Klarer Fokus auf die Zukunft
Wie Chinas Fünfjahresplan die Welt prägen wird Exklusiv
Von Oliver Eschke
Ende Oktober genehmigte die vierte Plenarsitzung des 20. Zentralkomitees (ZK) der Kommunistischen Partei Chinas (KP Chinas) die Empfehlungen für den 15. Fünfjahresplan (2026-2030) Chinas. Damit wurde ein wichtiger Grundstein dafür gelegt, dass China auch in den nächsten Jahren die richtigen Prioritäten setzt und die wichtigsten Ziele erreichen kann.
Die Tradition der Fünfjahrespläne reicht bis ins Jahr 1953 zurück und hat sich seitdem als enorm wichtiges Mittel erwiesen, um eine stabile, zielgerichtete und strukturierte Politik durchzuführen. Nicht zu vernachlässigen ist auch die hohe Transparenz, die sich daraus ergibt. Für alle relevanten Akteure ist ganz klar schwarz auf weiß nachzulesen, was von ihnen verlangt und erwartet wird. So ist es China in den vergangenen Dekaden gelungen, in allen Bereichen – von der Wirtschaft über die Bildung bis hin zur Landwirtschaft – kontinuierlich nach vorne zu kommen.
2026-2030
Die Empfehlungen des ZK der KP Chinas zur Ausarbeitung des 15. Fünfjahresplans (2026-2030) von China zielen auf hochwertige Entwicklung ab, mit Prioritäten wie grüner Transformation und einer noch tieferen Integration in die Weltwirtschaft. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Dokumente im Zusammenhang mit dem neuen Fünfjahresplan ein klarer Fokus auf Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz (KI), fortschrittliche Halbleitertechnologien, Wasserstoff- und Kernfusionsenergie,Biomanufacturing und moderne Fertigung. Durch diese modernen Technologien, auch als „Produktivkräfte neuer Qualität“ bezeichnet, soll eine grüne und nachhaltige Entwicklung ermöglicht werden, d.h. eine Verstärkung des Klimaschutzes, die Förderung erneuerbarer Energien und die Reduzierung von Kohleverbrauch. Im Einklang damit soll auch die 2023 formulierte „Digitales China“-Initiative noch einmal gestärkt werden, um Forschenden mehr Unterstützung bieten zu können.
Überdies legt Chinas Führung dem menschenzentrierten Ansatz getreu großen Wert auf die Verbesserung der Lebensqualität und sozialer Gerechtigkeit, weshalb auch Investitionen in Bildung, Gesundheitswesen, Wohnungsbau und Armutshilfe in ländlichen Gebieten einen hohen Stellenwert genießen.
Der Minister für Wissenschaft und Technologie Yin Hejun kommentierte die Pläne Ende Oktober folgerichtig mit den Worten: „Diese Empfehlungen zielten darauf ab, die wissenschaftlich-technologische Eigenständigkeit auf hohem Niveau zu beschleunigen.“
Arbeiter sind an einer intelligenten Produktionslinie in einer Tech-Firma in der ostchinesischen Stadt Ruichang beschäftigt. (Foto von Xinhua)
Im Grunde knüpft China damit nahtlos an den aktuellen 14. Fünfjahresplan (2020-2025) an, schärft jedoch noch einmal den Fokus. In den vergangenen fünf Jahren stieg etwa der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben (F&E) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,40 Prozent im Jahr 2020 auf etwa 2,68 Prozent. Die absoluten F&E-Ausgaben überschritten letztes Jahr die Marke von 500 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2025 gelang China erstmals der Sprung in die Top 10 des Global Innovation Rankings. Auch in anderen renommierten Rankings wie zum Beispiel von Nature dominieren chinesische Institutionen in Kategorien wie „Research Leaders“ oder Publikationen schon seit einigen Jahren.
In zukunftsweisenden Bereichen wie der Raumfahrt wurden bahnbrechende Meilensteine erreicht, wie etwa die Rückführung von Mondgesteinproben durch die Chang'e-5-Mission. Genau dieses Beispiel unterstreicht zudem Chinas offenen Ansatz: Anstatt diese Proben für sich zu behalten, wurden Wissenschaftlerteams aus der ganzen Welt dazu eingeladen, an ihrer Analyse mitzuwirken. Dieser offene Ansatz zeigt sich an der Lockerung der Visabestimmungen, insbesondereder Ausweitung der visafreien Politik. Diese Maßnahmen haben internationale Besucher effektiv für Reisen nach China gelockt.
Minister Yin betonte auch: „Wir werden zusammenarbeiten, um ein globales KI-Governance-System aufzubauen und globale Herausforderungen gemeinsam anzugehen.“
Neben all den technologischen Zielvorgaben ist das vielleicht die zweite Kernbotschaft der neuen Empfehlungen für den Fünfjahresplan: China will nicht alleine agieren, sondern spricht sich ganz klar und offen dafür aus, gemeinsam mit seinen internationalen Partnern zu arbeiten. Nur durch einen globalen Konsens können Lösungen und Standards gefunden werden, um die Zukunftsfelder wie KI, Digitalisierung oder Robotik so zu gestalten und zu regulieren, damit einerseits das volle Potenzial genutzt werden kann, andererseits aber auch alle Länder davon profitieren.
Nach Durchsicht der Empfehlungen wird also ganz klar: China wird mit der klaren Priorisierung einer grünen, nachhaltigen und von Innovationen getriebenen Entwicklung bis 2030 noch stärker als heute schon dazu beitragen, die Welt nach vorne zu treiben. Die Maßnahmen werden innerhalb Chinas zu einer wachsenden Bevölkerung mit mittlerem Einkommen führen, was durch die gestiegene Kaufkraft weitere Chancen für ausländische Unternehmen bietet. Die enorme Anziehungskraft des chinesischen Marktes wurde in den vergangenen Tagen erst wieder auf der China International Import Expo (CIIE) in Shanghai unter Beweis gestellt.
Das Foto zeigt das National Exhibition and Convention Center (Shanghai), den Hauptveranstaltungsort der 8. CIIE. (10. November 2025, Xinhua)
Der nächste Fünfjahresplan ist also ein weiteres Beispiel für Chinas Win-win-Ansatz. Von einem starken China wird nicht nur das Land selbst, sondern die ganze Welt profitieren!
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