Opern in China (Teil XXI): Zhu Jiajin - Sein Herz schlägt für die Kunqu-Oper

In der heutigen Folge unserer Serie zu Opern in China stellen wir Ihnen Zhu Jiajin vor, den Ehrenvorsitzenden der Beijinger Studiengesellschaft für die Kunqu-Oper. In dem Beitrag geht es unter anderem um die Perspektiven der Kunqu-Oper.

Es freut Zhu Jiajin sehr, dass die Kunqu-Oper von der UNESCO in die Liste der Werke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurde. Herr Zhu ist Ehrenvorsitzender der Beijinger Studiengesellschaft für die Kunqu-Oper. Schon im Alter von 13 Jahren trat er als Kunqu-Operndarsteller auf. Obwohl er seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts beim Palastmuseum als Forscher arbeitete, hängt sein Herz doch immer an der Kunqu-Oper. Noch heute beteiligt er sich im hohen Alter von 87 Jahren an Aufführungen.

Die Kunqu-Oper sei würdig, so Zhu, als ein Erbe der Menschheit betrachtet zu werden. Viele Dramen der Kunqu-Oper wie „Dou E, Opfer eines Justizirrtums“ und „Der Päonien-Pavillon“ seien Klassiker der Weltliteratur. Die Kunqu-Oper biete zudem ein reiches Repertoire an Ci-Gedichten und Qu-Melodien. Allein im in der Qing-Dynastie entstandenen Buch „Jiugong Dacheng“ („Große Sammlungen aus neun Palästen“) sind über 10.000 Qu-Melodien festgehalten.

Dass die Kunqu-Oper in die Liste des Erbes der Menschheit aufgenommen wurde, bedeute aber auch, so Zhu, dass sie von der Gefahr auszusterben, bedroht sei. Es sei eine historische Gesetzmäßigkeit, dass jede Kunstform einen Prozess von der Entstehung über die Entwicklung und Blüte bis zum Niedergang durchmache. Sie müsse aber nicht unbedingt von der historischen Bühne abtreten. Für die Kunqu-Oper sei es wichtig, zuerst die traditionellen Theaterstücke zu übernehmen. Dabei müsse man moderne Techniken wie Ton- und Videoaufnahmen, CD, VCD usw. nutzen. So könne man wertvolle Informationen über die Kunqu-Oper retten, die später einmal eventuell seltene Schätze sein werden.

Zhu Jiajin ist der Meinung, es sei nicht so schlimm, dass die Kunqu-Oper eine Kunst im Museum werde, furchtbar sei es jedoch, dass es gar nichts von ihr in Museen gibt.

Der berühmte Kunqu-Darsteller He Jinhai aus der Chinesischen Hochschule für traditionelle Opern kann ein Dutzend Kunqu-Kriegstheaterstücke spielen. Junge Kunqu-Oper-Darsteller müssten so schnell wie möglich von ihm lernen, sonst könnte seine Darstellungskunst verloren gehen.

Zhu Jiajin betont, dass man ein anderes Problem nicht übersehen sollte: Die Kunqu-Oper habe sich zu lange vom Volk gelöst. Viele Jugendliche könnten sie gar nicht schätzen lernen, weil sie noch nie eine Aufführung der Kunqu-Oper gesehen haben.

Seine Tochter sei dafür ein gutes Beispiel: In ihrer Kindheit und Jugend ging sie immer nur ins Kino, niemals ins Theater. Anfang der 80er Jahre sah sie zum ersten Mal eine Kunqu-Oper, weil ihr Vater bei einer Aufführung auftrat. Es erstaunte sie, dass es bei der Kunqu-Oper poetische Ci-Gedichte gibt. Und die Darstellungskunst, besonders die schöne Singweise und die akrobatischen Kampfszenen, zog sie so sehr an, dass sie sich für die Kunqu-Oper begeisterte. Zhu Jiajin sagt, dass die Kunqu-Oper eine Anzahl neuer Zuschauer, darunter viele Studenten, auf diese Weise gewonnen habe. Deshalb weist er darauf hin, dass eine gute Darstellungsform, ausgezeichnete Darsteller und bewegende Theaterstücke den Schlüssel für die Gewinnung der Zuschauer bilden.

Man darf andere nicht zwingen, eine Kunst zu genießen. Aber gute Schauspieler können die Zuschauer erobern und die Förderung des Nachwuchses kann der Kunqu-Oper auch beim Publikum jenen Stellenwert wiedergeben, für den sie von der UNESCO ausgezeichnet wurde.

(Auch der nächste Beitrag beschäftigt sich mit den Folgen des Niedergangs der Kunqu-Oper. Er beschreibt unter anderem das Problem, geeignete Lehrer für diese besondere Form der chinesischen Oper zu finden. Der Beitrag erscheint am Donnerstag, den 31. Juli 2003.)

(China Heute/China.org.cn, 29. Juli 2003)