| Opern in China (Teil XII): Die Beijinger Opernhäuser von Gestern und Heute (1) |
![]() In einer Abänderung unserer Reihe zu Opern in China veröffentlichen wir heute den ersten Teil eines Beitrags über die Beijinger Opernhäuser in Geschichte und Gegenwart. Der angekündigte Text über das Beijinger Museum für traditionelle chinesische Oper wird am kommenden Donnerstag erscheinen. Opernhäuser hießen früher auf Chinesisch “Chayuan“, Teegarten, weil man damals beim Teetrinken kostenlos Opern anhören konnte. Später wurden Opernhäuser auch “Xiyuan“, Operngarten, oder “Xiguanzi“, Opernrestaurant, genannt. Der Begriff “Xiyuan“, Opernhaus (Schriftzeichen und Aussprache des „yuan“ in Operngarten und des „yuan“ in Opernhaus sind unterschiedlich; die Red.), etablierte sich erst um das Jahr 1912. Anstelle von Plakaten oder gedruckten Programmen wurden früher vor der Aufführung verschiedene Requisiten des aufzuführenden Stückes vor dem Opernhaus ausgestellt. Dadurch wussten die Zuschauer, welches Stück aktuell auf dem Programm stand. Die Opernhäuser selbst waren eher schlicht ausgestattet: In der Mitte des Hauses standen schmale Tische mit langen Bänken, so dass die Gäste beim Operngenuss auch Tee trinken und dazu einige Kleinigkeiten essen konnten. Eine weitere Besonderheit: Anders als beispielsweise in der klassischen europäischen Oper war es während der Aufführungen nicht eben sonderlich ruhig. Die Zuschauer in der Mitte oder in den Logen im 1. Stock wurden ständig mit Getränken, Imbissen oder warmen Handtüchern versorgt. Manchmal wurde auch ein Handtuch von einem Kellner im Erdgeschoss nach oben geworfen, damit sein Kollege im 1. Stock die Zuschauer angemessen bedienen konnte. Die Kellner zeigten bei derartigen Aktionen großes akrobatisches Geschick – und für die meisten Zuschauer war dies genauso faszinierend wie die Oper selbst. Allerdings waren damals die Eintrittskarten nicht gerade billig. Die Plätze mit schmalen Bänken an den beiden Seiten im Erdgeschoss wurden zwar normalerweise zu niedrigeren Preisen verkauft, trotzdem waren Opernbesuche früher für die normalen, ärmeren Leute kein Thema. Sie waren schlichtweg zu teuer. Früher konzentrierten sich die Beijinger Opernhäuser hauptsächlich auf einer Straße südlich des Qianmen-Tors, dem alten südlichen Stadttor. Ein Beispiel dafür ist das Guanghelou-Opernhaus, das an der östlichen Seite dieser Straße liegt. Der im 17. Jahrhundert entstandene Bau gehörte ursprünglich zum Privatgarten eines Salzhändlers. Später wurde er zu einem Teehaus umgebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete man dort schließlich offiziell ein Opernhaus – zugleich die Wiege und spätere Stammbühne der ersten Peking-Oper-Schule, der „Fuliancheng“. Nach 1914 wurden die Bänke und Tische im Guanghelou-Opernhaus durch lange Sessel ersetzt. An der Rückseite jedes Sessels war ein Holzbrett mit Rahmen montiert, das als Tisch diente. So konnten die Zuschauer beim Anschauen der Opern weiterhin ihren Tee genießen. Die Plätze in chinesischen Opernhäusern waren sehr lange nach Geschlechtern aufgeteilt – auch im Guanghelou-Opernhaus: Erst von 1919 an bröckelte das Prinzip der Platztrennung zwischen Frauen und Männern. Richtig zusammensitzen durften sie aber erst nach 1931. In dem gründlich renovierten und zugleich modernisierten Guanghelou-Opernhaus werden auch heute noch regelmäßig Peking-Opern aufgeführt. Spuren der zweihundertjährigen Peking-Oper-Geschichte sind vor Ort allerdings kaum noch zu finden. Nur die kleine Gasse vom Opernhaus zur Hauptstraße erinnert noch an die alten Zeiten. (Am kommenden Dienstag, den 1. Juli 2003, erscheint der 2. Teil unseres Beitrags zu Opernhäusern in Beijing in Geschichte und Gegenwart.) (China Radio International/China.org.cn, 26. Juni 2003) |



