Sprachbrücke nach China
Immer mehr Menschen in Zentralasien lernen Chinesisch
Die Teilnehmerzahlen an der Chinesischprüfung HSK in Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan haben sich seit 2020 verdreifacht. Chinesisch avanciert in Zentralasien zum Schlüssel für Studium, Berufschancen und internationale Vernetzung.

Die chinesische Sprache erfreut sich in Zentralasien zunehmender Beliebtheit. So stieg die Zahl der Teilnehmer am offiziellen Chinesisch-Sprachtest HSK im Jahr 2024 auf über 16.700 – eine Verdreifachung im Vergleich zu 2020, wie der Testveranstalter Chinese Testing International Co. mitteilte.
Seit der Einführung des HSK in der Region im Jahr 2007 verzeichnen die Prüfungsorte in Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan ein rasant steigendes Interesse. Bis Ende 2024 haben insgesamt 143.000 Kandidaten den Test abgelegt, davon rund 50.000 allein in den letzten fünf Jahren. „Die große Nachfrage zeigt, wie stark die Motivation fürs Chinesischlernen hier ist“, sagt Liu Xiaolong, stellvertretender Leiter vom Chinese Testing International.
Der HSK ist ein international anerkanntes, standardisiertes Prüfungsverfahren zur Klassifizierung der chinesischen Sprachkenntnisse in neun Niveaustufen. Er ist oft Voraussetzung für ein Studium oder Stipendien in China und gilt zunehmend auch als Schlüsselqualifikation für einen Arbeitsplatz in chinesischen Unternehmen vor Ort. „Für viele ist der HSK nicht nur das Tor zum Studium, sondern auch zum Arbeitsmarkt“, so Liu. Mittlerweile steht Chinesisch in der Region in puncto Beliebtheit kaum noch hinter Englisch zurück.
Unter den zentralasiatischen Ländern verzeichnet Kirgisistan den stärksten Zuwachs: Dort ist die Zahl der HSK-Teilnehmer in den vergangenen fünf Jahren jährlich um rund 40 Prozent gewachsen. Im vergangenen Jahr absolvierten etwa 9.400 Prüflinge den Test, wobei sich mehr als 30 Prozent für die fortgeschrittenen Stufen 4 bis 6 entschieden, was auf ein wachsendes Niveau bei den jüngeren Lernenden hinweist.
Mit 4.370 Kandidaten, die den HSK ablegten, war das Konfuzius-Institut der Kirgisischen Nationaluniversität, eines der größten Prüfungszentren des Landes, im Jahr 2024 sehr gut besucht. Allein in der Prüfung im Mai dieses Jahres waren über 1.700 Teilnehmer registriert – so viele wie nie zuvor seit der Gründung des Instituts im Jahr 2009, wie Institutsleiter Chen Zhiguo berichtet. Zugleich wird die Gruppe der Lernenden immer heterogener: Neben Sinologiestudierenden nehmen inzwischen auch Beamte, Übersetzer und Handelsfachleute teil.
Eine ähnliche Entwicklung ist in Kasachstan zu beobachten: Das Konfuzius-Institut an der Al-Farabi-Universität in Almaty verzeichnet einen Anstieg der Prüflinge von 266 im Jahr 2013 auf 1.148 im Jahr 2024.
„Das Interesse ist aus mehreren Gründen gestiegen“, erklärt die Leiterin des Instituts, Deng Hong. Einerseits habe Chinas Hochschulsystem weltweit an Reputation gewonnen. Andererseits förderten die Seidenstraßen-Initiative und das gegenseitige Visumfrei-Abkommen die wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte und erhöhten so den Bedarf an Chinesischkenntnissen.
Zudem locken chinesische Unternehmen mit überdurchschnittlichen Gehältern, sodass Chinesisch zu einem wichtigen Karrierefaktor geworden ist. Mit dem Aufschwung im grenzüberschreitenden E-Commerce und in der Logistik setzen auch Fachkräfte in diesen Branchen auf Chinesisch und zahlreiche Eltern lassen ihre Kinder frühzeitig Chinesisch lernen. Allein in Almaty gibt es inzwischen mehr als 100 Sprachschulen, die Chinesischkurse anbieten.
Der 18-jährige Kanapiyauly Doskhan, Erstsemester an der Al-Farabi-Universität, hat bereits HSK Level 3 bestanden. Der HSK dient ihm dabei als Messlatte und Motivation zugleich. Kürzlich gewann Doskhan den ersten Preis beim „Chinese Bridge“-Wettbewerb der Auslandshochschulen in Kasachstan. In seiner Siegesrede an der L. N. Gumilyov Eurasian National University betonte er: „Ich möchte mit Chinesisch Brücken der Verständigung bauen und zeigen, dass die Welt eine große Familie ist.“













