pekingopergruppe im alten China, ohne einen bekannten Dan-Sänger, nur schwer im Geschäft bleiben. An den Dan-Darstellern kann man sehen, dass eine künstliche Schönheit schöner als eine geborene Schönheit sein kann und dass ein Mann manchmal besser eine Frau darstellt als eine Frau. (Im nächsten Beitrag aus unserer Reihe zu Opern in China stellen wir die Chinesische Opernhochschule vor. Der Beitrag erscheint am Dienstag, den 24. Juni 2003.) (China.org.cn, 19. Juni 2003) |


