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Sommer-Davos in China

Wichtiges Treffen in Zeiten des Chaos Exklusiv

german.china.org.cn  |  
27.06.2025

von Oliver Eschke

Unweit von Chinas Hauptstadt kommen diese Tage Vertreter aus 90 Ländern zusammen, um über die chaotische Welt zu sprechen – vor allem über Wege aus dieser Lage. Unter dem Motto „Entrepreneurship for a New Era“ werden nicht Begriffe wie „De-Risking“ oder „Protektionismus“ dominieren, sondern „Multilateralismus“ und „Freihandel“.

Der Israel-Iran-Konflikt ist nur die jüngste in einer Reihe von globalen Krisenherden, die die ganze Welt vor riesige Herausforderungen stellen. Hinzu kommen der aufkommende Protektionismus sowie die Abschottungstendenzen in Ländern wie den USA, die die weltweite wirtschaftliche Entwicklung weiter lähmen.

Das sommerliche Davos-Forum im nordchinesischen Tianjin kommt daher zur richtigen Zeit, denn es bietet die Chance, dass die Welt wieder miteinander redet und Wege findet, durch multilaterales Miteinander zumindest einige der multiplen Krisen zu bewältigen.

Globaler Dialog über Innovation, Verantwortung und Transformation

In der Millionen-Metropole  versammeln sich vom 24. bis 26. Juni 1.800 Teilnehmende aus 90 Ländern – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Der bunte Mix aus Vertretern verschiedener Regierungen, internationaler Organisationen sowie Wissenschaftlern, Innovatoren, Medien und der Zivilgesellschaft ermöglicht einen breiten Diskurs über eine große Bandbreite an Themen. Experten zufolge unterstreicht das Forum – offizieller Name: 16. Jahrestreffen der „New Champions“ (AMNC) des Weltwirtschaftsforums – Chinas Einsatz dafür, das globale Wachstum zu beleben und die Welt ein Stück weit stabiler zu machen.

Anders als exklusive elitäre Treffen wie das G7-Format bindet das Sommerforum in China ganz bewusst Länder des Globalen Südens von unterschiedlichen Kontinenten mit ein. Neben Ecuadors Präsident Daniel Noboa oder dem kirgisischen Premier Adylbek Aleshovich Kasymaliev gehören auch die Regierungschefs Vietnams und Senegals Pham Minh Chinh und Ousmane Sonko zu den Gästen. So wird einerseits auch diesen – häufig unterrepräsentierten – Ländern eine Plattform geschaffen, um Gehör zu finden, und andererseits können sie aufzeigen, welch wichtige Rolle sie als „Aufstrebende Märkte“ in einer dynamischen globalen Wirtschaft spielen können. Neben Diskussionsforen über neue Technologien und Entrepreneurship ist dies einwichtiger Schwerpunktdes Treffens in Tianjin. Konkret lauten die fünf Unterthemen „Decodieren der Weltwirtschaft“, „Ausblick für China”, „Störungen in der Industrie”, „Investitionen in Menschen und den Planeten” und „Neue Energien und Materialien“.

China als Zugpferd für eine neue Zukunft

Bei der Eröffnung betonte Chinas Ministerpräsident Li Qiang, die nachhaltigen Durchbrüche und Innovationsfortschritte des Landes würden der globalen Entwicklung neue Vitalität verleihen und dazu beitragen, das schleppende Wirtschaftswachstum weltweit zu überwinden.

Dass China eine ganz besondere Rolle zukommt, wenn es darum geht, der Welt einen Weg aus diesen schweren Zeiten aufzuzeigen, ist augenscheinlich: „Die Aussichten für Asien und China sind nach wie vor recht gut“, bilanzierte Gim Huay Neo, Managing Director des Weltwirtschaftsforums (WEF), und wies dabei auf die Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft hin.

Chen Shuai, Vizedirektor der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC), sieht die starke Beteiligung nicht nur als Beleg für den großen Einfluss des Forums, sondern auch als Zeichen für die Anziehungskraft des riesigen chinesischen Marktes.

Chinas Volkswirtschaft ist für 30 Prozent der globalen Expansion verantwortlich – die ganze Region Asien für 60 Prozent – und etabliert sich in zahlreichen Zukunftsbranchen als klarer Marktführer: E-Mobilität, Batterietechnologie, Quanten-Computing und so weiter. Mittlerweile ist China auch zu einem attraktiven und starken Forschungsland geworden, weshalb sich angesichts der Schikanen in der US-Wissenschaftslandschaft immer häufiger Top-Wissenschaftler dazu entscheiden, die USA zu verlassen und an Chinas Elitehochschulen wie der Tsinghua-Universität anzuheuern.

Das erste Halbjahr 2025 war davon geprägt, dass ständig neue Krisen aufkamen und somit ein nie gesehener Grad an Unsicherheit und Instabilität entstand. Mit Foren wie dem Sommer-Davos leistet China einen unersetzlichen Beitrag dazu, die Welt wieder zusammenzubringen. Nur durch gemeinsame Gespräche,  Austausch von Ideen und Zielsetzungen kann schrittweise das Gegeneinander wieder einem Miteinander weichen. Es bleibt zu hoffen, dass in diesen Tagen eine Art „Tianjin-Geist“ entsteht, der sich in der ganzen Welt verbreitet.

Die Meinung des Autors spiegelt die Position unserer Webseite nicht notwendigerweise wider.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Tianjin,Davos,Innovation