Technologie wandelt faule Früchte in wertvolle Ressourcen um
An Feiertagen herrscht auf dem Obstgroßmarkt in Hangzhou besonders reger Betrieb. Als größter professioneller Fruchtgroßhandel der Stadt umfasst der Markt fast 1.000 Verkaufsstände und verzeichnet ein tägliches Handelsvolumen von über 1.700 Tonnen. Dabei fallen jedoch regelmäßig große Mengen verdorbener Früchte, Ausschussware und Fruchtschalen an – die Frage, wie sich diese „Last“ in eine „Ressource“ verwandeln lässt, stellt seit Langem eine Herausforderung dar.
Ein Wagen voller verfaulter Pampelmusen wird in eine silberne „große Eisenkiste“ entleert. Mit dem Dröhnen der Maschine beginnt für diese Obstabfälle eine grüne Reise der Kreislaufverwertung – „von der Erde zurück zur Erde“. Kürzlich wurde auf dem Obstgroßmarkt die erste Niedrigtemperatur-Karbonisierungsanlage speziell für großvolumige Fruchtabfälle offiziell in Betrieb genommen. Entwickelt wurde sie für den landwirtschaftlichen Großhandelsmarkt Zhejiang, nun wird sie in Hangzhou getestet. Ziel ist es, die Verwertung recycelbarer Stoffe in der Stadt weiter voranzutreiben.
Verglichen mit herkömmlichen Müllverwertungsanlagen wirkt das Gerät geradezu kompakt – es benötigt lediglich 40 Quadratmeter Fläche, hat es aber in sich. „Anders als bei traditionellen Verfahren arbeitet diese Anlage ohne hohen Druck oder hohe Temperaturen, sie verursacht weder Abwässer noch Abgase und kommt ganz ohne Umladung aus – die Verwandlung von Abfall zu Wertstoff erfolgt direkt vor Ort“, erklärt Wang Jingyang, Vorstandsvorsitzender und stellvertretender Parteisekretär der Hangzhou Fruits Group. Der Boden der Maschine ist mit einem speziell entwickelten Biokohle-Trägermaterial ausgekleidet. Nachdem die verdorbenen Früchte zerkleinert und durchmischt wurden, verbinden sie sich intensiv mit dem Trägermaterial und verwandeln sich innerhalb von drei Tagen in glänzende schwarze „Umweltkohle“.
Diese sogenannte Niedrigtemperatur-Karbonisierungstechnologie wurde über einen Zeitraum von 16 Jahren entwickelt und stellt gegenüber herkömmlicher Müllverwertung einen großen Effizienzsprung dar. Pro Tag können bis zu zehn Tonnen Fruchtabfälle verarbeitet werden. Die Technologie ist durch 14 Patente geschützt und wurde von der Umweltschutzgesellschaft der Provinz Zhejiang zertifiziert – sie gilt als „erstmals in China realisiert und auf internationalem Spitzenniveau“.
In den letzten Jahren hat die Genossenschaft der Versorgungs- und Absatzmärkte in Hangzhou kontinuierlich Reformen vorangetrieben und durch innovative Maßnahmen die Entwicklung neuer hochwertiger Produktionsformen gefördert. Als Tochterunternehmen dieser Genossenschaft erkundet und erprobt die Hangzhou Fruits Group aktiv neue Wege und Modelle für eine grüne Transformation. Mit der Inbetriebnahme der „magischen Eisenkiste“ entsteht nun sukzessive eine durchgängige grüne Kreislaufkette, die Produktion, Vertrieb und Wiederverwertung miteinander verbindet.
„Für jede Tonne verarbeiteter Fruchtabfälle lassen sich 0,8 Tonnen CO₂-Emissionen einsparen. Zudem kann die so erzeugte Kohle Holzkohle ersetzen und damit Waldressourcen schonen“, so ein Projektverantwortlicher. Momentan befindet sich die Anlage noch in der Testphase. Bei einem täglichen Durchsatz von einer Tonne verdorbener Früchte liegt die Reduktionsrate bei über 80 Prozent. Die Rezeptur des Trägermaterials wird zudem saisonal auf die jeweils anfallenden Obstarten abgestimmt.
Und hinter dieser „grünen Rechnung“ verbirgt sich noch mehr: ein Schlüssel zu gemeinsamem Wohlstand. Denn die so erzeugte Umweltkohle kann nicht nur in katalytischen Prozessen wiederverwendet werden, sondern lässt sich auch zu Produkten wie Aktivkohlebeuteln oder Grillkohlen verarbeiten. Darüber hinaus entsteht durch spezielle Veredelungsverfahren ein organischer Dünger, der den ökologischen Landbau unterstützt.












