Politische Unsicherheit schreckt Talente ab
US-Behörden nehmen Visavergabe für Harvard-Studierende wieder auf
Die Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und der Harvard University hat eine neue Entwicklung genommen: Wie US-Medien berichten, hat das Außenministerium die weltweiten Konsulate angewiesen, die Visavergabe für künftige Harvard-Studierende nun doch wieder aufzunehmen.

„Konsularabteilungen müssen die Bearbeitung von Studenten- und Austauschvisa für die Harvard University fortsetzen“, heißt es in einer am Freitagabend versandten Depesche, berichtete The Washington Post am Samstag Ortszeit.
Damit wurde eine Anordnung vom Donnerstag außer Kraft gesetzt, die eine Ablehnung aller Anträge von Studienanfängern und Austauschstudierenden der Eliteuniversität vorsah, wie die Zeitung unter Berufung auf eingesehene Dokumente meldete.
Dieser Schritt folgte auf eine einstweilige Verfügung eines Bundesgerichts vom Donnerstag, die Präsident Trumps Einreisebeschränkungen für ausländische Harvard-Studierende vorläufig blockierte. Wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, bleibt die Einreiseerlaubnis für internationale Studierende bis zur Anhörung am 16. Juni bestehen.
Hintergrund ist eine am Mittwoch vom Weißen Haus verkündete Proklamation Trumps zur Einschränkung von Studentenvisa für Harvard. Die Universität hatte am Donnerstag Klage beim Bundesgericht eingereicht und der Regierung vorgeworfen, mit der Maßnahme eine frühere gerichtliche Entscheidung zu umgehen, die das Heimatschutzministerium (DHS) an der Beschränkung internationaler Studienplätze gehindert hatte.
„Das Vorgehen der US-Regierung ist Teil eines größeren politischen Konflikts“, analysierte Lü Xiang, Forscher an der Akademie der Sozialwissenschaften am Sonntag.[OE1] „Indem sie die als demokratenfreundlich geltende Eliteuniversität angreift, will die Regierung ihre konservative Basis mobilisieren.“
Der Experte rechnet mit weiteren Restriktionen: „Für internationale Studierende wird es weiterhin – mal kurzfristige, mal langfristige – Beschränkungen geben. Diese Instabilität wird anhalten, solange es keine klaren gesetzlichen Regelungen durch den Kongress oder Gerichte gibt.“
Wie die New York Times am Samstag berichtete, überdenken bereits viele chinesische Studierende ihre USA-Pläne angesichts der Visaunsicherheit. Lü zufolge wird die derzeitige politische Unberechenbarkeit die Abwanderung von akademischen Talenten weiter beschleunigen.
[OE1]Hier fehlt was













