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| german.china.org.cn Datum: 03. 09. 2008 |
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Nach ihrem Studium in Frankreich und einem Job in den USA kehrte die 27-jährige Mode-Designerin Liu Lu nach China zurück. Mitgebracht hat sie die Idee, eine Boutique zu eröffnen. Ein Geschäftsmodell, das in China bisher kaum bekannt ist.
Die 27-jährige Liu Lu hatte einen guten Job in New York, doch sie kündigte letzten November, um in ihre Heimat Beijing zurückzukehren.
Die ehrgeizige Mode-Designerin eröffnete im Mai eine Boutique in Nanluogu Xiang, eine Hutong in einem modischen Teil des Beijinger Bezirks Dongcheng.
Die für ihre Händler seit der Yuan-Dynastie (1271-1368) berühmte Gegend ist heute eine hippe Touristengegend mit Bars, Cafes, Hostels und Souvenirshops. Liu hat ihre kleine Boutique nach ihrem Vornamen und Geburtsdatum "Lu 12.28" genannt.
Nach ihrem Studium in Frankreich und einem Job in den USA beschloss Liu, dass China der Ort war, an dem sie ihre Boutique eröffnen wollte. "In Paris sind Designer-Boutiquen die beliebtesten Orte, Kleidung zu kaufen, insofern haben junge Designer die Möglichkeit, ihr Talent durch ihre eigenen Läden unter Beweis zu stellen", so Liu. "Ich bin sicher, dass es in Zukunft ein Trend in China sein wird."
Vor kurzem war die schlanke, modebewusste Liu damit beschäftigt, ihre Designer-Stücke für die Herbst- und Winter-Kollektion fertigzustellen. Der Preis für ihre Kleidungsstücke liegt bei 800 Yuan (rund 80 Euro) für einen bunten Rock bis 2.800 Yuan für ein weißes Abendkleid.
"Jeder ist ein Künstler, und ich halt auch", sagt sie. "Ich möchte einen kreativen Lebensstil führen."

Liu Lu zeigt einen Rock, den sie kreiert hat, in ihrer Boutique. Wang Ru
1998 schickten Liu's - als Immobilienunternehmer wohlhabende - Eltern Liu Bingyan und Lu Xiaomei ihre 17-jährige Tochter auf eine Schule in der Schweiz. Zwei Jahre später begann sie ihr Mode-Design-Studium an der Parsons Paris School of Art and Design.
"Ich mag Zeichnen und Malen seit meiner Kindheit, und die Prüfungen in der Schule haben mich gelangweilt", erklärt sie. “Deswegen habe ich mich entschlossen, Mode-Design in Paris zu studieren."
Während ihrer drei Jahre in Frankreich hatte Liu die Chance, an der vordersten Front der Mode-Industrie zu lernen. Sie übte außerdem Teilzeitjobs als Kellnerin und Amateur-Model aus. Mit der Unterstützung ihrer wohlhabenden Eltern war Geld eigentlich kein Problem für sie, doch Liu wollte das Leben wie eine gewöhnliche Auslandsstudentin erleben.
2003 zog Liu nach New York, um ihr Studium fortzuführen. Im Mai 2006 erhielt sie den von der Parsons School jährlich vergebenen Preis für das "Beste Design". Eines ihrer Design-Stücke wurde im Schaufenster von Saks Fifth Avenue in New York ausgestellt.
Nach ihrem Abschluss bekam sie einen Job als Assistentin für den berühmten Stylisten GK Reid in New York. Sie hatte die Chance, bei Designer-Stücken für Persönlichkeiten wie Puff Daddy, Nelly Furtado und Rihanna mitzuwirken.
Wovon sie jedoch wirklich träumte, war, ihre eigene Marke zu haben. "Ich möchte nicht für andere arbeiten, mein Traum ist es, einen eigenen Namen zu haben", meint sie.
Mit der Unterstützung ihrer Eltern eröffnete Liu ihre Designer-Boutique in Beijing. Jedoch merkte sie, dass ihre neun Jahre des Studiums im Ausland sie nicht auf all die Herausforderungen, die ein eigenes Geschäft mit sich bringt, vorbereitet hatten. "Ich habe meinen eigenen Design-Stil und Modegeschmack, aber ich habe bemerkt, dass es etwas völlig anderes ist, hier ein Geschäft aufzumachen."
Das erste Problem war, jemanden zu finden, der die Kleidung, die sie kreiert, herstellte. Liu ging zu allen Kleiderfabriken in den Vorstädten Beijings, doch die meisten lehnten ihre Aufträge ab.
"In Paris sind Fabriken gewillt, Designer-Stücke unabhängig von der Menge anzufertigen, doch hier wurde ich wegen meiner kleinen Stückzahl an Bestellungen abgelehnt”, erzählt Liu. Die Fabriken, die ihre Aufträge annehmen wollten, erfüllten nicht ihre Qualitäts-Standards.
Letztendlich stellte Liu 10 Schneider zur Anfertigung ihrer Stücke an. Jeden Morgen kontrollierte sie die Qualität.
Die zweite Hürde war das Verhalten der Käufer, erzählt sie. Die meisten Chinesen bevorzugen es, ihre Kleidung in Kaufhäusern oder Fabrikverkaufsstellen zu kaufen. Designer-Boutiquen sind eher selten in China. Hinzu kam, dass viele chinesische Konsumenten erwarten, dass eine selbständige Boutique-Inhaberin wie Liu niedrige Preise anbieten sollte.
"Käufer feilschen häufig bei dem Preis, aber ich lasse mich nicht darauf ein, denn jedes meiner Stücke ist mein Werk, und ich versichere faire Preise", so Liu.
Die meisten chinesischen Kunden haben Vorbehalte bezüglich der Preisauszeichnung und Produktqualität, erklärt sie.
Das Wichtigste, was Liu in ihren neun Jahren im Ausland lernte, war, wie man mit Käufern umgeht.
"Ich biete meinen Käufern die besten Designs und die beste Qualität, und sie respektieren meine Arbeit", erklärt sie. Die meisten ihrer Kunden sind aus dem Ausland zurückgekehrte Studenten, Ausländer und wohlhabende junge Leute.
Doch Liu ist immer noch in den roten Zahlen mit ihrem Geschäft. Ihre Theorie ist, dass ihr momentaner Laden zu klein ist, um die Aufmerksamkeit von Käufern zu gewinnen. Daher hat sie vor kurzem eine größere Boutique in Haidian eröffnet, in der Hoffnung, ihren Verkauf zu steigern.
"Immer wenn ich einen Kunden sehe, der meine Kleidung anprobiert und in den Spiegel lächelt, verspüre ich große Zufriedenheit", erzählt sie. "Das ist es, was mich anspornt, weiterzumachen."
Quelle: China Daily
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