Visafreiheit zwischen China und Südkorea
Eine Win-win-Situation für Tourismus und Wirtschaft
Nach der Einführung gegenseitiger Visafreiheitsregelungen steuern China und Südkorea auf ein Win-win-Ergebnis zu. Die nacheinander implementierten Maßnahmen sollen die Tourismusbranche beider Länder ankurbeln und das Wirtschaftswachstum fördern.

Nach der Einführung einer temporären Visafreiheit für chinesische Touristen durch die südkoreanische Regierung kam es in diesem Land zu einem spürbaren Anstieg der Reisenden aus der Volksrepublik. Dieser Effekt zeigte sich besonders während der achttägigen Ferien zum chinesischen Nationalfeiertag und Mittherbstfest Anfang Oktober.
Die südkoreanische Regelung erlaubt Gruppenreisenden aus China – definiert als Gruppen von mindestens drei Personen – vom 29. September bis zum 30. Juni 2026 ohne Visum einzureisen. Der maximal erlaubte Aufenthalt beträgt 15 Tage. Zuvor galt eine solche Visumbefreiung nur für die Insel Jeju, wo chinesische Einzel- und Gruppenreisende sich bis zu 30 Tage lang aufhalten durften. Diese Regelung für Jeju ist weiterhin gültig.
Liu Haomiao, Manager für Südkorea-Reiseplanung beim chinesischen Reiseportal Tuniu, bestätigte den positiven Trend: „Dank der Visafreiheit ist die Zahl der Gruppenreisen nach Südkorea seit den Feiertagen zum Nationalfeiertag bis heute auf unserer Plattform um über 60 Prozent im Vergleich zum September gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sie sich sogar vervielfacht.“ Kurze Flugzeiten und die aktuelle Visafreiheit machen Südkorea derzeit zu einem attraktiven Ziel für chinesische Touristen. Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten zählen laut Liu der alte Gyeongbokgung-Palast und das Einkaufsviertel Myeong-dong in Seoul sowie der Berg Hallasan auf der Insel Jeju.
Wie die Zeitung Korea Herald berichtete, verfolgt die südkoreanische Regierung das ehrgeizige Ziel, in diesem Jahr 5,36 Millionen chinesische Touristen ins Land zu locken. Dies würde fast der Zahl von 6,02 Millionen aus dem Vorkrisenjahr 2019 entsprechen. Laut Schätzungen der Bank von Korea, Zentralbank des Landes, könnte ein Zuwachs von einer Million chinesischer Gruppenreisender das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um bis zu 0,08 Prozentpunkte steigern.
Die Einführung der Visafreiheit in Südkorea wird als positive Reaktion auf eine zuvor von China eingeführte Regelung für südkoreanische Staatsbürger betrachtet. Im November 2024 hatte die chinesische Regierung angekündigt, dass Inhaber regulärer südkoreanischer Pässe für Geschäftsreisen, Tourismus, Familienbesuche und Transit vom 8. November 2024 bis zum 31. Dezember dieses Jahres für bis zu 15 Tage ohne Visum auf das chinesische Festland einreisen dürfen.
Auch diese Maßnahme zeigt Erfolg. Daten des Reiseportals Trip.com belegen, dass die Reisebuchungen von Südkoreanern nach China von November 2024 bis Mitte September dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 131 Prozent gestiegen sind. Da der südkoreanische Feiertag Chuseok (Erntedankfest) dieses Jahr Anfang Oktober mit den chinesischen Feiertagen zusammenfiel, besuchten viele Touristen aus Südkorea chinesische Ziele wie Shanghai, Beijing, Hongkong und Dalian, wie Trip.com berichtet.
Chen Minsheng, ein unabhängiger Reiseleiter in Zhangjiajie (Provinz Hunan), einem ebenfalls bei Südkoreanern beliebten Reiseziel, begrüßte die vereinfachten Visaregelungen. „Viele meiner Kunden sind ältere Menschen um die 60 aus Südkorea, und ich freue mich sehr, dass sie nach China kommen, um die schöne Landschaft zu sehen und andere Traditionen zu erleben“, sagte er. „Der zwischenmenschliche Austausch ist immer herzerwärmend. Er kann unser gegenseitiges Verständnis vertiefen und eine solide Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen den Ländern legen.“











