Kostenlose Inselbibliothek erhellt Märchenträume ländlicher Kinder
In der Stadt Zhijiang in der zentralchinesischen Provinz Hubei gibt es einen Ort namens Bailizhou. Es ist die größte Insel im Mittellauf des Jangtse. Im Jahr 2019 wurde die erste Buchhandlung auf der Insel eröffnet, die sich „Inselbuchhandlung“ nennt.
Sie befindet sich gegenüber der Grundschule der Insel. Auf einer Fläche von 150 Quadratmetern sind rund 20.000 Bücher übersichtlich angeordnet - von Literatur über Geschichte und Wissenschaft bis hin zu Kinderbüchern. Nach Schulschluss ist die Buchhandlung gut besucht.
Die Buchhandlung scheint ein Geschäft zu sein, verkauft aber keine Bücher. Sie bietet den Einheimischen einen gemütlichen Ort, an dem sie kostenlos Bücher lesen können. Die Gründerin des Buchladens, Chen Mulan, stammt von der kleinen Insel. Nach ihrem Universitätsabschluss arbeitete sie in verschiedenen Großstädten, unter anderem in Shanghai. Als Chen eines Tages ihre Eltern auf der Insel besuchte, stellte sie fest, dass immer mehr junge Menschen die Insel verlassen hatten und die meisten der zurückgebliebenen Kinder ein Handy dabei hatten. „Das erinnert mich an mein erstes Märchenbuch, das mein Leben verändert hat“, sagt Chen.
2019 kehrte Chen in seine Heimatstadt zurück und gründete mit all ihren Ersparnissen die Inselbuchhandlung, die der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich ist.
Um den Betrieb aufrechtzuerhalten und die Kosten der Buchhandlung zu decken, arbeitet Chen in Teilzeit als Lehrerin für Online-Kurse und verkauft Spezialitäten aus ihrer Heimat über das Internet.
„Versucht sie mit dem Buchladen etwas anderes als Geld zu verdienen? Oder hat sie ein anderes Interesse?“ Als die Buchhandlung eröffnet wurde, gab es viele Zweifel.
Doch die Gerüchte konnten Chens Entschlossenheit nicht erschüttern. Um mehr Menschen in die Buchhandlung zu locken, besuchte sie die Nachbarschaft und ging von Tür zu Tür, um für ihre kostenlose Bibliothek zu werben. Sie fuhr sogar kilometerweit, um Kinder aus entlegenen Dörfern in die Buchhandlung zu bringen, und bestand darauf, einmal in der Woche einen Leseclub zu organisieren. Nach und nach kamen nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch ihre Eltern und Großeltern.
Was Chen Mulan noch glücklicher macht, ist, dass viele Leser zu ihren freiwilligen Helfern geworden sind. Immer mehr Menschen hören von Chens Geschichte und schicken Bücher aus dem ganzen Land auf die kleine Insel. Mit Unterstützung der lokalen Regierung wird demnächst Chens zweite Buchhandlung in Bailizhou eröffnet. „Dass jedes Kind auf dem Land Literatur in der Hand, Märchen neben dem Kopfkissen und einen Leuchtturm im Herzen hat - das ist mein größter Wunsch“, sagt Chen.












