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| german.china.org.cn Datum: 09. 01. 2008 |
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Als Jiang Wen mit Wasserflasche und Schokolade unter dem Arm in den Raum kommt, fangen die Fotoapparate an zu blitzen. Jiang wird von seiner 14 Jahre alten Tochter begleitet.
Vater und Tochter kommen, um einen anderen großen Namen zu treffen: Cui Jian, den Vater der chinesischen Rockmusik. Cui übt zurzeit für sein Konzert im Beijinger Arbeiterstadion.
"Magst du Rock oder Hip-Hop?“, fragt Cui Jiangs Tochter. Als sie "Rock“ antwortet, sagt Cui mit einem Lächeln: "Hier ist ein Lied für dich. Es hat den Titel Dream under the Sunshine."

Cui Jian bei einem Auftritt
Jiang, Regisseur von In the Heat of the Sun, und Cui sind seit mehr als einem Jahrzehnt miteinander befreundet. Cui war in Jiangs letztem Film The Sun also Rises zu sehen und Jiang ist seit vielen Jahren ein Fan von Cuis Musik.
"Ich freue mich, dass seine Tochter Rock mag", sagt Cui (46). "Meine Tochter studiert im Ausland. Sie mag meine alten Lieder auch."
Cui gab 1986 im Arbeiterstadion mit einer bahnbrechenden Rockshow sein Debut und schuf für die chinesischen Musikfans ein alternatives Genre. Mehr als 20 Jahre später sorgt sein Comeback für große Aufmerksamkeit.
"Ich kann den Druck spüren", sagt Cui. "Nach 20 Jahren wieder auf dieser Bühne zu stehen, ist für mich etwas besonderes. Obwohl ich mich nie weit von den Beijinger Bühnen entfernt habe, ist ein Soloauftritt immer noch eine Herausforderung für mich, besonders durch den Druck des Publikums."
Cui sagt, er fühle die Herauforderung, alte und junge Fans zufrieden zu stellen.
"Einige meiner alten Fans sind genauso alt wie ich. Sie erwarten sowohl meine alten als auch meine neuen Lieder. Es gibt auch einige junge Fans."
Konzertbesucher können erwarten, dass Cui und seine Band eine Chronik seiner legendären Karriere wiedergeben. Dennoch sieht Cui das Konzert nicht als ein Konzert, auf dem er nur seine größten Hits singt. "Nostalgie passt nicht zu meinem Stil", erklärt Cui.
In China wird Cui von vielen Menschen als der chinesische Bob Dylan oder chinesische Bruce Springsteen bezeichnet. Cui spielt bis heute denselben entschlossenen und harten Rocksound, vertritt gegenüber Musik dieselben Werte und empfindet dieselben Leidenschaften, die er in seinen 20ern hatte.
In den 1980er Jahren, als die meisten Chinesen nur sehr wenige Kenntnisse über Rockmusik hatten, veröffentlichte Cui Jian zwei Lieder, die als Meilensteine der chinesischen Rockmusik gelten: Rock on the New March und Restart. Das bekannteste Stück Cuis dürfte aber Nothing to My Name sein.
Als junger Mann lernte Cui Trompete und spielte sechs Jahre lang im Beijing Symphony Orchestra. Aber die Alben von Talking Heads, den Beatles und Sting hätten, als er anfing, Rock zu spielen, bei der Prägung seines eigenen Schreibstils geholfen.
"Für mich ist Rockmusik persönlicher. Ich habe mehr Freiheit und kann mehr von meinen persönlichen Empfindungen in Rock and Roll einbringen. Bei klassischer Musik kann ich nur etwas nachspielen, dass bereits geschrieben wurde", sagt Cui.
Obwohl Cui in den vergangenen 20 Jahren nur selten auftreten konnte, war er gelegentlich auf einigen Konzerten zu sehen, so zum Beispiel bei dem diesjährigen Beijing Pop Festival und im vergangenen Jahr in der Show Starlive, bei der die Konzertbesucher Hits wie Mr. Red und Beijing Story hören konnten.
Cui erklärt, er sei immer noch begeisterter Musiker. Livegesang ist eins der Projekte, die ihn weiterhin beschäftigen. "Livemusik ist der einzige Weg für die chinesische Rockmusik“, meint Cui. In den Musikprogrammen im Fernsehen werde viel synchron oder mit Playback gesungen. "Im Moment besteht chinesische Musik hauptsächlich in den Medien und in Raubkopien", sagt Cui.
Während ihn seine Fans verehren, beklagen Kritiker Cui würde immer noch auf dem Erfolg reiten, den er mit Nothing to My Name hatte. Cui selbst sieht das nicht so: "Wenn ich nur Nothing to My Name singen könnte, dann wäre ich längst vergessen. Der Grund, warum dieses Lied bis heute in der Erinnerung geblieben ist, liegt in seinem Wert, dass es über die Jahre gehabt hat."
"Ich habe immer Lieder geschrieben und werde Lieder schreiben, bis ich sterbe. Musik ist meine Methode mich auszudrücken. Wenn ich ein Lied fertig geschrieben habe, fühle ich mich zwar leer aber großartig. Die Leere bedeutet, von vorne anzufangen. Ich will etwas Neues schaffen."
Über Chinas gegenwärtige Rockszene sagt Cui, dass es einige junge Rockbands gebe, die ihn beeindrucken, aber allgemein denke er, dass sich die Rockszene auf dem Abstieg befindet.
"Ich denke, dass Musikfestivals, Clubs und Plattenfirmen die chinesische Musikszene wirklich verändern können, aber ich glaube, es gibt in China kein Festival und keine Plattenfirma die gute Arbeit leisten."
Viele der chinesischen Musikfans machen sich zu viele Gedanken darüber, wie die Band aussieht, meint Cui. "Ihnen ist es egal, wie sie klingen."
Cui meint, dass junge Musiker mehr Wert auf ihr Handwerk legen und nicht versuchen sollten, das Publikum zufrieden zu stellen.
"Du solltest bei deiner Musik keine Kompromisse eingehen oder irgendwelchen Versuchungen nachgeben. Ich würde nicht, wie viele Popsänger heutzutage, sagen, dass ich Musik für die Zuhörer mache. Ich arbeite an einer Karriere für mich selbst, auch wenn ich nur zwei Zuhörer habe."
Heute sind zwar viele seiner Fans erwachsen und ihre Kinder bestimmen den Musikgeschmack in China, aber Cui glaubt, dass er immer noch viel zu bieten habe. Seine neue Musik mische elektronische Elemente mit traditionellerem Gitarrenrock.
"Leute über 30 mögen meine alten Lieder. Aber die jungen Menschen um die 20 hören eher meine neuen Lieder. Ich wiederhole nicht nur einfach meine früheren Arbeiten – das wäre Blasphemie gegen das Musikschaffen."
Quelle: China Daily
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