80 Jahre nach Kriegsende
Gedenkstätte Einheit 731: Aufarbeitung des Kriegsverbrechens Exklusiv
Vor 80 Jahren, am 15. August 1945, kapitulierte Japan bedingungslos. Damit endete nicht nur der chinesische Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression, sondern auch der antifaschistische Weltkrieg. Während die Hauptkriegsverbrecher Japans vor dem Internationalen Militärgerichtshof für den Fernen Osten und weiteren Tribunalen in der Asien-Pazifik-Region zur Rechenschaft gezogen wurden, blieb eine besonders brutale Einheit weitgehend unbestraft: die Einheit 731 der japanischen Armee in China.
Jahrzehntelange Spurensicherung
Diese geheime militärmedizinische Einheit der japanischen Armee (1932-1945) führte im nordostchinesischen Harbin Menschenexperimente und biologische Kriegsforschung durch, bei denen über 3.000 Kriegsgefangene aus China, Korea, der Sowjetunion und einigen westlichen Ländern zu Tode kamen. Die japanischen Militaristen legten 1936 heimlich ein 6,1 Quadratkilometer großes Gebiet im Bezirk Pingfang in Harbin fest und errichteten dort die weltweit größte Basis für biologische Kriegsführung.
Jahrzehnte später machte sich ein Chinese unermüdlich auf den Weg, um die Geheimnisse aufzudecken, die von den japanischen Militaristen „in Gräbern beerdigt“ worden waren. Dieser Wahrheitssucher ist Jin Chengmin, der Direktor der Ausstellungshalle über die Verbrechen der Einheit 731 der japanischen Armee in Harbin. Er hat in 27 Jahren über 30 Reisen nach Japan unternommen, um Beweise zu sichern. „Uns blieb wenig Zeit“, erklärt der Historiker. „Von den letzten vier noch lebenden Angehörigen der Einheit ist der jüngste über 90 Jahre alt.“

Seit 1998 hat er 423 Stunden Videozeugnisse bewahrt, die heute unersetzlich sind, da die Zeugen mittlerweile verstorben sind.
„Während Japan die Verbrechen leugnet, werden unsere Beweise immer wertvoller“, so Jin. Besorgt beobachtet er einen Geschichtsrevisionismus in Japan: „Ohne Zeitzeugen wird die Wahrheit verschwinden.“
Archäologische Funde belegen Gräueltaten
Auf dem Gelände der ehemaligen Einheit 731, auf dem sich auch die Gedenkhalle von Jin befindet, wurden bereits zahlreiche Relikte ausfindig gemacht, die die Verbrechen unmittelbar belegen. Bei der weitläufigen Gedenkstätte handelt es sich heute um die weltweit größte und am besten erhaltene Reliktstätte bakteriologischer Kriegsführung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Im Mai 2014 führten das Archäologische Forschungsinstitut der Provinz Heilongjiang und die Ausstellungshalle über die Verbrechen der Einheit 731 Ausgrabungen am Standort des bakteriologischen Forschungslabors und des Gefängnisses (lokal als „Si Fang Lou“ bekannt) durch. Dabei wurden über tausend Fundstücke geborgen, darunter zahlreiche Glasbehälter mit Flüssigkeit in Gruben. Auf einigen Behältern waren noch Aufschriften wie „Gift“ oder „Dysenterie“ erkennbar. Diese Funde stellen wichtige physische Beweise für die Verbrechen der Einheit 731 dar und vervollständigen die Beweiskette für Menschenexperimente und bakteriologische Kriegsverbrechen.
Umfassende Dokumentation der Verbrechen
Nach jahrzehntelanger mühevoller Beweissuche, internationalen Ermittlungen und archäologischer Arbeit umfasst das heute öffentlich zugängliche Gelände eine Fläche von 200.000 Quadratmetern. Die Ausstellung präsentiert sieben Kategorien von Beweismaterialien wie rund 300.000 Archivdokumente, über 20.000 Exponate, 423 Stunden Videoaussagen ehemaliger Mitglieder der Einheit 731 sowie 22 Stunden Tonaufnahmen des „Kriegsverbrecherprozesses von Chabarowsk“. Diese Quellen bilden eine geschlossene Beweiskette, die sich gegenseitig bestätigt.
Neugestaltete Gedenkstätte
Am 13. Dezember 2024, dem 11. nationalen Gedenktag für die Opfer des Massakers von Nanjing, wurde das ehemalige Hauptgebäude der Einheit 731 in Harbin wiedereröffnet. Im zentralen Korridor des Erdgeschosses wurden 3.000 rechteckige Steintafeln aufgestellt, auf denen die Namen der Opfer von Menschenexperimenten und bakteriologischen Angriffen eingraviert sind.

Forscher haben durch die Auswertung von Originaldokumenten zu den sogenannten „Sondertransfers“ – einem System, mit dem die japanischen Militärs Menschen ohne Gerichtsverfahren der Einheit 731 für Menschenversuche zuführten – sowie durch Prozessakten und internationale Zeugenaussagen eine Liste von 2.805 namentlich bekannten Opfern erstellt. Darunter sind 1.549 Menschen, die im „Si Fang Lou“ Opfer von Menschenexperimenten wurden (darunter Chinesen, Sowjetbürger, Mongolen und Koreaner). Dazukommen 1.256 Opfer bakteriologischer Angriffe der japanischen Truppen in Südchina. Zusätzlich erinnern 195 namenlose Steintafeln an die nicht identifizierten Opfer.
Lebendige Erinnerung und Geschichtsbildung
Die Ausstellungshalle nutzt moderne Technik, um eine mehrdimensionale Darstellung durch Exponate, Archivmaterial und Zeitzeugenberichte zu schaffen.
In den letzten Jahren hat sich die Ausstellungshalle zu einem wichtigen Zentrum der Geschichtsbildung entwickelt. Innovative Ansätze und vielfältige Formate haben ihre Wirkung verstärkt. Im vergangenen Jahr löste sie eine landesweite Welle Begeisterung aus. Noch heute bilden sich lange Schlangen vor dem Eingang. Wie ein Internetnutzer treffend schrieb: „Diese Schlange hat kein Ende, denn 1,4 Milliarden Chinesen sind auf dem Weg hierher…“













