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Die Bewahrung einer Tradition

german.china.org.cn          Datum: 29. 11. 2007

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Chinas Kunst des Papierschnitts hat eine lange Tradition, doch besteht die Gefahr, dass diese in modernen Zeiten ausstirbt.

"Ich kann mich noch daran, wie ich als Kind meiner Mutter beim Papierschnitt und Nähen unter einer Öllampe neben meinem Bett zugesehen habe. Sie sah geheimnisvoll aus, wenn sie einen Papierschnitt vor ihr Gesicht hielt, um mich zum Lachen zu bringen, "erzählt Liu Jieqiong, eine Bäuerin aus dem Kreis Yanchuan in der nordwestlichen Provinz Shaanxi in China.

Die chinesische Volkskunst des Papierschnitts, bei der mit Scheren und Messern zum Ausschneiden von Motiven auf Papier gearbeitet wird, war mehr als 1000 Jahre eine bedeutende Bezugsquelle für Dekoration in chinesischen Bauernhäusern und ist zu einer wichtigen Form des künstlerischen Ausdrucks von Bauern, insbesondere Bäuerinnen, geworden.

"Ich habe mir das Papierschneiden selbst beigebracht, als ich klein war. Ich habe an meinen Fähigkeiten kontinuierlich gearbeitet. Als Teenager war ich bereits kein Laie dieser Kunstform mehr," erzählt Gao Fenglian, Lius Mutter, die mit 73 Jahren als Vorbild unter den Papierschnittkünstlern Nordchinas gilt.

Gaos Werke decken eine große Fülle an Themen ab. Sie berufen sich auf alte Mythen und sprechen zur Realität im modernen Leben. Sie sind allesamt reich an künstlerischem Wert und ästhetischer Feinheit, dennoch bleiben sie kräftig und sind in ihrem ganz eigenen Stil gefertigt.

Die Meisterin des Papierschnitts

Begnadet mit dem Talent für den Papierschnitt wird Gao als eine Meisterin bejubelt. Bei Dorffesten ist sie stets aufgefordert, ihre großartige Beherrschung des Scherenschnitts vorzuführen. Von ihr gefertigte Bilder scheinen Vitalität zu verströmen. Sie hat tiefe Ehrfurcht vor der Tradition, lehnt es jedoch ab, auf Stereotypen beschränkt zu werden. Ihre Motive bleiben fest im alten Stil verankert, doch lassen sie zugleich einen Hauch zeitgenössischer Individualität erkennen.

Jin Zhilin, Professor der Zentralakademie für bildende Kunst, erklärt: "Um dieses Werk von ihr als Beispiel zu nehmen: Sie drückt die Lebendigkeit und den Schwung des chinesischen Volkes aus. Neben der Uhr am Torbogen sind ein Löwe und ein Drache aus der Frühzeit zu sehen. Der Reiter darunter dient als ein Türgott. All diese Motive, der Torbogen, die Ziersäulen, die Löwen, Drachen und Phönixe symbolisieren die perfekte Einheit von Himmel und Erde. Es spiegelt die Lebendigkeit unseres Volkes wider, die Essenz der chinesischen Philosophie."

Gao ist in den Augen Vieler ein Naturtalent. Sie hat nie die Schule besucht, nicht ein einziges Mal. Sie ist eine typische Bäuerin, die tagein tagaus mit Routinearbeiten wie Wäsche waschen und Kochen beschäftigt ist. Sie sieht ihre Arbeit des Papierschnitts als kleine Entspannung.

Gaos Werke sind zum ersten Mal Mitte der 80er Jahre bei einer Papierschnitt-Ausstellung an die Öffentlichkeit gelangt. Schon bald waren Kritiker im ganzen Land fasziniert. 1995 trat Gao bei einem lokalen Wettbewerb gegen mehr als 80 andere Papierschnittkünstler an. Sie gewann den ersten Preis für ihr Werk "Die Elfenfrau". Im Februar diesen Jahres erhielt sie den Preis für "Besondere Verdienste" bei einem Wettbewerb für geladene Gäste in der Provinz Zhejiang im Osten Chinas. Zwei Monate später wurden ihr mit der Verleihung der Auszeichnung zur "Meisterin der volkstümlichen Kunst" durch die Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen (UNESCO) eine weitere Ehre und internationale Anerkennung zuteil.

Künstler und Bewahrer der Kunst

Was die volkstümliche Künstlerin noch außergewöhnlicher macht, ist die Tatsache, dass sie im Jahr 2005 als Einzelperson 300,000 Yuan zur Gründung der ersten individuellen Kunsthalle in ihrer Heimatstadt auf ihren Namen investierte. "Ich habe Papierschnitte angefertigt und habe Leute eingestellt, damit diese sie in die Wände einritzten. Das war viel Arbeit," berichtet Gao.

"Ku Shulan [ebenfalls eine berühmte chinesische Papierschnittmeisterin] hat nichts nach ihrem Tod hinterlassen. Ich möchte nicht so enden," erzählt Gao. "Ich werde die Scheren in meinen Händen erst niederlegen, wenn ich zu schwach bin, sie zu halten."

Um ihre Fertigkeiten weiterzutragen, bestärkt sie auch ihre Tochter Liu und ihre beiden Enkelinnen, die Kunst des Papierschnitts zu erlernen. Lius Werke haben bereits Ansehen erlangt und wurden in vielen Museen und Kunsthallen ausgestellt.

Lius Werke unterscheiden sich insofern von denen ihrer Mutter, als Liu mehr Elemente des modernen Lebens in ihre Werke einbringt, so Feng Shanyun, ein Lokalbeamter verantwortlich für kulturelle Angelegenheiten im Kreis Yanchuan.

Bemühungen um Erhaltung

Im Kreis Yuanchuan, deren Einwohnerzahl weniger als 200 000 Personen beträgt, gibt es mehr als 10 000 Menschen, die die Fertigkeit des Papierschnitts beherrschen. Die ist eine beachtliche Ziffer, doch sind einige Experten nicht der Meinung, dass die große Zahl an Volkskünstlern einen Unterschied bewirke.

"Der Papierschnitt als eine Form der Volkskunst steht in engem Zusammenhang mit dem Lebensstil auf dem Lande. Die Kunst des Papierschnitts ist fragiler als die Kunst, die in irgendeiner Weise unabhängig ist von gesellschaftlichen Wurzeln. Volkstümliche Kunst, wenn sie auch popular sein mag, droht, unbemerkt zu vergehen," meint Jin Zhilin, Forscher über Volkskunst in der nordwestlichen Provinz Shaanxi. "Es ist viel schwieriger, ein immaterielles Erbe zu retten und zu erhalten als ein materielles Kulturerbe."

"Immaterielles Erbe fließt in unserem Blut, und es ist genau diese Kultur, die uns von andreren Menschen in der Welt unterscheidet. Wir können auf keinen Fall zulassen, dass die Entwicklung der modernen Gesellschaft unsere einzigartigen Schätze zerstört" so Tian Qing, Direktor des Pekinger Forschungszentrums für immaterielles Kulturerbe.

Jedoch ist die Tatsache erfreulich, dass nicht allein die Künstler selbst versuchen, die traditionellen Schätze zu erhalten, sondern auch zahlreiche Experten, Beamte für kulturelle Angelegenheiten und an Volkskunst interessierte und von ihr begeisterte Privatpersonen.

Mittlerweile schenkt auch der Staat seinen langsam aber sicher verschwindenden Traditionen größere Aufmerksamkeit.

Im Jahr 2006 setzte die Regierung 518 Posten auf die Liste immaterieller Kulturerben des Staates und stellte 1080 neu benannte bedeutende Kulturrelikte unter staatlichen Schutz.

"Die Zahl der neu benannten Relikte ist fast genauso hoch wie die Zahl der bis dato insgesamt benannten Relikte seit 1961," erklärt Shan Jixiang, Leiter der Staatsverwaltung von Kulturerben.

Zur Erhaltung immaterieller Kulturerben und zu deren Übertragung in materielle Kulturerben müssten verschiedene Mittel und Wege genutzt werden. Außerdem müssten Bemühungen unternommen werden, um die Lebendigkeit einer Tradition aufrechtzuerhalten, indem alle Bedingungen zur Bestärkung innerhalb der Gemeinschaft geschaffen werden, diese Tradition von einer Generation zur nächsten weiterzugeben, so die Ansicht von Forschern über Kulturerben.

China hat über 30 Bestimmungen aufgestellt, die auf den Gesetzen zu Erhaltung von Kulturrelikten basieren. Ein Gesetz zur Erhaltung von immateriellen Kulturrelikten steht ebenso auf dem Plan der obersten Legislative in China.

China hat sich an vier internationalen Konventionen bezüglich der Erhaltung von Kulturerben beteiligt, außerdem haben Investitionen in die Erhaltung von Kulturerben zugenommen, so Sun Jiazheng, der chinesische Kulturminister.

Laut Feng seien Geldmittel und Sonderregelungen notwendig, um das Überleben der Volkskunst und die Ermutigung der Jugend, sich mit dieser Kunst zu beschäftigen, zu sichern. Er nannte einige Wege, um die Beteiligung an der Volkskunst zu steigern, beispielsweise die staatliche Finanzierung von Unterricht durch Volkskünstler für Jugendliche oder den Unterricht von Volkskunst in der Schule als Bestandteil des Lehrplans. Das Wichtigste sei es, eine Atmosphäre zu schaffen, ergänzt er.

Quelle: Beijing Rundschau

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