| Opern in China (Teil XXVII): Die Entwicklung der modernen chinesischen Oper in den vergangenen 60 Jahren |
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Im letzten Teil unserer Serie zu Opern in China geht es abschließend um die Entwicklung der modernen Oper westlicher Prägung in China in den vergangenen 60 Jahren. Die westlichen Opern entstanden Ende des 16. Jahrhunderts in Italien und haben sich von dort europaweit verbreitet. In China gab es schon in der Song- und der Yuan- Dynastie im 10. bis 12. Jahrhundert Bühnenwerke, in denen, ähnlich wie bei europäischen Opern, durch Gesang und Instrumentalmusik eine Handlung dargestellt wurde. Daraus entstanden beispielsweise die weltberühmte Peking-Oper, die Kunju-Oper und weitere lokale Opern in China. Sie gelten bis heute als die klassischen chinesischen Opern. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts fand die europäische Oper in China Einzug. In der Folge ihrer Verbreitung haben chinesische Komponisten seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts auf der Basis der chinesischen Volksmusik auch moderne chinesische Opern geschaffen. In der Anfangszeit waren der Befreiungskrieg der Kommunistischen Partei Chinas gegen das damalige Kuomingtang-Regime und die enge Verbindung zwischen der KP und dem Volk die Hauptmotive zeitgenössischer chinesischer Opern. Ein typisches Beispiel ist die 1945 komponierte Oper „Das weißhaarige Mädchen“, die bis heute zum festen Repertoire vieler chinesischer Opern-Ensembles gehört. Erzählt wird die Geschichte des Mädchens Xi’er, das vor der Unterdrückung durch einen Großgrundbesitzer ins Gebirge geflohen ist und wegen des langjährigen Höhlenlebens an Leukozytose leidt. Xi’er wird schließlich von der Volksbefreiungsarmee gerettet und ihre Krankheit – selbstverständlich - geheilt. Der Gesang der Oper basiert auf einer Mischung aus Volksweisen und Melodien der lokalen Opern aus den nordchinesischen Provinzen Shanxi, Hebei und Shaanxi. Dadurch wird eine fröhliche Stimmung erzeugt, wenn Xi’er z.B. am Silvesterabend zu Hause fröhlich auf ihren Vater wartet. Die 50er und 60er Jahre gelten als die Blütezeit der modernen Oper in China. In diesen Jahren wurde eine große Zahl von ausgezeichneten Opern geschaffen, die allesamt bis heute beim Publikum sehr beliebt sind. Ein repräsentatives Stück aus dieser Zeit ist “Rotgardisten am Honghu-See“ Das im Jahr 1959 uraufgeführte Opernwerk handelt von Rotgardisten im Gebiet rund um den Honghu-See in der zentralchinesischen Provinz Hubei, die in den 30er Jahren unter Leitung der KP gegen die Kuomintang (KMT) kämpften. Auch in dieser Oper basieren die Lieder auf Melodien aus Volksliedern und lokalen Opern der Region, um z.B. die Liebe der Gardisten zu ihrer Heimat darzustellen. Wie „Rotgardisten am Honghu-See“ haben die meisten Opern dieser Zeit hauptsächlich den Helden aus dem Befreiungskrieg (1945-1949) zum Thema. Darüber hinaus sind in dieser Periode auch einige Opern entstanden, die die Bevölkerung der nationalen Minderheiten und deren Leistungen beim Aufbau ihrer Heimat darstellen. Repräsentativ hierfür ist z.B. die Oper „Leben am Fuß der Himmlischen Berge“, in die, zur Darstellung von Leidenschaft und Tapferkeit, typische Melodien der kasachischen Nationalität im westchinesischen Uygurischen Autonomen Gebiet Xinjiang eingarbeitet wurden. Die moderne chinesische Oper erreichte in den 80er Jahren ihren zweiten Höhepunkt. Zu dieser Zeit richteten die chinesischen Opernschaffenden ihren Blick mehr und mehr auf die Charakterzeichnung. Die Liebe gehört zu den Hauptmotiven dieser Opern. Ein Beispiel dafür ist die Bühnenfassung eines bekannten Romans des berühmten chinesischen Schriftstellers Lu Xun. Das Werk „Traurig Vergehen“ erzählt die Liebestragödie zweier Studenten in den 30er Jahren. Die Hauptmelodien der Oper stammen aus einigen Liedern der 20er und 30er Jahre. Dadurch wird die melancholische Stimmung der Handlung symbolisiert, denn die beiden Hauptpersonen müssen ihre Liebe gegen den übermächtigen Druck der Verwandschaft verteidigen. Von der dramatischen Struktur bis zu den künstlerischen Ausdrucksmethoden ist diese Oper von avantgardistischer Prägung. Seit 80er Jahren wendet sich die moderne chinesische Oper auch aktuellen Themen zu. So spiegelt z.B. die Operette „Duftende Gräser“ sehr gut die damaligen aktuellen Grundtrends wieder. Schon bei der Uraufführung 1983 riss die eingängige Musik das Publikum mit. Das Lied „Ein kleines Gras“ aus dieser Operette war sofort landesweit populär und wird bis heute häufig gesungen. Mit dem reger werdenden kulturellen Austausch zwischen China und der übrigen Welt sind in den letzten Jahren zahlreiche westliche klassische Opern in China aufgeführt worden. Wodurch diese westliche Kunstgattung auch in China immer mehr Freunde findet. Dementsprechend bemühen sich chinesische Künstler, weitere neue Opern chinesischer Prägung zu schaffen, um das gegenwärtige Leben der Chinesen und deren Sehnsucht nach einer schönen Zukunft künstlerisch darzustellen. (CRI/China.org.cn, 26. August 2003) |


