China und Deutschland
„Nur im Dialog kann ein Verständnis für die jeweils andere Kultur entstehen“ Exklusiv
von Cao Ying, Beijing
Die Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (GDCF) Düsseldorf hat seit ihrer Gründung eine Vielzahl von Aktivitäten organisiert, um das Verständnis für China bei den deutschen Unternehmen und Menschen zu fördern. Im Interview mit China.org.cn geben Martina Henschel, Vorsitzende der GDCF Düsseldorf, und Michael Ruhland, Vorstandsmitglied der Gesellschaft und gleichzeitig Leiter des Arbeitskreises Kunst und Reisen, Anregungen für die Weiterentwicklung des Kulturaustausches zwischen China und Deutschland.

Martina Henschel, Vorsitzende der GDCF Düsseldorf (links) und Michael Ruhland, Vorstandsmitglied der Gesellschaft und gleichzeitig Leiter des Arbeitskreises Kunst und Reisen.
China.org.cn: Sie pflegen schon seit Langem enge Kontakte mit China. Welche Erlebnisse mit China haben Sie besonders beeindruckt? Was sind Ihrer Meinung nach die größten Veränderungen dieses Landes in den letzten Jahren?
Michael Ruhland: 1981 war ich zum ersten Mal in China. Zwei Kommilitonen und ich sind mit der transsibirischen Eisenbahn von Berlin über Moskau nach Beijing gefahren. Unsere erste Fahrt über Xi’an war ein Erlebnis, welches bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Ein Heer von Fahrrädern, eine Handvoll Autos und ein paar Trolleybusse. Heute drängen sich unzählige Autos Stoßstange an Stoßstange Tag und Nacht auf den mittlerweile zehn Fahrspuren der Stadt. Fahrräder sind rar geworden. Ich glaube, kaum ein anderes Bild kann die enorme Entwicklung beschreiben, die China seit dieser Zeit genommen hat.
Können Sie bitte einige Beispiele für die Arbeit der GDCF Düsseldorf nennen? Welche Erfolge sind erzielt worden?
Martina Henschel: Die Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (GDCF) wurde 1973 auf Bundesebene gegründet, die GDCF Düsseldorf im Jahr 1976. Ziele waren unter anderem wechselseitige Verständigung zu fördern und Kontakte aller Art zu vermitteln. Seit den 1980er Jahren hat die GDCF Düsseldorf eine Vielzahl von Aktivitäten entwickelt. Es gibt regelmäßige Veranstaltungen wie z.B. die „Aktion Gastfreundschaft (AG)“. Es war die Anlaufstelle für Chinesen. Dort wurden bei einem guten chinesischen Essen Kontakte geknüpft und Chinesen bei ihren vielfältigen Problemen geholfen. Die Aktivitäten haben sich mit dem Wuchs der Gesellschaft seit den 1990er Jahren erweitert. Beliebte Veranstaltungen von heute sind zum Beispiel die Neujahrsfestlichkeiten, das Sommerfest im Park, Feier zum chinesischen Mondfest, Jahresabschlussessen usw. All diese Aktivitäten fördern das Verständnis zwischen Deutschen und Chinesen. Es werden Feindbilder und Vorurteile abgebaut und gleichzeitig Freundschaften geschlossen. Wir freuen uns, wenn auch Ehen zwischen Deutschen und Chinesen geschlossen werden.
Michael Ruhland: Seit 2006 veranstalte ich Reisen für unsere Mitglieder und Freunde ins Reich der Mitte. Ich will ein Beispiel nennen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda aufmerksam geworden, nehmen immer wieder Teilnehmer an den Fahrten teil, die sich noch nie mit China auseinandergesetzt haben, aber z.B. von der „gelben Gefahr“ gehört haben. Interessant ist dann zu beobachten, wie sich diese Personen im Verlauf der Reise verändern. Von anfänglich ablehnendem und voreingenommem, oft auch ängstlichem Verhalten wird eine Neugierde geweckt und sie suchen den Kontakt zu Chinesen, auch wenn sie kein Chinesisch können. So haben sich auch mit Hilfe von WeChat Freundschaften entwickelt und man hat sich auch schon gegenseitig besucht. Ich glaube, unsere Hauptaufgabe sollte es sein, Vorurteile abzubauen und für ein offenes Miteinander einzutreten.
Medienberichten zufolge wurde das diesjährige Chinafest in Düsseldorf abgesagt, während der Japan-Tag wie geplant stattfand. Wie kam es dazu?
Michael Ruhland: Bei den ersten beiden Chinafesten in Düsseldorf war ich aktiv in der Planung eingebunden. Schon damals waren das Budget, aber auch Sicherheitsfragen ein großes Thema. Anders als beim Japan-Tag konnten keine großzügigen Sponsoren generiert werden, so dass das Chinafest auf Sparflamme realisiert werden musste. Trotzdem oder gerade deswegen wurden die Feste mit jeweils mehreren zehntausend Besuchern ein voller Erfolg. Dann wollte man die China-Achse Köln-Düsseldorf-Duisburg stärken und man hat sich entschlossen, das Chinafest jährlich abwechselnd in einer der drei Städte zu veranstalten. Meiner persönlichen Meinung nach war es eine falsche Entscheidung, das Chinafest abzusagen. Die Pandemie war auch ein Grund dafür. Denn mittlerweile scheint keine der drei Städte mehr die Initiative ergreifen zu wollen, das Chinafest wieder aufleben zu lassen.
Im Juli schränkte die Universität Erlangen-Nürnberg wegen angeblicher Spionagegefahr die Promotion chinesischer Studenten mit Stipendien von CSC (China Scholarship Council) ein. Und im August kritisierte die Bundesregierung erneut die Hochschule Bielefeld, die eine Filiale in China gründet. Solche Beispiele spiegeln deutlich die neue „Chinastrategie“ der Bundesregierung wider, nach der China in Wissenschaft und Forschung zunehmend als „Wettbewerber“ oder gar „systemischer Rivale“ wahrgenommen wird. Was halten Sie von diesen beiden Rollen, die China im Dreiklang (Partner, Wettbewerber, Rivale) zugeschrieben werden? Können die beiden Länder in diesem Bereich noch zusammenarbeiten?
Michael Ruhland: Ein klares „JA“. Deutschland und China müssen auf diesem Gebiet auch zukünftig zusammenarbeiten. Ein deutsches Sprichwort lautet „Konkurrenz belebt das Geschäft“. Daher sollte ein fairer Wettbewerb auf Augenhöhe möglich sein. Wenn beide Seiten am Ende des Tages zufrieden sind, braucht man gewisse Wählerschichten nicht mehr plakativ zu bedienen.
Welche Probleme gibt es Ihrer Meinung nach beim kulturellen Austausch zwischen China und Deutschland? Wie können beide Seiten Ihrer Meinung nach den Austausch und die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen, einschließlich der Kultur, noch weiter verbessern?
Michael Ruhland: Es ist oft so, dass uns das Fremde und Unbekannte Angst macht. Nur im Dialog miteinander kann auch ein Verständnis für die jeweils andere Kultur und Lebensart entstehen. Leider liegt China nicht um die Ecke, so dass man mal eben für einen Wochenendetrip hinfliegen kann. Daher ist es wichtig, dass wir hierfür bereits in der Schule einen Grundstein legen, sei es durch eine China-AG oder einen aktiven Austausch mit einer chinesischen Schule.
Vielen Dank!










