Mailänderin findet eine zweite Heimat in Xiamen
„Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich 2019 zum ersten Mal Xiamen besuchte. Die Meeresbrise, die von Bäumen gesäumten Straßen, die Balance zwischen Natur und Modernität – alles sprach mich an.“ Carolina Di Condio erinnert sich an den Anfang ihrer Verbindung mit der ostchinesischen Küstenstadt Xiamen, ihrer zweiten Heimat neben Mailand.
Die 28-Jährige ist als Tochter eines italienischen Vaters und einer russischen Mutter geboren. Sie sagt, das Aufwachsen in einem multikulturellen Haushalt habe schon früh eine Faszination für Fremdsprachen geweckt.
Als Großhandelsspezialistin in der Modebranche betreute Carolina für ihr Unternehmen den asiatischen Markt und begann deshalb, Chinesisch zu lernen. Während eines dreimonatigen Sprachkurses in Mailand lernte sie einen jungen Mann aus Xiamen kennen, den sie einige Jahre später heiratete. Im Moment teilt Carolina ihre Zeit zwischen Mailand und Xiamen auf, zusammen mit ihrem Mann und ihrer Katze.
Xiamen verkörpere das schwedische Konzept von „lagom“ – „nicht zu wenig und nicht zu viel“, sagt Carolina. „Ich mache abends lange Spaziergänge in Xiamen, was ich mich in Italien nie traue. In diesen ruhigen Momenten merke ich, wie sehr sich meine Definition von ‚Zuhause‘ verändert hat.“
Aber was ihr wirklich das Gefühl von „Zuhause“ verleiht, sind nicht nur das Essen oder die Sprache, sondern auch die Beziehungen, die sie in Xiamen aufgebaut hat.
„Die Leute hier sind freundlich. Ich habe Freunde gefunden, die sich wie eine Familie anfühlen. Meine Schwiegereltern nahmen mich zu den lokalen Feierlichkeiten zum Frühlingsfest mit und Ladenbesitzer erinnern sich an meine Lieblingsfrüchte. Solche Kleinigkeiten geben mir das Gefühl, wirklich ein Teil der Gemeinschaft zu sein.“
Im Jahr 2024 stellte die Nationale Einwanderungsbehörde insgesamt 2,6 Millionen Visa und Aufenthaltsgenehmigungen für Ausländer aus, was einem Anstieg von 52,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei werden mittelgroße und kleine Städte von den Ausländern immer mehr als Reiseziel oder Wohnort bevorzugt.
Yu Hai, Soziologieprofessor an der Fudan-Universität, erklärt, Chinas Öffnung habe mit Großstädten, wie Beijing, Shanghai und Guangzhou, begonnen, die am Anfang natürlich die größte Anzahl von Ausländern angezogen hätten. „Aber es ist bereits ein neuer Trend geworden, sich in einer kleineren Stadt niederzulassen und dort ein Leben aufzubauen. Für Ausländer, die sich für die chinesische Kultur begeistern und sich in die lokalen Gemeinschaften integrieren wollen, ist dieser Wandel ein natürlicher Prozess. Das Land bietet nicht nur einen lebenswerten Wohnort, sondern auch eine zunehmende Öffnung und Toleranz für Diversität.“













