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Vom Lehrmeister zum Schüler

Was Merz’ Besuch bei Chinas Tech-Avantgarde offenbart

german.china.org.cn  |  
28.02.2026

Vom Palastmuseum zum Hightech-Unternehmen: Der Besuch von Friedrich Merz bei Unitree im Rahmen seiner Chinareise zeigt, dass das Land, das technologisch bislang als „Schüler“ wahrgenommen wurde, inzwischen sogar einen Vorsprung hat. Medienvertreter, Wirtschaftsakteure und Internetnutzer sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Rollentausch“.

„Dynamik“, „Aufbruchstimmung“ und „Zusammenarbeit“: Mit diesen drei prägnanten Begriffen fasste Bundeskanzler Friedrich Merz seine Eindrücke während seines zweitägigen Besuchs in China zusammen. In einem Kurzvideo, das während seines Besuchs bei Unitree Robotics in Hangzhou aufgenommen wurde und auf seinem Instagram-Konto zu sehen ist, zeigte er sich sichtlich beeindruckt von den Spitzentechnologien des chinesischen Marktführers im Bereich humanoider Roboter.

Der China-Besuch des Kanzlers, der von hochrangigen politischen Gesprächen über die Besichtigung des Palastmuseums bis hin zu Besuchen in Hightech-Unternehmen reicht, stieß sowohl in China als auch in Deutschland auf große Resonanz. Experten führen dies auf eine aktuelle Tendenz europäischer Staaten zurück, verstärkt nach Osten zu blicken, um die Zusammenarbeit zu intensivieren, während gleichzeitig transatlantische Spannungen zunehmen.

Zhao Junjie, ein Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, ist der Meinung, dass die Reise von Merz weit mehr als ein reiner Höflichkeitsbesuch sei. Sowohl die deutsche Regierung als auch die Unternehmen verfolgten Chinas Fortschritte in der digitalen Wirtschaft und der intelligenten Fertigung aufmerksam, um neue Kooperationsmöglichkeiten zu identifizieren.

Ein Rollentausch in der Technologie

Deutschland gilt traditionell als Industrienation, die Innovation und Präzision in ihrem technologischen Erbgut trägt. In der Vergangenheit brachten deutsche Unternehmen ihr Know-how nach China und gründeten Joint Ventures, während das Land primär als „Werkbank der Welt“ bekannt war – aufgrund seiner niedrigen Kosten, hohen Effizienz und Skaleneffekte. Michaela Küfner, politische Chefredakteurin der DW News, beobachtete jedoch in Hangzhou, wie Merz von den Kung-Fu-Vorführungen der Unitree-Roboter beeindruckt war, und konstatierte, dass China seine Überlegenheit im Bereich der KI-Robotik zeige.

Während der Firmenbesichtigung fiel zudem das hohe Selbstbewusstsein auf: Einzelne Roboterkomponenten wurden offen präsentiert, damit sie genau inspiziert und erklärt werden konnten. Der Kanzler selbst zeigte ein tiefes praktisches Interesse an der Funktionsweise der Maschinen, nahm einen Teil eines Roboterbeins in die Hand, beobachtete es von allen Seiten und stellte gezielt fachliche Fragen. Für einige deutsche Industrievertreter steht dies sinnbildlich für einen Rollentausch: Jens Dallendörfer, Regional-CEO des deutschen Unternehmens Wilo, nutzte gegenüber China Daily explizit den Ausdruck „Der Lehrer wird zum Schüler“, um die beeindruckend schnelle Entwicklung Chinas zu beschreiben.

Die Wucht dieses Fortschritts wird auch in den sozialen Medien debattiert. Ein deutscher Nutzer mit dem Namen „ferat_de“ kommentierte unter den Berichten zur Reise: „Ich dachte, die Chinesen wären uns Jahre voraus – dank dieses Besuchs wissen wir nun, dass es tatsächlich Jahrzehnte sind.“

Kooperation als Schlüssel für die Zukunft

Insbesondere im sich rasant wandelnden Automobilsektor bietet die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern enorme Vorteile. Das Land verfügt über einzigartige Ressourcen in den Bereichen Elektrifizierung, intelligente Industrie und groß angelegte Lieferketten. Durch Kooperationen könnten deutsche Unternehmen schneller Zugang zu ausgereiften Technologien erhalten, Marktrückmeldungen unmittelbarer nutzen und somit Produktiterationen beschleunigen.

Tatsächlich haben immer mehr Akteure aus der deutschen Wirtschaft erkannt, dass die vielfältigen Anwendungsbereiche der chinesischen Hochtechnologie auch Probleme in Deutschland lösen können. Jordi Boto Rodriguez, CEO der Elbe Flugzeugwerke, betonte, dass fortschrittliche Robotik eine alternde Gesellschaft unterstützen könne. Auch Reinhard Christian Zinkann, Co-Chef des deutschen Hausgeräteherstellers, sieht Potenzial: Roboter könnten künftig als Haushaltshilfen fungieren oder Prozesse in der Produktion und Logistik optimieren.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Merz,China,Tech-Avantgarde,Lehrmeister