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„Anstifter des globalen Handelskriegs“

Medien und Experten aus aller Welt kritisieren US-Zollpolitik

german.china.org.cn  |  
29.04.2025

US-Zollpolitik in der Kritik: Ein globaler Handelskrieg, steigende Hürden und wachsende Rezessionsgefahr – Experten und Medien aus aller Welt erklären, wie der US-Protektionismus irreparablen Schaden anrichtet.

Kaum im Amt, hat die neue US-Regierung mit drakonischen Zollerhöhungen einen regelrechten Handelskrieg vom Zaun gebrochen, der weltweit auf große Empörung stößt. Viele Beobachter sehen darin einen Bruch mit jahrzehntelang bewährten multilateralen Handelsregeln – ein Spiel mit dem Feuer, das nicht nur das fragile Gefüge des Welthandels aus dem Gleichgewicht bringt, sondern am Ende auch die USA selbst in schwere Turbulenzen stürzen könnte.

Mit den US-Zöllen steht die Weltwirtschaft am Rande eines Abgrunds

Würden alle jüngst verkündeten Zollerhöhungen zusammengerechnet, stünde der durchschnittliche US-Zollsatz auf einem historischen Hoch, wie er in über hundert Jahren nicht erreicht wurde. Zwar haben die Vereinigten Staaten schon früher mehrfach Handelskonflikte angeheizt, doch die gegenwärtige Eskalation sei, so urteilen zahlreiche internationale Medien, in ihrem Ausmaß beispiellos.

Bloomberg bezeichnet die USA in einem Kommentar als „den Anstifter des globalen Handelskriegs“. Würde der sogenannte „Spiegeltarif“ vollumfänglich in Kraft treten, wäre das die massivste Zollerhöhung seit 1968 – und das Weiße Haus stünde ohne jeglichen Notfallplan da, um eine mögliche Rezession abzufedern.

„Fast ein Jahrhundert nach dem Smoot-Hawley-Tariff Act von 1930 schwingen die USA erneut die ‚Zollkeule‘ (…) “, schreibt der Sri Lanka Guardian. 1930 hätten die USA mit dem Zollgesetz ihren Handelspartnern umfassende Zölle auferlegt, was zu einem dramatischen Einbruch des Welthandels geführt habe. Heute drohten sie wieder in dieselbe Falle zu tappen: „Ein Handelskrieg löst keine wirtschaftlichen Probleme, er verschärft sie. Wir hätten aus dem Smoot-Hawley Act lernen sollen – und doch stehen wir wieder am Rande einer möglichen wirtschaftlichen Katastrophe“.

Douglas A. Irwin, Wirtschaftshistoriker am Dartmouth College betont, dass die Intensität des derzeitigen „Zollkrieges“ historische Ausmaße erreicht habe. Mit Zöllen auf dem höchsten Niveau seit mehr als einem Jahrhundert drohe die Trump-Regierung den ersten globalen Handelskrieg seit den 1930er Jahren auszulösen, so der Autor von The Battles Over Free Trade – A History of United States Trade Policy.

Der kroatische Wirtschaftsanalyst Petar Vuskovic warnt davor, dass die US-Zollpolitik zum „Funken einer globalen Rezession“ werden könnte. Die heftigen Kursschwankungen an den Weltbörsen zeigten bereits Rezessionssignale und alle Beteiligten müssten sich mit den Risiken auseinandersetzen, die von den USA ausgehen.

Serge Quoidbach, stellvertretender Chefredakteur der belgischen Tageszeitung L’Écho, urteilt, die US-Zollpolitik versuche, „den Handel gewaltsam neu zu gestalten“, wodurch die bestehenden internationalen Wirtschaftsregeln „vollständig ausgehebelt“ würden. Er warnt zudem davor, die USA zögen „die ärmsten Länder in diesen absurden Zollkrieg“, sodass gerade die verwundbarsten Staaten die Leidtragenden seien.

Ein „Alleingang ohne ökonomische Vernunft“

„Alleingang“, „Abschottung“ oder „Hindernis für den gemeinsamen Wohlstand“: Diese Begriffe fallen in internationalen Kommentaren immer wieder, wenn die Zollpolitik der USA kritisiert wird. Das Land, so der Vorwurf, befinde sich auf einer Einbahnstraße und habe jegliche ökonomische Vernunft über Bord geworfen. Die Zölle dienten vor allem dazu, innenpolitische Probleme auf andere abzuwälzen, doch dieses riskante Manöver könnte am Ende auch den eigenen Wohlstand untergraben.

In einem Gastbeitrag auf der kubanischen Nachrichtenseite Cuba Debate bezeichnete der US-Ökonom Jeffrey D. Sachs die US-Zollpolitik als „Solo auf ökonomischen Irrtümern“. Das Vorgehen würde nicht nur das globale Handelssystem zerstören, sondern auch der US-Wirtschaft schaden, glaubt der Professor der Columbia University in New York. Er betont, das US-Handelsdefizit sei auf strukturelle Probleme wie ein extrems Haushaltsungleichgewicht und eine niedrige Sparquote zurückzuführen. Zollerhöhungen seien lediglich ein Versuch, Verantwortung abzuschieben und „anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben“.

Busani Ngcaweni, Senior Research Fellow an der University of Johannesburg, hält es für eine „ökonomische Fehleinschätzung“, dass Zölle die heimische Industrie ankurbeln könnten. Die US-Zollpolitik entpuppe sich in der Praxis als „Massenvernichtungswaffe“ gegen globale Wertschöpfungsketten, kritisierte der Experte scharf. Auch Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa warnte unlängst, die „einseitig verhängten Strafzölle“ seien ein „Hindernis für Handel und gemeinsamen Wohlstand“ und gefährdeten damit nicht nur die südafrikanische Wirtschaft, sondern das gesamte multilaterale System.

Die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei kommentiert, dass die US-Zölle das Risiko einer weltweiten Konjunkturabkühlung erhöhen würden. Diese könnten den Protektionismus wie eine „Dominoreihe“ auf andere Länder ausweiten.

Die Zölle könnten die „chronischen Probleme“ der USA nicht lösen, sondern würden die Gefahr einer Rezession in den USA verschärfen, befand der demokratische US-Senator Ron Wyden, für den die Trump-Regierung nichts anderes als „Wirtschaftsterroristen“ sind. Landwirte und Exporteure in den USA sähen derzeit tatenlos zu, wie ihre Märkte durch einen „sinnlosen Handelskrieg“ wegbrächen und Arbeitsplätze vernichtet würden.

„Globale Wirtschaftszersplitterung“ als Folge

Die USA agierten gegen den weltweiten Integrationstrend, förderten den Protektionismus und bedrängten andere Staaten mit „Zolldruck“ und „wirtschaftlicher Erpressung“. Darin sind sich viele Experten einig.

Dan Steinbock, Gründer der US-Beratungsfirma Difference Group, vergleicht die US-Zollstrategie mit „Wirtschaftserpressung“, da sie allen anderen aufzwinge, was die USA nicht beanspruchen dürften. Würde man diesem „Zollzwang“ nicht Einhalt gebieten, sei dann die Globalisierung das Opfer.

Ruslan Izyumov, leitender Experte am Kasachischen Institut für Philosophie, Politikwissenschaft und religiöse Studien, sieht in den USA den „Architekten der Fragmentierung der Weltwirtschaft“. Die aktuelle Zollpolitik signalisiere eine beschleunigte Abkehr des Landes vom multilateralen Freihandelssystem. Das Wiederaufleben des Protektionismus werde die Weltwirtschaft weiter zerstückeln.

Der botswanische Wirtschaftswissenschaftler Sennye Obuseng ist auch der Ansicht, dass die protektionistische Handelspolitik der Vereinigten Staaten disruptiv für die globalen Wertschöpfungsketten sei. Diese habe gerade für stark exportabhängige Länder wie sein eigenes das Entwicklungsrisiko enorm erhöht, sagte der Chef-Berater von SPECK Dynamics.

Hermann Simon, Gründer und Ehrenvorsitzender von Simon-Kucher & Partners, kritisierte, dass die USA ihre Dienstleistungsüberschüsse bewusst verschweigen und stattdessen Ängste vor einer irreführenden „Verlusttheorie“ beim Warenhandel schüren. Im Zeitalter hochintegrierter Lieferketten seien Zollerhöhungen ein unzulässiger Eingriff in komplexe Produktionsnetzwerke, fügte er hinzu.

Humphrey P. B. Moshi, Direktor des China-Zentrums an der Universität Daressalam, warnt, die fortgesetzte Politisierung von Handelsfragen unter dem Deckmantel der „nationalen Sicherheit“ oder „Fairness“ schaffe für viele Entwicklungsstaaten nur Unsicherheit.

Célestin Monga, ehemaliger Vizepräsident und Chefökonom der Afrikanischen Entwicklungsbank, warnt, der US-Protektionismus führe zu Chaos in der Welthandelsordnung, eskalierenden Konflikten und einer teuren Rezession - vor allem für Länder, die auf den Handel als Wachstumsmotor angewiesen sind.

Michel Lins, Professor für Volkswirtschaft an der Federal University of Amazonas (UFAM), sieht in der US-Handelspolitik einen „Katalysator für Krisen“: Gefragt seien stattdessen jetzt Dialog, Verlässlichkeit und Respekt vor internationalen Wirtschaftsregeln.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: US-Zollpolitik,Handelskrieg,Kritik,Medien,Experte