Opern in China (Teil XVIII): Die Kunqu-Oper (2)

Im Rahmen unserer Reihe über Opern in China lesen Sie heute den zweiten Teil unseres Beitrags über Entwicklung und Geschichte der Kunqu-Oper. Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Niedergang der Kunqu-Oper.

 

Der allmähliche Niedergang

 

Im Laufe der Zeit erlebte die Kunqu-Oper ihren Niedergang. Die äußeren Ursachen waren soziale Veränderungen, Dynastienwechsel und die wirtschaftliche Entwicklung. Es gab aber auch hausgemachte Ursachen. Von der späteren Ming-Dynastie (1364-1644) an wurde die Kunqu-Oper oft im Kaiserhof oder bei einflussreichen Familien aufgeführt, so dass sie sich immer mehr vom Volk und dem realen Leben loslöste. Sie tendierte mehr und mehr zum Formalismus. In der Mitte der Qing-Dynastie (1644-1911) begann der Niedergang der Kunqu-Oper.

Die Ci-Gedichte (Liedertexte) der Kunqu-Oper waren erlesen und fein, für spätere Generationen aber schwer zu verstehen. Die Singweise war weich und taktvoll, wurde im Laufe der Zeit aber immer langsamer. Diese sorgfältige Singweise war außer von den Stammbesuchern und Liebhabern für die meisten Menschen nur schwer zu genießen. Außerdem wurde der Themenumfang der Kunqu-Oper immer kleiner und manche Dramen waren so lang, dass sie in mehr als 50 Akten aufgeführt werden mussten. Ihre Entwicklung und Popularisierung wurde dadurch immer stärker eingeschränkt. Der Kampf zwischen „Huabu“ und „Yabu“, der sich im späteren 18. Jahrhundert ereignete, beschleunigte den Niedergang der Kunqu-Oper.

„Huabu“ bezeichnet die in den ersten Jahren der Qing-Dynastie entstandenen lokalen Opern und Melodien, wie die Jingqiang-Oper, die Qinqiang-Oper, die Bangzi-Melodie und die Erhuang-Melodie. Anders als die „Yabu“ (die Kunshan-Oper) war die „Huabu“ volksnah. Ihre Musik war lokal geprägt und der Inhalt ihrer Dramen war dem Leben des Volkes entnommen.

Eine Wende trat im Jahr 1790 ein, als eine „Huabu“-Schauspieltruppe aus Anhui zu einer Aufführung nach Beijing kam. Sie erzielte mit der Erhuang-Melodie, die beim Volk großen Anklang fand, einen Durchbruch. So kam ein Anhui-Ensemble nach dem anderen nach Beijing, bis die „Yabu“ sozusagen fast völlig in den Hintergrund gespielt war.

Die Konkurrenz zwischen „Huabu“ und „Yabu“ führte zu einem gegenseitigen Austausch, so dass die Vorzüge der einen die Mängel der anderen wettmachten. Durch Übernahme der Vorzüge beider entstand eine neue Darstellungsform – die Pekingoper.

 

Die Kunqu-Oper nach ihrem Niedergang

 

Die Pekingoper übernahm ihre Singweise vor allem aus der Anhui- und der Han-Oper, aber auch aus der Kunqu-Oper. Die Darstellungsform der Pekingoper stammt dagegen hauptsächlich aus der Kunqu-Oper. Ein Teil der besten Stücke der Kunqu-Oper wurde ins Repertoire der Pekingoper aufgenommen. Interessant ist, dass dasselbe Theaterstück sowohl in der Kunqu- als auch in der Pekingoper aufgeführt werden konnte. Zur Ausbildung eines Pekingoper-Darstellers gehören als Grundlage Kenntnisse der Kunqu-Oper. Ein hervorragender Pekingoper-Darsteller kann eine Rolle nicht nur in der Familien- und Kriegs-Pekingoper, sondern auch in der Kunqu-Oper und den anderen Lokalopern spielen. Tan Xinpei, Mei Lanfang und andere Meister der Pekingoper haben dieses Niveau erreicht.

Trotz der Niederlage der „Yabu“ blieb die Kunqu-Oper als elitäre Kunst erhalten und findet in ihrer Heimat Suzhou auch beim Volk noch großen Beifall. Bis heute studieren viele Intellektuelle die Kunst der Kunqu-Oper.

Die Kunqu-Oper wird als „Meister anderer Opern“ oder auch „Vorbild der hundert Opern“ bezeichnet. Die Künstler der Kunqu-Oper, die sich nach deren Niedergang in verschiedene Landesteile zerstreuten, pflegten immer noch gewissenhaft die Kunst der Kunqu-Oper und überlieferten sie von Generation zu Generation.

Künstler aus dem kaiserlichen Hof und den Residenzen des Hochadels gingen in der Provinz Hebei auf Tournee und kombinierten dabei die Kunqu-Oper mit den lokalen Volkskünsten und schufen damit eine neue Schule der Kunqu-Oper, die frei und unbefangen ist. Sie wird die Nördliche Kunqu-Oper genannt. Seitdem unterscheidet man die Südliche von der Nördlichen Kunqu-Oper.

(In unserem nächsten Beitrag über die Kunqu-Oper geht es um die Entwicklung der Oper in der VR China, ihre Inhalte und Darstellungsformen. Der Beitrag erscheint am Dienstag, den 22. Juli 2003.)

 

(China Heute/China.org.cn, 17. Juli 2003)