Mit dem Fahrrad auf der Gebirgsautobahn nach Hause Exklusiv
Wu Dongliang auf dem Weg
Am ersten Tag seiner Radtour war Wu körperlich noch in guter Verfassung – dennoch schaffte er nur 150 Kilometer. Der junge Soldat stellte gleich am ersten Tag – und somit etwas zu spät – fest, dass er für jeden Berg, den er hinunterfuhr, einen anderen wieder hinauffahren musste. "Es war eine doppelte Tortur – des Geistes und des Leibes", seufzte Wu. "Außerdem musste ich ständig auf die Fahrzeuge aufpassen, die sehr eng an mir vorbeifuhren sowie auf die plötzlich aus einigen Höfen herausstürmenden Hunde. Nach dem ersten Tag war ich schon völlig kaputt." Dennoch habe er das Erlebnis sehr genossen, so Wu.
Die Autobahn am Ufer des Dadu-Flusses
Am zweiten Tag fuhr Wu am Unterlauf des Dadu-Flusses entlang. Die Landschaft ist in diesem Abschnitt ganz besonders schön. Der Fluss ist breit und die Berge auf beiden Seiten sind prächtig – dennoch hatte dieser Streckenabschnitt einen schwerwiegenden Nachteil: Wu musste gegen den Wind anfahren, weswegen er für diesen Abschnitt mit vier Stunden doppelt solange brauchte, wie geplant. Und so kam es, dass er am Nachmittag schon keine Lust mehr hatte, die Landschaft um sich herum zu genießen. In seinem Gehirn trugen Engelchen und Teufelchen einen nervenaufreibenden Kampf aus: "Mach weiter! Du packst das!", schrie das Engelchen aufmunternd. "Hör‘ lieber auf", entgegnete das Teufelchen seelenruhig. "Du bist müde und hast Schmerzen. Das macht doch alles keinen Sinn!" An diesem Tag gewann das Teufelchen: Gegen Abend hatte Wu noch 60 Kilometer vor sich – und sein Plansoll somit nicht erfüllt. Seine Knie schmerzten sehr. Wenn er seinen Reiseplan nicht aufgegeben hätte, hätte er im Freien übernachten müssen – was in einer Höhe von mehreren tausend Metern über dem Meeresspiegel grundsätzlich keine so gute Idee ist. Außerdem vermisste er seine Familie, was ihn schließlich zur Vernunft brachte und ihn den Daumen raushalten ließ. Glücklicherweise hielt ein Pick-up für ihn an. "In jenem Moment war mein Körper ganz entspannt, aber ich fühlte mich geistig niedergeschlagen." Wu schüttelte seinen Kopf. "Aber ich will es noch ein Mal probieren. Mein Ziel wäre es, die gesamte Autobahn 318 von Chengdu nach Lhasa, die als schönste Autobahn Chinas gilt, mit dem Rad abzufahren. "













