Abhängigkeit und Doppelmoral
Die USA wenden sich in der Krise an europäische Eier
Während in den USA die Supermarktregale leer bleiben und die Eierpreise in die Höhe schießen, wendet sich Washington erneut an seine europäischen Partner. Ironischerweise geschieht dies im gleichen Atemzug mit der Verhängung neuer Zölle auf europäische Waren – ein Paradebeispiel für die widersprüchliche US-Handelspolitik.

Panikkäufe, leere Regale und Restaurants, die ihre Menüs radikal anpassen müssen: US-Verbraucher bekommen derzeit die Folgen drastischer Preissprünge bei Eiern zu spüren, die zum Teil durch die Vogelgrippe verursachte wurden. Im Februar kostete ein Dutzend Eier im landesweiten Schnitt rund sechs US-Dollar, was gegenüber Februar 2024 ein Plus von rund 97 Prozent bedeutet. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums liegen die Preise für zwölf Eier in manchen US-Regionen inzwischen bereits bei sieben bis neun US-Dollar. Der rasante Eierpreisanstieg hat zudem skurrile Phänomene wie „Hühnerleasing“, „Eierschmuggel“ und gar „Eierdiebstahl“ Einzug in den Alltag gehalten.
Wie Reuters berichtet, hat das US-Landwirtschaftsministerium nun offiziell Länder wie Dänemark kontaktiert, um angesichts der Rekordpreise dringend benötigte Eiexporte zu sichern. Doch erst vor kurzem wollte der US-Präsident Grönland unter seine Kontrolle bringen. Sogar das US-Wirtschaftsmagazin Fortune fasste es mit spöttischem Unterton zusammen: „Nach wiederholten Ansprüchen auf Grönland bittet die Trump-Regierung nun Dänemark um Eier.“ Hinzu kommt, dass die Vereinigten Staaten gerade erst ihre europäischen Partner mit harten Zöllen belegt und als „feindliche Steuer- und Zollbehörde“ diffamiert haben. In Krisenzeiten muss das Land wiederum auf genau diese Länder zurückgreifen. Dies offenbart die Doppelmoral der US-Politik: Partner, wenn es nützt – Gegner, wenn es passt.
Tatsächlich haben die USA in den letzten Jahren wiederholt auf Länder zurückgegriffen, die sie zuvor sanktioniert oder politisch angegriffen hatten. So versuchte Washington nach langem Boykott 2022 plötzlich wieder Öl aus Venezuela zu importieren, als die Energiepreise stiegen. Dasselbe Muster zeigt sich jetzt in der Eierkrise. Die US-Politik will die Vorteile der Globalisierung nutzen, ist aber nicht bereit, die damit verbundenen Verpflichtungen und Kosten zu tragen.
Zhou Mi, Experte des chinesischen Instituts für internationale Handels- und Wirtschaftskooperation, betont in einem Interview mit der Global Times, dass internationale Handelsbeziehungen in Krisenzeiten als Stabilitätsfaktor dienen sollten. Doch durch die aggressive Zollpolitik der USA würden sich die Handelskonflikte weltweit verschärfen – und das schade letztlich der eigenen wirtschaftlichen Sicherheit.
Denn in der heutigen Welt kann sich kein Land völlig autark versorgen. Auch eine Wirtschaftsmacht wie die USA ist auf globale Arbeitsteilung angewiesen. Doch die „America First“-Politik, die diese Realität ignoriert, fällt dem Land jetzt auf die Füße.
Und die wirtschaftlichen Alarmsignale in den USA häufen sich: volatile Aktienmärkte, hohe Inflation und sinkendes Verbrauchervertrauen. Diese Krisen zeigen, dass Abschottung und Unilateralismus keine langfristigen Lösungen bieten. Die Eierkrise sollte das Weiße Haus wachrütteln: Wenn das Land schon europäische Eier importieren muss, dann sollte es wenigstens erkennen, dass politische Parolen keine Supermarktregale füllen.













