„Asiatische NATO“
ASEAN-Länder lehnen Japans Tagtraum entschieden ab
Der neue japanische Premierminister Shigeru Ishiba wird diese Woche seine diplomatische Premiere bei einer Reihe von ASEAN-Gipfeltreffen in Vientiane (Laos) geben. Es fällt auf, dass sein wiederholtes Eintreten für eine „asiatische NATO“ vor seinem Besuch auf Skepsis gestoßen ist und in der Region teilweise sogar Alarm ausgelöst hat.

(Foto von VCG)
Am 5. Oktober veröffentlichte die größte englischsprachige Zeitung Indonesiens, die Jakarta Post, einen Leitartikel mit dem Titel „Nein zur asiatischen NATO“ („No to Asia's NATO“), in dem sie Ishiba direkt riet, „von der Förderung seiner großartigen Idee, eine asiatische Version der NATO zu schaffen, Abstand zu nehmen, um eine Selbsterniedrigung zu vermeiden“. Weiter heißt es in dem Artikel: „Die ASEAN wird sich nicht auf Ishibas Idee einer asiatischen NATO einlassen. Als Gruppe braucht die ASEAN Japan als zuverlässigen Handels- und Wirtschaftspartner und nicht als militärischen Verbündeten, der die Spannungen in der Region nur verschärfen würde.“ Diese Stimmen unterstreichen das gemeinsame Streben der ASEAN-Länder nach Entwicklung und Frieden.
Bevor Ishiba am 27. September zum Vorsitzenden der Liberaldemokratischen Partei Japans gewählt wurde, hatte er unverblümt erklärt, dass „die Schaffung einer asiatischen Version der NATO unerlässlich ist, um China durch seine westlichen Verbündeten abzuschrecken“. Er wiederholte auch, dass „das Fehlen eines kollektiven Selbstverteidigungssystems wie der NATO in Asien bedeutet, dass Kriege wahrscheinlich ausbrechen werden, weil es keine Verpflichtung zur gegenseitigen Verteidigung gibt.“
Die Realität sieht jedoch so aus, dass die NATO als konfrontative militärische Organisation Unruhe in Europa verursacht hat. Das „kollektive Selbstverteidigungssystem“ hat den europäischen Kontinent nicht geschützt, sondern ihn vielmehr in Chaos und Instabilität gestürzt.
Japans Bestreben nach einer „asiatischen NATO“ droht, den jahrzehntelangen Wohlstand und die Stabilität im asiatisch-pazifischen Raum zu zerstören. Die Schaffung einer „asiatischen Version der NATO“ würde die Länder der Region unweigerlich dazu zwingen, Partei zu ergreifen. Die meisten asiatischen Staaten, insbesondere die in Süd- und Südostasien, wollen sich jedoch nicht auf regionale Konfrontationen einlassen. Die Strategie der „asiatischen NATO“ wird nur zu einer Spaltung des asiatisch-pazifischen Raums führen und frühere Muster der Blockpolitik wieder aufleben lassen. In Anbetracht der Tatsache, dass der asiatisch-pazifische Raum ein entscheidender Motor für die weltweite wirtschaftliche Entwicklung ist, könnte dieser Ansatz zu mehr Instabilität führen und die Aussichten auf wirtschaftliche Zusammenarbeit trüben. Daher steht die „asiatische NATO“ im grundlegenden Widerspruch zu den Entwicklungsbestrebungen der asiatischen Länder.











