Opern in China (Teil XXIV): Das Aus für Chinas lokale Opern? (1)

Heute lesen Sie in unserer Reihe zu Opern in China den ersten Teil eines dreiteiligen Beitrags über Ursprung, Geschichte und den gegenwärtigen Niedergang der lokalen Opern in China.

Wissenschaftler die sich mit den Ethnien und der Volkskultur der westchinesischen Provinzen beschäftigen, glauben, dass diese reichen Traditionen in Gefahr sind. Mit der Modernisierung der Gesellschaft verdrängen moderne Unterhaltungsformen zunehmend die eingeborene lokale Kultur. Wissenschaftler versuchen Wege zur Bewahrung dieser Traditionen zu finden, um die kulturelle Vielfältigkeit zu erhalten. Der folgende Text ist ein Auszug aus einer Arbeit von Liu Wenfeng, einem Professor des Forschungsinstituts für lokale Opern der Chinesischen Akademie der Künste, indem er seiner Besorgnis Ausdruck gibt.

Vor einem Jahr habe ich die Landkreise Ansai und Luochuan im Norden der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi besucht um dort die lokalen Traditionen und Volkskünste zu erforschen.

Im Dorf Caozhuang in Ansai wurde ich zu einer traditionellen Hochzeitszeremonie eingeladen, die Volksmusik und von Amateuren vorgetragene Opern beinhaltete.

Hunderte von Dorfbewohnern, Männer und Frauen, alt und jung, kamen, um sich die unter offenem Himmel veranstalteten Vorführungen anzuschauen. Unter ihnen sah ich einen vier oder fünf Jahre alten Jungen, der von den Voführungen so fasziniert war, dass er mit zwei Stöcken auf den Boden schlug und die Trommelspieler nachahmte.

Der Junge erinnerte mich an meine eigene Kindheit, als ich mit meinen Eltern zu derartigen Veranstaltungen ging. Bevor die Vorführungen begannen schlich ich mich mit meinen Freunden hinter die Bühne, um zu beobachten wie sich die Darsteller ankleideten. Nachdem das Schauspiel beendet war, rannten wir nach Hause und immitierten die Darsteller auf unserer eigenen „Bühne“, dem Kang, einem aus Ziegelsteinen erbauten beheizbarem Bett, der in Nordchina weit verbreitet war. Wir spielten mit Holzschwertern und Speeren die wir selber herstellten und lösten Scherenschnitte von den Fenstern, um sie als Masken zu tragen.

Heutzutage haben die wenigsten Kinder, vorallem Stadtkinder, eine Chance lokalen Opernveranstaltungen unter freiem Himmel beizuwohnen, von der Möglichkeit das Leben hinter der Bühne zu sehen, oder die Stücke nachzuspielen mal ganz abgesehen.

Die Herausforderung durch Filme, DVDs und kommerzielle Shows führt zum Aussterben der meisten lokalen chinesischen Opern. Die Anzahl der Operngruppen, Auftritte und Anhänger geht stetig zurück.

Am kritischsten ist die Situation in den großen westchinesischen Regionen, wo die lokalen Opern ihren Ursprung haben.

Die Ursprünge der Volksopern

Das Tal des Gelben Flusses in Nordwestchina ist das Ursprungsgebiet der chinesischen Kultur und auch der Volksopern.

Von der Qin-Dynastie (221-206 v. Chr.) bis zur Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.) war Chang’an, die heutige Hauptstadt der Provinz Shaanxi, Xi’an, die Hauptstadt der chinesischen Dynastien und somit auch politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Über 1.500 Jahre lang wurden hier lokale Opern geschaffen und weiterentwickelt.

Das von Sima Qian, einem berühmten Histioriker und Gelehrten der westlichen Han-Dynastie (206 v.Chr – 24 n. Chr.) verfasste „Shi Ji“, das Buch der historischen Aufzeichnungen, berichtet über die Gesang- und Tanzveranstaltungen im Palast des legendären Kaisers Qin Shihuang. Auch der Komödiant der für den Kaiser auftrat wird erwähnt.

Das Glockenspiel, das in der Nähe des Grabes von Kaiser Qin Shihuang ausgegraben wurde, vermittelt ebenfalls einen Eindruck von den reichen musikalischen Traditionen der Region.

(Der zweite Teil dieses Beitrags erscheint am Dienstag den 19. August.)

(China Daily/Übersetzt von China.org.cn, 14. August 2003)