Börsengang

Viele Rückkehrer für Chinas A-Aktienmarkt erwartet

23.05.2020


Das am Mittwoch vom US-Senat verabschiedete Gesetz, das von Unternehmen verlangt, zu beweisen, dass sie nicht im Besitz oder unter der Kontrolle einer ausländischen Regierung stehen, wird Experten zufolge mehr an US-Börsen notierte chinesische Unternehmen dazu veranlassen, auf Chinas A-Aktienmarkt zurückzukehren (häufig mit dem englischen Begriff „Relisting“ bezeichnet).


Der vorgeschlagene „Holding Foreign Companies Accountable Act" („Gesetz über die Rechenschaftspflicht ausländischer Unternehmen“) verlangt auch, dass in den USA börsennotierte Unternehmen ihre Bücher dem „Public Company Accounting Oversight Board" („Aufsichtsgremium für die Rechnungslegung von Aktiengesellschaften“) vorlegen - der Organisation also, die die Prüfungen von in den USA ansässigen Aktiengesellschaften überwacht. Unternehmen, die diese Anforderung drei Jahre hintereinander nicht erfüllen, würden laut dem Gesetzesentwurf von den US-Börsen ausgeschlossen.


Die grenzüberschreitende Wertpapieraufsicht und Kontrolle von chinesischen Unternehmen obliegt nach den chinesischen Gesetzen und Vorschriften jedoch der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde. In diesem Sinne stehe der US-Gesetzentwurf also im Widerspruch zu den chinesischen Gesetzen, erklärte Dong Dengxin, Direktor des Finanz- und Wertpapierinstituts an der Wuhan University of Science and Technology.


„Der Gesetzentwurf ist grundsätzlich voreingenommen. Die in den USA börsennotierten chinesischen Unternehmen könnten zu Zielen für Leerverkäufe werden. Sie werden daher gezwungen sein, ihre Börsennotierung aufzugeben oder in den Privatbesitz überzugehen", erläuterte er.


Die Kurse der an der US-Börse notierten chinesischen Unternehmen sind am Mittwoch nach der Verabschiedung des Gesetzes im US-Senat bereits deutlich eingebrochen. 


Dong hob jedoch hervor, dass chinesische Unternehmen vom chinesischen Festland Alternativen wie die Notierung ihrer Aktien in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong oder auf dem A-Aktienmarkt in Betracht ziehen könnten, um ihren normalen Betrieb und ihre Finanzierung sicherzustellen, fuhr Dong fort. 


„Der registrierungsbasierte Mechanismus des Börsengangs, der zuerst auf dem STAR-Markt an der Börse von Shanghai eingeführt wurde, wurde auf den ChiNext an der Börse von Shenzhen ausgedehnt. Der Markt für A-Aktien ist somit integrativer, lockert die Anforderungen an die Rentabilität und ermöglicht Dual-Class-Besitzverhältnisse (das heißt, das Unternehmen kann verschiedene Typen von Aktien ausgeben, die mit verschiedenen Rechten verbunden sind). All dies kann als Vorbereitung für die Rückkehr chinesischer Unternehmen auf den A-Aktienmarkt betrachtet werden.“


Robin Li, Vorsitzender und CEO von Baidu Inc., sagte der „China Daily“ am Donnerstag: „Für ein gutes Unternehmen gibt es viele Orte für eine Börsennotierung, und diese beschränken sich nicht auf die USA. Wir glauben nicht, dass die Maßnahmen der US-Regierung einen irreparablen Einfluss auf unser Geschäft haben werden".


Daten des in Shanghai ansässigen Marktforschungsinstituts Wind Info zeigten, dass Ende letzten Jahres 227 chinesische Unternehmen an US-Börsen notiert waren.


Xie Yaxuan, Chef-Analyst von China Merchants Securities, schätzte, dass der Buchhaltungsskandal von „Luckin Coffee“ zu einem gewissen Grad zu den jüngsten Entscheidungen der US-Regierung beigetragen habe. Aber die grundlegende Ursache seien die verstärkten Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China. Die USA hätten bereits häufig zu Handels- und Wirtschaftsmitteln gegriffen, um China zu unterdrücken, sagte er.


„Die Zahl der chinesischen Unternehmen, die einen Börsengang in den USA erwägen, wird kurzfristig sinken. Aber langfristig können wir erwarten, dass mehr chinesische Unternehmen auf den Markt für A-Aktien zurückkehren werden", sagte er.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: US-Gesetz,Börsengang,China,Unternehmen,A-Aktienmarkt