Opern in China (Teil XXII): Kunqu-Opernlehrer gesucht

Aus technischen Gründen mussten wir die eigentlich für den 31. Juli vorgesehene Veröffentlichung dieses Beitrags verschieben. Lesen Sie daher heute über einen weiteren mit dem Niedergang der Kunqu-Oper verbundenen Aspekt: das Problem, geeignete Lehrer zu finden.

Die führenden sechs Kunqu-Operngruppen Chinas haben beschlossen, gemeinsam nach qualifizierten Lehrern zu suchen, um die Kunqu-Oper zu fördern.

Cai Zhengren, Leiter der Shanghaier Kunqu-Operngruppe meint, dass man durch eine landesweite Erhebung herausfinden müsse, wieviele Schauspieler es gebe, wieviele von ihnen gute Lehrer seien und wieviele Kunqu-Opernstücke jeder von ihnen beherrsche. Nur wenn man all dies wisse, sei es möglich, anspruchsvollen Unterricht anzubieten und diese alte Kunst besser zu schützen, zu erneuern und weiterzuentwickeln.

Gute Schauspieler seien nicht unbedingt auch gute Lehrer und gute Lehrer seien nicht zwingend gute Darsteller. Man brauche daher einerseits bekannte Schauspieler um Studenten anzuziehen, andererseits aber auch herausragende Lehrer, egal ob sie bekannt sein oder nicht, so Cai. Daher müsse man eine gründliche Erhebung durchführen, um gute Lehrer zu finden.

Die sechs Kunqu-Operngruppen sind die „Kunqu-Operngruppe des Nordens“ in Beijing, die „Shanghaier Kunqu-Operngruppe“, die Suzhouer Kunqu-Operngruppe aus der gleichnamigen Stadt, die „Jiangsuer Kunqu-Operngruppe“ der Provinz Jiangsu, die „Hunaner Kunqu-Operngruppe“ der Provinz Hunan und die „Zhejianger Kunqu-Operngruppe“ der Provinz Zhejiang.

Cai Shaohua, Leiter der Suzhouer Gruppe, sagt, die Lehrer würden eingeladen, Kurse nicht nur für Studenten sondern auch für andere Kunqu-Operndarsteller anzubieten. Die künstlerischen Leiter der sechs Gruppen und Beamte des Ministeriums für Kultur hoffen, nachdem sie die besten Lehrer und die wertvollsten Stücke ausgewählt haben, schon im Herbst nationale Unterrichtseinheiten durchführen zu können. Zur Evaluation des Unterrichts, wird im kommenden Jahr vrmutlich ein Wettbewerb durchgeführt werden.

Die Kunqu-Oper geht zurück auf die späte Yuan-Dynastie (1279-1368) und die frühe Ming-Dynastie (1368-1644). Sie entstand in Kunshan, das heute als Suzhou bekannt ist und in der ostchinesischen Provinz Jiangsu liegt. Sie ist eine der ältesten Opernarten Chinas und ist tief in der traditionellen chinesischen Kultur verwurzelt. Die Kunqu-Oper gilt als die „Mutter“ aller traditionellen chinesischen Opern und nimmt in der Geschichte des Dramas, der Literatur und der Musik einen wichtigen Platz ein.

Während ihrer Hochzeit wurde die Kunqu-Oper von fast allen Menschen in Südchina geliebt und gesungen. Im 17. und 18. Jahrhundert fanden fast jeden Abend Kunqu-Opernvorführungen statt.

Die berühmtesten Kunqu-Opernstücke wurden von Tang Xianzu (1550-1616) verfasst, der als der chinesische Shakespeare gilt. Eines seiner berühmtesten Stücke ist „Päonien Pavillon“, eine einfallsreiche Liebesgeschichte, die sich einen ewigen Platz in der chinesischen kulturellen Landschaft erobert hat.

Allerdings hat die Kunqu-Oper in den letzten zweihundert Jahren einen dramatischen Niedergang erlebt. Dies sei möglicherweise dadurch zu erklären, dass sie zu elegant und zu kompliziert zu verstehen sei und den Kontakt zur Realität verloren hätte und es daher zu einem allmählichen Schwund des Publikums gekommen sei, erklärt Cai Zhengren.

Laut Cai kam es seit 1921, mit der Gründung einer berühmten Schule, zu ernsthaften Rettungsversuchen. Die Lehrer dieser Schule waren alle erfahrene Darsteller.

Nach der Gründung des neuen China 1949 wurde in Shanghai eine neue Kunqu-Opernschule gegründet, an der mehr als 10 Lehrer der alten Schule unterrichteten. Viele der heute bekannten Kunqu-Operndarsteller seien Schüler dieser Schule gewesen, so Cai.

Nachdem die UNESCO die Kunqu-Oper 2001 in die Liste des immateriellen und mündlich überlieferten Weltkulturerbes aufnahm, kündigte das Ministerium für Kultur einen 10 Jahres-Plan zur Rettung der Kunqu-Oper an. Damit wurde die Kunqu-Oper zur ersten Theaterart unter staatlichem Schutz in China.

(Im folgenden Beitrag zu Opern in China stellen wir Ihnen eine andere bedrohte Opernart vor, die tibetische Oper. Der Artikel präsentiert die neugegründete Tibetische Operngruppe und erscheint am Donnerstag, den 7. August 2003.)

(China Daily/Übersetzt von China.org.cn, 5. August 2003)